Die Rufe werden lauter

Sehen sich mit den Forderungen nach einem Integrationskonzept konfrontiert: Maria Ruppolt (v.l., Leiterin des Sozialamts), Bürgermeister Josef Mayr, Beirats-Vorsitzender Siegfried Oberdörfer und Gudrun Flaig von der Stadtverwaltung. Foto: Stodal

Bei der Sitzung des Kemptener Integrationsbeirats sorgte die Vorstellung des kommunalen Integrationsplanes für den Landkreis Oberallgäu durch die Gastrednerin Miriam Duran (Beauftragte für Migration und Integration, sowie Aussiedlerbeauftragte beim Landratsamt Oberallgäu) für rege Diskussionen und rückte die Notwendigkeit eines eigenen Integrationsplanes für Kempten erneut in den Fokus.

Der Kemptener Integrationsbeirat konnte in seiner dritten Sitzung des Jahres auf erfolgreiche zwölf Monate zurückblicken. Eigene Veranstaltungen seien gut angenommen worden, zudem sei nach der Zustimmung durch OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) nun endlich der Weg frei für die erste Einbürgerungsfeier der Stadt, die im Frühjahr stattfinden wird, so der Vorsitzende Siegfried Oberdörfer. Ein positives Resümee zog auch Rudi Goschler, Geschäftsführer des Haus International und seit über 20 Jahren Motor des „Interkulturellen Herbstes“. In finanzieller und inhaltlicher Hinsicht gebe es von den mehr als 30 Events dieser Veranstaltungsreihe, die von Vorträgen über Konzerte, Diskussions- und Informationsabende, Kindertheater, Matineen bis hin zu Tanzabenden reichten, „nur Erfreuliches zu berichten.“ Der Zuschussbedarf konnte von 4000 Euro im Jahr 2010 auf 2900 Euro im Jahr 2011 gesenkt werden. Viel Diskussionsstoff lieferte der von Gastrednerin Miriam Duran vorgestellte Integrationsplan für den Landkreis Oberallgäu. Dieser wurde ab Oktober 2010 von der ausschussübergreifenden „Arbeitsgruppe Migration & Integration“, bestehend aus Vertretern der Verwaltungen von Kommunen und Landkreis, der Hochschule Kempten, Migrantenorganisationen, Bildungsträgern, Parteien und Vereinen erarbeitet, um dem Integrationsprozess im Oberallgäu einen strategischen Rahmen zu geben und eine effiziente Projektentwicklung zu gewährleisten. Expertenteams befassten sich vor allem mit den Themen Bildungsgerechtigkeit, Arbeitsmarktintegration, Kultur und interreligiöser Dialog, Öffentlichkeitsarbeit sowie Partizipation, Stärkung der Zivilgesellschaft und Abbau von Diskriminierung. Außerdem erarbeiteten sie auf der Basis umfangreichen demografischen Zahlenmaterials und unter Berücksichtigung bewährter wie auch neuer Aktivitäten einen Katalog konkreter Maßnahmen und Projekte. Dazu gehören beispielsweise außerschulische Förder- und Betreuungsangebote, die Errichtung eines interkulturellen, generationenübergreifenden Kommunikationszentrums sowie die im Februar 2012 beginnende Ausbildung sogenannter „Integrationslotsen“, die Menschen mit Migrationshintergrund umfassend beraten und begleiten. Die Effizienz der Maßnahmen, für die im Jahr 2012 ein Budget von 25 000 Euro veranschlagt ist, wird durch ein alljährliches Monitoring sichergestellt. „Der Integrationsplan ist eine Handlungsanweisung, die nicht nur auf dem Papier besteht, sondern wirklich gelebt wird“, freut sich Miriam Duran, die sich hauptamtlich mit dem Projekt befasst. Erneute Forderung Dass Kempten selbst keinen hauptamtlichen Integrationsbeauftragten hat, sahen die meisten der Sitzungsteilnehmer als dringend zu behebendes Manko an. Auch die bereits im vergangenen Jahr geforderte Erstellung eines eigenen Integrationskonzeptes wurde nun erneut unterstrichen. Damit könnte man „die zahlreichen Integrationsprojekte und Aufgaben noch besser und effizienter bündeln und koordinieren, sowie eventuelle Schwächen aufdecken“, so CSU-Stadtrat Andreas Kibler. „Wir vom Integrationsbeirat können das ehrenamtlich nicht alles leisten. Da brauchen wir politische Unterstützung“, findet Siegfried Oberdörfer (SPD) und Stadträtin Erna-Kathrein Groll (Grüne) ist überzeugt: „Wenn wir das Geld dafür nicht in die Hand nehmen, wird es hinterher noch teurer, weil Vieles nicht da ankommt, wo es ankommen soll”, mahnte sie. „Wir müssen uns einmal die Mühe machen, eine Analyse durchzuführen und alles auf einen Plan zu bringen, sonst werden wir schwer effektiv arbeiten können. Denn die Probleme werden in der Zukunft größer statt kleiner“, so die Stadträtin weiter.

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