Schiefes wieder gerade richten

Prof. Dr. Susanne Maurer im Workshop „Gender-Differenzen: Immer Ärger mit dem Geschlecht“. Fotos: Hochschule

„Was erwarten Sie von der Fachtagung „Soziale Schieflagen?“ und „Was darf heute nicht passieren?“, mit diesen Fragen wurden die Besucherinnen und Besucher am 8. Tag der Sozialwirtschaft im Foyer der Hochschule konfrontiert. Auf der Fachtagung wurde das Thema  „Soziale Schieflagen“ bearbeitet, nachgegangen wurde den Problemen von Ungleichheiten, Differenzen und Ungerechtigkeiten als Herausforderung für die Sozialwirtschaft. Vor der thematischen Auseinandersetzung mit dem Tagungsthema, präsentierten Studierende des Studiengangs Sozialwirtschaft auf kreative Weise mit Methoden des Improvisationstheaters die Antworten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die eingangs gestellten Fragen.

Prof. Dr. Robert F. Schmidt, Präsident der Hochschule, begrüßte die Gäste der Fachtagung – unter ihnen der Landrat Gebhard Kaiser (CSU) und die Landtagsabgeordneten Thomas Gehring (Grüne) und Dr. Leopold Herz (FW). In seinem Grußwort wies der Präsident darauf hin, dass der interdisziplinär aufgestellte Studiengang der Sozialwirtschaft vor acht Jahren an der Hochschule gestartet wurde und nun ab dem Wintersemester 2011/2012 in der neuen Fakultät Soziales und Gesundheit durch den Studiengang Gesundheitswirtschaft ergänzt werde. Der neue Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Claus Loos, ging in seiner Begrüßung auf den verfassungsmäßig verankerten Gleichheitsgrundsatz ein. Für den Hauptvortrag der Tagung konnte Professorin Dr. Susanne Maurer von der mittelhessischen Universität Marburg gewonnen werden. In ihrem Beitrag zum Tagungsthema ging sie zunächst der Frage nach, was eine Schieflage ausmache, was dazu beitrage damit etwas aus dem Lot gerät und was getan werden müsse, um es wieder zurecht zu rücken. Die Herausforderung sozialer Ungleichheiten, Differenzen sowie Ungerechtigkeiten stellte sie in den Kontext der Fragen, in welcher Gesellschaft Menschen heute leben wollen bzw. welche Gesellschaft Menschen heute brauchen, um leben zu können. Dabei betonte sie, dass Menschen insbesondere auf Zugehörigkeit und Anerkennung angewiesen seien. Eine ungebremste Wettbewerbsdynamik führe aber zu gesellschaftlichen Ungleichheiten, sozialen Polarisierungen und Ausgrenzungen. Menschen würden zuerst abgewertet, bevor sie dann ausgegrenzt würden. Die daraus resultierenden Probleme würden dann oft als defizitäre menschliche Eigenschaft Einzelnen zugewiesen. Perspektiven erweitern Die neue soziale Frage habe mit der Prekarisierung von Lebens- und Arbeitsverhältnissen zu tun, mit dem Abbau von Sicherheit und der „Rückkehr der Angst vor sozialem Abstieg“ sowie der „Logik der Bewährung“. Die Sozialwirtschaft/Soziale Arbeit könne hier die Perspektive erweitern und die Entstehung sozialer Ungleichheiten als soziales Verhältnis rekonstruieren sowie zur Stärkung des Sozialen beitragen. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Themenstellung der Fachtagung ermöglichten vier Workshops mit den Schwerpunkten „Gender-Differenzen: Immer Ärger mit dem Geschlecht“, „Jugendarmut grenzt aus“, „Interkulturalität öffnet Türen“ sowie „Selbstorganisation und Interessensvertretung“, mit Expertinnen und Experten aus den Praxisfeldern der Sozialwirtschaft. Seine Abrundung fand der 8. Tag der Sozialwirtschaft durch eine Zusammenschau der Diskussionsbeiträge mit Methoden des Improvisationstheaters durch die Studierenden, angeleitet von der Theaterpädagogin Vivi Balby, und mit einer Podiumsrunde. Prof. Dr. Peter Nick, Studiendekan der Fakultät Soziales und Gesundheit sowie Verantwortlicher für die Konzeption der Fachtagung, zeigte sich sehr zufrieden: „Auf der Tagung hat mit hohem Engagement der Teilnehmenden eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema “Soziale Schieflagen“ stattgefunden. Diese Form der Beteiligung am Fachdiskurs zeigt, welche Bedeutung dem Studiengang Sozialwirtschaft für die gesellschaftliche Entwicklung zukommen kann.“

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