Schmuckstücke erzählen Geschichte

Kreszentia Huber erinnern 100 Jahre alte Manschettenknöpfe an ihre Eltern. Foto: König

Natürlich erzählten die Besitzerinnen dieser Schmuckstücke interessante und spannende Geschichten, aber wenn man so zuhörte konnte man meinen, die Ringe und Ketten, Broschen und Manschettenknöpfe selbst erzählen. „Hundert Jahre bin ich heuer alt“, hätten die Manschettenknöpfe von Kreszentia Huber erzählen können, „und wir versichern Euch, wir haben viel erlebt. Doch schaut uns einmal genau an.“

Ja, war da nicht tatsächlich jeder Manschettenknopf anders? In der Tat: Auf einem ist ein Mann zu sehen, auf dem anderen eine Frau. „Das sind meine Eltern“, erklärte Kreszentia Huber, „und die Manschettenknöpfe sind genau 100 Jahre alt. 1911 war nämlich Hochzeit.“ Und so erzählen die Bewohner des AllgäuStift-Seniorenzentrums Marienheim weiter und weiter und lassen die Zeit an ihren Zuhörern vorüberziehen. Da ist zum Beispiel Klothilde Maierhofer, die mit ihrem Armband Erinnerungen an ihre Mutter und Schwestern – vor allem aber auch an Budapest verbindet. Da ist zum Beispiel Helga Jenikowski, die bei Kriegsende in Kempten wohnte, ihre Mutter aber in Berlin und kleine Blumensträußchen verkaufte, um „über die Runden zu kommen“. Von dem wenigen dabei verdienten Geld kaufte sie dann am Kurfürstendamm für ihre Tochter einen Ring. Brosche als Berufung Und so ging es weiter: Vom einzigen Schmuckstück, das eine „alleingelassene, ledige Mutter“ 1933 besaß, von einem Opal aus Australien, von einer „Brosche als Berufung“, darauf ein Säugling in Windeln. Und warum Berufung? Weil Marianne Schlemmer schließlich tatsächlich Krankenschwester wurde. Für den Zuhörer ist es ein wirklich interessanter Nachmittag, voller Leben, Erinnerungen, lebendiger Zeitgeschichte. Für die Erzählenden ist es dagegen eine Reise in ihre Vergangenheit, in ihr Leben, verbunden mit schönen, aber auch schmerzlichen Tagen. Schwer zu sagen, wem dieser Nach-mittag schließlich besser gefallen hat. Gefallen hat er auf jeden Fall Tamara Hüppe, denn die Praktikantin hat für ihr sozialwirtschaftliches Studium eine Projektarbeit daraus gemacht, diese Geschichten mit Fotos versehen und in einer kleinen Schrift zusammengefasst. Ein Beitrag darüber, dass Erinnerungen nicht verloren gehen, aber auch dass es nicht immer die allerwertvollsten Schmuckstücke sein müssen, mit denen sich die ergreifendsten Geschichten verbinden. „Es sind Gefühle der Liebe und Dankbarkeit, Erinnerung an meine Kinderseligkeit, an meine intakte, glückliche Familie,“ gestand Kreszentia Huber. Die Idee zu der Veranstaltung hatte übrigens Sozialdienstleiterin Margit Wimmer. Sie wollte den Bewohnern die Möglichkeit geben, ihre Erinnerungen auszupacken.

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