Viele Fäden laufen hier zusammen – Asyl und Flüchtlinge sind nur ein kleiner Teil

Referat 5 hat dicke Bretter zu bohren

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Hat mit der Steuerung von sechs Ämtern alle Hände voll zu tun. Auch wenn bei Benedikt Mayer, Referent für Jugend, Schule und Soziales, „Asyl“ nebenher laufen muss, ist praktisch jeder Bereich in Referat 5 davon betroffen. 

Kempten – Wahrgenommen wird das Referat 5 von vielen fast nur noch im Zusammenhang mit Asyl und Flüchtlingen. Zweifelsohne ist es unter den städtischen Referaten wohl auch am stärksten in die Themen involviert. Dabei hat Benedikt Mayer, Leiter des Referats für Jugend, Schule und Soziales, ein „kompliziertes Konglomerat aus verschiedenen Professionen“ unter sich, das Bürgerinnen und Bürger von der Geburt bis zur Bahre und sogar darüber hinaus begleitet. Denn mit der Schwangerenkonfliktberatung setzt das Referat 5 schon vor der Geburt an.

Über fünf Ämter mit mehreren Arbeitsfeldern plus Jobcenter muss Mayer den Überblick bewahren – schließlich trägt er die Verantwortung dafür, wenn etwas schief läuft: Amt für soziale Leistungen und Hilfen, Stadtjugendamt, Amt für Jugendarbeit, Amt für KiTa, Schulen und Sport, Amt für Ausbildungsförderung, Senioren- und Wohnungsfragen und seit dem 1. Februar 2016 ist auch das neu geschaffene Amt für Integration Teil von Referat 5, das deutliche Erleichterung für die einzelnen Ämter bringen soll. Rund 300 Mitarbeiter hat Mayer dabei allein innerhalb der Stadtverwaltung im Auge, dazu etwa nochmals so viele von Freien Trägern wie dem Stadtjugendring oder Haus International als „Vertragspartner, die eng gebunden sind“. Damit nicht genug, denn der Referent hat noch eine ganze Reihe weiterer Aufgaben zu erfüllen, unter anderem als „direkter Vorgesetzter der 70 Lehrer an der Städtischen Realschule“ oder der Agnes-Wyssach-Schule sowie viele begleitende Funktionen in zum Teil weitgehend unbekannten Institutionen und Organisationen, „die aber alle gelingen müssen, damit es den Leuten am Ende gut geht“; beispielsweise, dass Kinder und Jugendliche durch die Schule kommen.

Mayers Tag ist dennoch planbar und „muss planbar sein“. Er ist sogar „ganz genau getaktet“, in der Regel von 7.30 Uhr bis 17 Uhr. Danach warten noch zahlreiche Verpflichtungen auf den Referatsleiter. Dennoch kennt er auch einen „Dienstschluss“ und bezeichnet sich sogar als ganz „normaler Familienvater“. Dass das auch seine Frau und die beiden inzwischen erwachsenen Töchter so unterschreiben würden..... „nein“, sagt er ohne zu zögern, wohl eher nicht. Ausgleich für die langen Arbeitstage findet der Alpinsportler bei Bergtouren, beim Lesen und Reisen mit dem Wohnmobil.

Ausgleich ist sicher nötig, erfasst man das große Zuständigkeitsspektrum. Man glaubt Mayer gern, dass „in keinem Amt mehr ein rein klassischer Verwaltungsapparat“ arbeitet und dass schon allein wegen der vielen bereichsübergreifenden Aufgaben in den Leitungsstrukturen „Flexibilität gefragt ist“. Damit alles funktionieren kann, sind Besprechungen das „A&O“, auch das gemeinsame Entwickeln eines Wertebildes. Sich selbst sieht Mayer in einer „reinen Steuerungsfunktion“, in einer „Moderationsrolle“, um die sozialpolitischen Belange der Stadt zu vertreten. Der größte Teil seiner Arbeit liegt in den Bereichen Jugendhilfe, Jugendarbeit und Schule – „selbst Asyl muss nebenher laufen“. Allerdings, so Mayer im Gespräch mit dem Kreisboten, sei das Thema Asyl „in allen Bereichen“ seines Referates präsent. Lediglich bei der Seniorenbetreuung „ist es noch nicht angekommen“.

Blick über den Tellerrand gefragt 

Begonnen hat der Verwaltungsfachwirt mit Personal- und Haushaltsrecht beim Freistaat Bayern. 1978 wechselte er als Zuständiger für Straßen- und Sicherheitsrecht ins Ordnungsamt der Stadt Kempten, es folgten Baugenehmigungsrecht, vier Jahre lang die Leitung des OB-Büros – von 1986 bis 1990 – danach zehn Jahre Leitung des Ordnungsamtes und schließlich bis 2006 Leitung des Jugendamtes, bevor er die Leitung von Referat 5 übernahm. Dass er so unterschiedliche Stellen in seinem Lebenslauf hat, empfindet Mayer als großen Pluspunkt für die Stelle, an der er heute sitzt, weil es den Blick über den Tellerrand hinaus gehen lässt. Vielleicht ist die abwechslungsreiche Karriere ja auch mit ein Grund dafür, dass er sagen kann: „Es macht auch heute noch überwiegend Spaß. Vor allem dieses „neue gestalten von Lebenswelten ist das, was wirklich Freude macht“, erinnert er an die Ergebnisse von „Zukunft bringt’s“ oder dass „wir nun eine Modellregion für Inklusion sind“.

Dennoch gibt es auch die wenig spaßige Seite seiner Arbeit, zum Beispiel wenn kleine Kinder von Verwahrlosung oder Behinderung betroffen sind. Das würde ihn „arg bewegen“ und es gebe sogar vereinzelt Fälle, „bei denen man auch selber Hilfe braucht“, räumt er ein. Wegen des gesetzlich oft eng gesteckten und mit einem „klaren Ablaufraster“ genau vorgegebenen Handlungsrahmens, sei es immer ein „Spagat“ zwischen einem „vermeintlich berechtigten Hinweis“ und dessen Verifizierung. „Der Zeitraum dazwischen ist das Risiko, das man verantworten muss.“ Rund 130 Meldungen kann Mayer pro Jahr verzeichnen, „in der Regel mit Handlungsbedarf“, häufig Fälle mit kleinen Kindern. Am meisten Kopfzerbrechen bereitet ihm aktuell dennoch das Thema Asyl, „weil es keine strukturierten Lösungsansätze gibt“.

Christine Tröger

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