Mehrere Wohnungen in Kemptener Asylbewerberheimen durchsucht

Rauschgiftverfahren: große Durchsuchungsaktion

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Kempten - Im Zuge eines seit Monaten andauernden Rauschgiftermittlungsverfahrens wurden am gestrigen Mittwoch zeitgleich mehrere Wohnungen in Asylbewerberheimen durchsucht. Den acht Hauptverdächtigen wird die Rauschgiftabgabe überwiegend an Minderjährige zur Last gelegt.

Die Wohnungen, die sich in zwei Kemptener Asylbewerberheimen befanden, wurden durch eine Vielzahl von Polizeibeamten durchsucht. Grundlage hierfür ist ein Strafverfahren, welches seit Sommer dieses Jahres von der Staatsanwaltschaft Kempten und Polizeiinspektion Kempten geführt wird. In dieses sind auch Beamte der Kriminalpolizei, der Operativen Ergänzungsdienste Kempten, des Bayer. Landeskriminalamtes, sowie der Bayer. Bereitschaftspolizei eingebunden.

Das Strafverfahren wurden wieder aufgenommen, nachdem bereits im Februar dieses Jahres ein umfangreiches Verfahren gegen einen 22-jährigen Senegalesen erfolgreich geführt wurde. Er wurde zwischenzeitlich vom Landgericht Kempten zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, weil ihm eine hohe Anzahl von Drogenverkäufen an Minderjährige nachgewiesen werden konnte. Bereits damals hob Polizeidirektor Günter Hackenberg hervor, dass „seine Beamten einen bedeutenden Beitrag zur Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität leisteten. Insbesondere die Abgabe an Minderjährige wiegt ganz besonders schwer“, so der Kemptener Polizeichef.

Trotz dieses damaligen Ermittlungserfolges erlangten die Beamten erneut Kenntnis vom Rauschgifthandel durch Bewohner zweier Kemptener Unterkünfte, woraufhin gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Kempten im Juli erneut umfangreiche Ermittlungen eingeleitet wurden. Die bis heute und verdeckt geführten Ermittlungen führten dazu, dass sich acht Männer im Alter von 21 bis 31 Jahren herauskristallisierten, die meist aus den Unterkünften heraus mit Drogen handelten. Abnehmer der großteils geringen Mengen Marihuana waren in aller Regel Jugendliche und junge Erwachsene. Die gestrigen Durchsuchungen markieren den Übergang in die offen geführten Ermittlungen gegen die Beschuldigten.

Während der Durchsuchungen am vergangenen Mittwoch wurden weitere Erkenntnisse bekannt, so dass der Ermittlungskomplex auf weitere sechs Verdächtige erweitert werden musste, denen mindestens der unerlaubte Besitz von Betäubungsmitteln vorgeworfen werden kann. Ob auch diesen Beschuldigten Handeltreiben zur Last gelegt werden kann, wird im weiteren Verfahren geprüft. Insgesamt durchsuchten die Polizeibeamten gestern 13 Wohnungen, von denen ein Teil zwangsweise geöffnet werden musste; eine Bewohnerin erlitt einen Schwächeanfall und wurde vorsichtshalber in ein Krankenhaus eingeliefert.

Schon während den laufenden Durchsuchungen erhärtete sich der bereits bestehende Verdacht, dass Teile der Hauptverdächtigen den Handel professionell abwickelten. So waren beispielsweise Verstecke angelegt worden, in denen sich bereits vorgefertigte Portionen befanden.

Nach Abschluss der Maßnahmen waren rund 300 Gramm Marihuana sichergestellt, sowie 20 Gramm einer noch unbekannten Substanz, die untersucht werden muss. Außerdem wird geprüft, ob es sich bei insgesamt über 7000 Euro sichergestelltes Bargeld um einen Erwerb aus Drogenverkäufen handelt. Auch diverse Rauschgiftutensilien wurden aufgefunden. Sichergestellte elektronische Datenträger, wie beispielsweise Mobiltelefone werden im Rahmen des weiteren Ermittlungsverfahrens ausgewertet. Dieses zielt in der Hauptsache darauf ab, Hintermänner der Händler zu identifizieren.

Aber auch die Abnehmer werden zur Anzeige gebracht. Da es sich nach derzeitigem Kenntnisstand dabei auch um Minderjährige gehandelt hatte, wiegen die Vorwürfe gegen die tatverdächtigen Händler besonders schwer, was sich im Falle einer im Raum stehenden Verurteilung auf die zu verhängenden Strafen auswirken kann. kb

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