"Sehr viel Vorarbeit geleistet"

Die Stadt Kempten ist auf einem sehr guten Weg eine Bildungsregion in Bayern zu werden. Der Jugendhilfeausschuss befürwortete jetzt einstimmig die Umsetzung der von Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle ins Leben gerufenen Initiative „Bildungsregionen in Bayern“. Allerdings hat Kempten mit „Zukunft bringt's“, dem seit 2006 laufenden Projekt für Jugend, Schule und Beruf, bereits viele Handlungsfelder des Konzepts der Bildungsregionen angefangen oder abgedeckt.

Wie 18 weitere Landkreise bzw. kreisfreie Städte in ganz Bayern beteiligt sich die Stadt an der Initiative „Bildungsregionen in Bayern“. Um das Konzept der Initiative zu erläutern, ist am Dienstag extra Hubert Lepperdinger, Ministerialbeauftragter der schwäbischen Gymnasien, in seiner Funktion als Vorsitzender der Konferenz der Schulaufsicht in den Jugendhilfeausschuss gekommen. Laut Lepperdinger sollen im Rahmen der Bildungsregion die Tätigkeiten der verschiedenen Institutionen und Einrichtungen, die mit Jugendlichen zu tun haben, enger verknüpft werden. „Ziel dabei ist es Synergieeffekte zu schaffen“, betonte er. Das Konzept der Bildungsregionen ruht dabei auf fünf Säulen (siehe unten). „In Kempten wurde bereits sehr viel an Vorarbeit geleistet“, lobte Lepperdinger. Wie Thomas Baier-Regnery, Leiter des Amts für Jugendarbeit, erläuterte, verfügt Kempten als Schulstadt bereits über ein umfassendes Bildungsangebot. Ein wichtiger Baustein ist dabei auch das Projekt „Zukunft bringt's“, eine übergreifende und tatkräftige Initiative, um für Kinder und Jugendliche eine zukunftsorientierte und chancenreiche Bildung und Erziehung zu ermöglichen. Seit Start des Projekts im Jahr 2006 sind mittlerweile 18 Einzelmaßnahmen auf den Weg gebracht worden. Zudem forciert die Stadt den flächendeckenden Ausbau der Mittags- und Ganztagsbetreuung, hat eine umfassende Schulbauinitiative und ist Vorreiter bei der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention. „Wir fangen nicht bei Null an“, unterstrich Baier-Regnery. „Wir sind nicht auf dem Weg zur Bildungsregion, wir sind bereits eine“, betonte SPD-Stadtrat Siegfried Oberdörfer. Er regte jedoch an, dass man sich intensiver um den Übertritt von Kindern mit Migrationshintergrund an Realschulen und Gymnasien kümmern sollte, da die Übertrittsquote derzeit sehr gering sei. „Wenn man keine Talente liegen lassen möchte, sollte man hier die Aufmerksamkeit forcieren.“ Als Grundlage für die Bewerbung um die Anerkennung als Bildungsregion wird nun im Unterausschuss „Zukunft bringt's“ ein Bildungskonzept für Kempten auf einer „Landkarte“ zusammengefasst. Damit soll geklärt werden, was in Kempten konkret umgesetzt werden soll. „Im Rahmen vorhandener Programme können wir dann unterstützend wirken“, so Lepperdinger. Die fünf Säulen der Bildungsregionen: 1. Übergänge gestalten, etwa den vom Kindergarten zur Grundschule, den von den Grundschulen zu den weiterführenden Schulen oder den von den allgemeinbildenden Schulen in Ausbildung und Studium. 2. Bildungsangebote und Wege vernetzen durch Experten vor Ort aus den unterschiedlichen Bereichen, etwa zwischen Schulen und Kommunen, zwischen Schulen und Jugendarbeit, zwischen Schule und regionaler Wirtschaft und zwischen Schule und Erwachsenenbildung. 3. Chancen öffnen, junge Menschen in besonderen Lebens- lagen unterstützen, die Teilhabegerechtigkeit erhöhen und damit kein Talent verlieren. Das bedeutet etwa, die Betreuungskulisse von Ganztagsangeboten zu verbessern oder Jugendliche beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf zu begleiten. 4. Bürgergesellschaft und Jugendarbeit stärken, etwa durch Zusammenarbeit von schulischen und außerschulischen Partnern sowie durch die Gewinnung von Jugendlichen für ehrenamtliches Engagement. 5. Bildung als Standortfaktor angesichts des demografischen Wandels aktiv gestalten. So sollen etwa Kindertageseinrichtungen und Schulen in Wohnortnähe liegen und die Schulentwicklung optimiert werden.

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