"Sehr sehr unverschämt"

Kopfschüttelnd und ziemlich sauer verließ Viktor Langer am Donnerstagabend den kleinen Sitzungssaal des Rathauses. Grund für den Gemütszustand des Leiters des Bereichs Wohnimmobilien bei der Firma Wirth Immobilien war die Ablehnung der Bauvoranfrage über den Neubau eines Wohngebäudes mit etwa 21 Wohnungen in der Mariaberger Straße. Nach einer Ortsbesichtigung hatte sich das Gremium zuvor einstimmig gegen das Projekt ausgesprochen, das laut Langer schon in trockenen Tüchern war, bis einige Stadträte einen Brief erhalten hätten. Baureferentin Monika Beltinger bestreitet gegenüber dem KREISBOTEN die Vorwürfe.

Drei Monate lang habe man alle Planungsbereiche mit der Bauverwaltung abgestimmt und bis Montag vergangener Woche eigentlich schon grünes Licht für das Vorhaben gehabt, sagte Viktor Langer am Freitag gegenüber dem KREISBOTEN. Eigentlich – denn ein Brief eines Anliegers soll dann alles geändert und das Projekt gekippt haben. „Ein Nachbar hat gegen das Projekt interveniert und einen Brief an einige Stadträte geschrieben“, beklagte sich Langer. Dadurch sei eine ablehnende Haltung entstanden. „Das ist sehr, sehr unverschämt“, meinte er weiter. Über die Bemerkungen bei der Ortsbesichtigung, dass sich der geplante Geschossbau nicht einfüge, könne er nur lachen. Auch Langers Chef Thomas Wirth wundert sich über den Verlauf. Das Projekt sei in Abstimmung mit der Bauverwaltung überplant worden und vom einen auf den anderen Tag habe es plötzlich geheißen, dass es gestorben sei. Und das alles wegen eines Schreibens an einige Stadträte. „Keine Ahnung, wie man so viel Einfluss haben kann“, meinte Wirth. Von Seiten der Stadt wird bestritten, dass es für das Projekt bereits grünes Licht gegeben habe und dass der Brief für die Entscheidung eine Rolle gespielt hat. „Es gab nie grünes Licht oder eine Zusage. Wir haben das immer kritisch gesehen“, sagte Baureferentin Monika Beltinger. Richtig ist, dass in Absprache mit dem Stadtplanungsamt schrittweise an dem Projekt gearbeitet wurde. In den Gesprächen sei aber immer wieder kommuniziert worden, dass es sich um einen schwierigen Fall handle. Da es für dieses Gebiet in der Mariaberger Straße keinen Bebauungsplan gebe, muss das Vorhaben sich in die Umgebung einfügen, so Beltinger. Und laut der Baureferentin seien auch die zuletzt eingereichten und im Bauausschuss behandelten Pläne vom 21. Dezember noch nicht so überarbeitet gewesen, dass sich der geplante Geschosswohnungsbau in das Gebiet eingefügt hätte. „Wenn man da draußen steht und die Mariaberger Straße ein wenig rauf und runter geht, sieht man, dass an dieser Stelle die Einzelhäuschen prägend sind“, erklärte sie. Ein Brief habe bei der Entscheidung jedenfalls keine Rolle gespielt, betonte sie. „Es gab zwar Nachbareinsprüche“, bestätigte Beltinger, die hätten aber nichts zu tun mit der Frage, ob sich das Projekt einfügt. „Hier geht es nicht um Nachbarrechte“, betonte sie und meinte, dass die Verwaltung nur noch am Springen wäre, „wenn wir von Einschätzungen der Nachbarn beeinflussbar wären“. Abgelehnt wurde das Bauprojekt im Ausschuss jedenfalls, da es sich nach Meinung der Bauverwaltung nicht in die Umgebung einfügt. Dieser Bereich der Straße sei durch Einfamilienhäuser geprägt, hieß es. „Das ist eine Abwägungsfrage“, meinte CSU-Stadtrat Thomas Kiechle. „Die Höhe fügt sich zwar ein, das Gebäude würde sich jedoch als Wand darstellen“, meinte er. Für ihn passe das mit den gegenüberliegenden Kleinstrukturen eher nicht zusammen. Wirtschaftlich schwierig Ob das Projekt durch die negative Entscheidung nun verworfen, oder doch noch weiter verfolgt wird, konnte Langer noch nicht sagen. Die Planer müssten das noch mal überdenken. Allerdings sei das Vorhaben ein wirtschaftlich schwieriges. Wenn es nicht in der vorgeschlagenen Dimension verwirklicht werden kann, sei es nicht realisierbar, machte Beltinger bereits in der Bauausschusssitzung deutlich.

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