Weiterhin Unterbringung in der Psychiatrie

"Schuldunfähig" und "gemeingefährlich"

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In Fuß- und Handfesseln trat der Verurteilte vergangenen Dienstag die Fahrt zurück in die Psychiatrie an.

Es ist eine über mehrere Jahre dauernde, unheilvolle Geschichte aus Wahnvorstellungen, immer wieder gleich gelagerten von Aggression gesteuerten Straftaten, Unterbringungen in der Psychiatrie, Betreuung und Bewährung, in der es am Ende einen Toten und vier zum Teil schwer Verletzte gibt.

Vergangenen Dienstag fiel das Urteil für den Angeklagten, der, wie berichtet, am 28. Dezember 2015 zunächst seinen Mitbewohner wegen des Verdachts, er sei für einen Trojaner auf seinen Computer verantwortlich, mit Messer und Axt getötet und in der Hoffnung von der Polizei erschossen zu werden, im Kemptener Forum wahllos auf Passanten eingeprügelt und eingestochen hatte, wobei vier junge Männer zum Teil schwer verletzt worden waren. An der Forderung des Staatsanwalts am Strafmaß für den als schuldunfähig und gemeingefährlich eingestuften Täter gab es für niemanden etwas zu rütteln: Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus, wie es bereits seit der Festnahme der Fall war. Er habe „sehr viel reflektiert über die Tat“, sich bei allen Beteiligten bzw. der Familie des Getöteten schriftlich entschuldigt und auch „umfassende und detaillierte Angaben gemacht“, durch die es überhaupt erst möglich gewesen sei, die Tat nachzuvollziehen, so der Staatsanwalt.

Im Rahmen der Plädoyers meldete sich auch die aus Italien angereiste Witwe des Getöteten und Nebenklägerin zu Wort: Dieser Mord habe „Jeden in unserer Familie zerstört“. Ihre Anwältin zeigte sich überzeugt davon, dass die Tat durch bessere Kontrollen „hätte verhindert werden können“, als klar gewesen sei, dass der Angeklagte seine Psychopharmaka nicht regelmäßig nehme. Auch habe es „keine Intervention“ gegeben, als der Getötete darauf hingewiesen habe, er fühle sich von seinem Mitbewohner bedroht.

„Völlig unbegreiflich“, war es für eines der wahllos attackierten Opfer aus dem Forum, dass jemand der in der Vergangenheit bereits mehrfach auffällig gewesen sei, „auf freiem Fuß war“.

Das Urteil ist rechtskräftig.  Christine Tröger

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