"Schaden größer als Nutzen"

Es brodelte schon lange in der Gerüchteküche: „Leutkirch und Isny haben mit ihren Krankenhäusern keine Chance mehr“, hieß es immer wieder. Nun hat die OSK (Oberschwabenklinik), in diesem Falle Dr. Elisabeth Harrison-Neu, die Katze aus dem Sack gelassen und in der Kreistagssitzung über die Perspektiven der Krankenhäuser referiert.

Hierbei ging es um die neue OSK-Studie über Zukunftsaussichten der Krankenhäuser des Verbundes, die nun auf dem Tisch lag. Das, was Dr. Harrison-Neu vortrug, war nicht so neu. Im Gegenteil: An den kleinen Allgäuer Krankenhäusern wird seit mehr als 15 Jahren herumgemäkelt, Schicht für Schicht abgetragen bis nur noch ein armseliges Gerippe einer Krankenversorgung übrig bleibt. Sollte dann die Notarzt- undNotfallversorgung nicht richtig funktionieren, würde wohl auch die Restversorgung eliminiert werden. Das OSK-Team hat jedoch Modelle entwickelt. Von Geld war die Rede, von Mindestmengenregelung, von Gewinnmaximierung und Ausbau des Ravensburger Krankenhauses zu einer zentralen Versorgungseinrichtung. Mit keinem Wort aber von Patienten, ihren Sorgen und Ängsten in großen Kliniken, von der Unerreichbarkeit vom EK Ravensburg für alte Menschen aus Leutkirch oder Isny und Umgebung, wenn der Lebensgefährte in Ravensburg oder selbst in Wangen liegt und wegen einer Mehrfacherkrankung länger dort bleiben muss. "Keine Argumente" Ebenfalls mit keinem Wort erwähnt wurde das Projekt der Evangelischen Heimstiftung, die an das Isnyer Krankenhaus einen Anbau stellen wollte und Isny auf diese Art und Weise in Zusammenarbeit mit der OSK zu einem Geriatrischen Zentrum mitgestalten wollte. Das wäre einmalig gewesen. Die Redner nach Harrison-Neu stellten einige Dinge gerade. Leutkirchs Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle sah vor allem das Fehlen von Ist-Werten bei der Angabe der finanziellen Entwicklung. Nach seiner Meinung sind finanzielle Prognosen bis ins Jahr 2016 keine belastbaren Argumente dafür, etwas zu zerstören, das über Generationen gewachsen ist. Er stellte fest, dass der Schaden durch die Auflösung der beiden Häuser größer sei als der Nutzen. Isnys Bürgermeister Rainer Magenreuter ist sich ebenfalls über einiges klar geworden. „Was taugt wohl eine Planung für das Ravensburger Krankenhauszentrum, wenn schon wenige Tage nach Baubeginn die Bettenzahl nach oben korrigiert werden muss, weil die Berechnungen überholt sind?“ Auch die Prognosen, wer dann in die Wangener oder Ravensburger Klinik gehe, falls Isny und Leutkirch über die Klinge springen, seien aus der Luft gegriffen. „Höchstens 20 Prozent werden diesen Weg nehmen, der Rest marschiert direkt nach Bayern“, machte Magenreuter klar. Memmingen und Kempten sind schneller zu erreichen als Ravensburg und das besonders bei extremen Wetterbedingungen wie sie im Allgäu nun mal möglich sind. Was soll nun mit den Häusern passieren? Vorläufig bleibt alles in der Schwebe und erste Entscheidungen könnten ab Anfang Mai in der nächsten Kreisratsitzung fällig sein. Landrat Kurt Widmaier setzte deutlich einen Punkt hinter die beginnenden Diskussionen. „Wir lassen uns jetzt nicht vorab zum Buhmann machen und werden uns mit den Zukunftsmodellen beschäftigen“, so Widmaier.

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