Der richtige Umgang

Im Pfarrsaal „Mariä Himmelfahrt“ ist es ganz still. Kinder liegen, fest in eine Decke eingewickelt, am Boden. Die Buben und Mädchen versuchen im Augenblick das Leben einer verpuppten Raupe nach zu empfinden. Erst am Ende dieser Dunkel- und Ruhezeit können sie ihre Arme wieder ausbreiten wie die Flügel eines Schmetterlings.

„Mama, wo ist Opa jetzt?“, war das Motto des Nachmittages zum Thema „Abschied, Sterben, Trauer und Tod“. Eltern und Kinder der dritten und vierten Klassen waren vom Arbeitskreis Ehe und Familie eingeladen worden. Der Film „Willi will's wissen – wie ist das mit demTod?“, führte Eltern und Kinder ins Thema ein. Danach stellte sich Benno Driendl, Beauftragter der Kontaktstelle für Trauerbegleitung, den Fragen der Eltern. „Was sage ich meinem Kind, wenn es fragt, wohin Menschen nach dem Tod kommen? Trauern Kinder anders als Erwachsene?“ oder „Warum müssen auch Kinder sterben?“ Driendl erläuterte, dass Kinder anders trauern als Erwachsene und sie auf die Hilfe der Eltern angewiesen seien, wenn es darum ginge, Gefühle und Trauer zu zeigen. Es sei grundsätzlich notwendig, den Kindern ehrlich Rede und Antwort zu stehen, damit diese Sicherheit erführen. Auch Kinder, so der Pastoralreferent, sollten sich von geliebten Menschen und Tieren verabschieden können, um ihren Tod wirklich zu begreifen. Ihr Umgang mit dem Tod sei oft viel unbefangener, als der von vielen Erwachsenen. Von Bildern lernen Im Saal nebenan flattern inzwischen die ausgeschlüpften Schmetterlinge. Die Buben und Mädchen sind froh, der engen Hülle entronnen zu sein. „Kinder lernen“, so Gruppenleiter Pfarrer Doll, „vor allem von Bildern und aus eigenem Erleben.“ Der Kokon der Raupe sei einem Sarg nicht unähnlich und kein Mensch würde glauben, dass aus einer so hässlichen Hülle ein so leichtes und schönes Geschöpf schlüpft, so Doll weiter. „So können auch wir Menschen uns ein Leben nach dem Tod kaum vorstellen.“ Intensive Gespräche Die teilnehmenden Kinder entwickeln im Gespräch viele Visionen vom Leben danach. Sarah ist fest davon überzeugt, dann auch fliegen zu können und ihre Schwester Sophie ist sich sicher, dass ein Leben bei Gott spannend ist. Bunt wie die Vorstellungen werden dann auch die Holzschmetterlinge der Kinder. Sie sollen später daheim an die vielfältigen Wandlung des menschlichen Lebens erinnern.

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