"Seid Optimisten"

Nannten Gutes wie Schlechtes in der Abiturrede beim Namen: Susanne Lederle und Jenovan Krishnan. Foto: Tröger

Diverse Festredner, klangvoll umrahmt von schuleigenen Musiktalenten und ein Kornhaussaal voller Eltern, Ehrengäste, Lehrer und natürlich den wichtigsten Personen des Abends: 106 Empfängerinnen und Empfänger von Abiturzeugnissen. Das waren die Protagonisten der Abiturfeier des Allgäu-Gymnasiums am Freitagnachmittag, die nach dem offiziellen Teil in eine lange Ballnacht mit allerlei Einlagen, Musik und der Premiere des Abiturfilms überging.

„Niemand läuft in Bermudas oder Badelatschen herum“, freute sich Studiendirektor Lothar Wagner in seiner Begrüßung über die musterhaften Abendroben und lieferte einen pointierten Rückblick auf die Schulzeit. Für Heiterkeitsausbrüche unter den ja recht zahlreichen Insidern sorgte Studiendirektor Lothar Ortmann als Vertreter des RAVK. Er präsentierte Ergebnisse einer speziellen Umfrage, wenngleich er bezüglich des „größten Lehrerschrecks“ taktvoll „keine Namen“ nannte. Ein breites Lächeln zauberte ihm vor allem ein Umstand ins Gesicht: 52 neue RAVK-Mitglieder, diesmal „ohne größere Überredungskünste meinerseits“. Ein menschlich-warmes Grußwort richtete Johann Lederle vom Elternbeirat an die Absolventen und ermutigte auch die, „die es heuer nicht geschafft haben“. Er baute auf einen verantwortungsvollen Umgang mit der gewonnenen Freiheit und mahnte neben „beruflichem Leistungsdenken und Karriere“ unter anderem Familie mindestens gleichberechtigt zu stellen – quasi als Vorbeugung gegen den ersten Burn-out mit 25 und Frührente mit 50. „Bleiben Sie sich selbst treu“, gab er ihnen mit auf den Weg. „Seid Optimisten und nutzt Eure Chancen“, ermunterte Oberstudiendirektor Gerald Dötz den Abiturjahrgang sich beispielsweise im Diplomatischen Dienst oder als Ingenieur bei den globalen Problemstellungen wie Terrorismus oder Wasser- und Lebensmittelknappheit einzubringen. Kritisch, humorvoll, scharfsinnig aber auch in vielen Punkten dankbar war die Abiturrede von Susanne Lederle und Jenovan Krishnan. „Sie haben Ihr Ziel erreicht“, zog sich als roter Faden durch schöne Erinnerungen wie an „die Bootsfahrt auf der Moldau“ und weniger schöne, wie die an die Eskalation beim Abi-Scherz, als ein Lehrer „wie besinnungslos“ mit Hartplastik auf einen Schüler eingeschlagen habe – ohne Konsequenzen! Die Frage: „Wer ist eigentlich dieser Dötz?“ konnte weder in Bezug auf seine Person noch seine Beliebtheit beantwortet werden. Lob gab es für eine Reihe von engagierten Lehrern, die mit kleinen Seitenhieben auf markante Eigenheiten sozusagen geadelt wurden; dem stand ein unspezifisches „leider gibt es auch wenig engagierte“ gegenüber. Auch für generelle Defizite fand das Rednerduo klare Worte, unter anderem dafür, dass es auch einem naturwissenschaftlich-technologischen und neusprachlichen Gymnasium Ziel sein sollte, Musik, Kunst und Sport „als Ausgleich attraktiv zu gestalten“; sie bemängelten dass die „Quantität der Chöre und Orchester vor der Qualität steht“, die gestrichene Chorfahrt nach Marktoberdorf und noch so manch weitere „Schikane“. Kritik hagelte es auch für die propagierten „gleichen Bedingungen für alle“, obwohl sie die Kolloquiumsaufgaben erst kurz vor den Prüfungen bekommen hätten, statt wie andere Gymnasien bereits vor den Osterferien. Bevor es an die Verteilung der Abi-Zeugnisse ging, gaben sie ihren Schulkameraden noch eine markige Parole für die Zeit nach dem „Zwischenstopp“ mit: „Kämpfen und durchbeißen soll die Devise lauten, denn wer nicht kämpft hat schon verloren“.

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