Seit 60 Jahren glücklich

Das Jubelpaar Adalbert und Angela Prokop mit Bürgermeister Josef Mayr (rechts). Foto: Würzner

60 Jahre Ehe mit solchen Lebensläufen gäbe eine interessante Biographie: Bela aus Ungarn, geboren in Tschechien, trifft Angela aus Egerland in der CSSR auf Arbeitssuche. Der junge Mann aus Kaschau, Jahrgang 1928, spricht kein Deutsch, die gleichaltrige Frau kein Ungarisch oder gar Tschechisch. Immerhin „Brot“ konnte er sagen, seinerzeit das wichtigste Wort. Ihre Sympathie füreinander zu zeigen schafften sie aber offensichtlich auch so, denn am 13. Oktober 1951 traten die beiden vor den Traualtar und feierten jetzt ihre Diamantene Hochzeit.

Dass der Krieg erst ein paar Jahre vorbei war, wurde ihnen klar, als Adalbert (so heißt er auf Deutsch) während der Hochzeitsfeier in Fleißen zurück in die Kaserne beordert wurde. Er leistet seinen Militärdienst in einer Kaserne, in der Landkarten für die UdSSR hergestellt werden, und ist damit Geheimnisträger. Da ist eine Verbindung mit einem Fräulein Kolb nicht gern gesehen. Und warum die 1947 geborene Tochter den Vornamen Hildegard bekommen sollte, wurde genau hinterfragt. Erst 1969 kehrte Ruhe ein ins Leben des gelernten Webermeisters und seiner Frau, ausgebildete Spinnerin. Der Ausreiseantrag wurde ohne langes Warten zugestimmt, über das Lager Neuburg/Donau kamen sie nach Kempten und bezogen die Wohnung im Finkenweg. Angela fand Arbeit und Herr Prokop schaute sich seine neue Heimat meist von oben an, denn er arbeitete wieder als Dachdecker. Wieder auf dem Boden, konzentrierte er seine Freizeitaktivitäten auf sein Hobby Fußball. Sein Name taucht in den Vereinsannalen des FC Kempten und des TSV Heiligkreuz als Trainer auf. Bei der AH-Mannschaft kickte er bis zum 80. Geburtstag. Dank seiner Sprachkenntnisse war er als Dolmetscher bei Begegnungen mit der Partnerstadt Sopron prädestiniert, eine Anekdote aus der Anfangszeit gab Bürgermeister Josef Mayr zum Besten, der die Glückwünsche der Stadt überbrachte. „Es war der erste Besuch der Ungarn,“ erinnert er sich, „sie kamen in einem klapprigen Bus angereist und sollten im Fürstenhof verköstigt werden. Weil es damals schon ein vornehmes Restaurant war, fielen die Portionen etwas mickrig aus. Gottseidank war einer der Stadträte Metzger, er rief zu Hause an und ließ den Wurstkessel anschmeißen.“ Noch ein Grund, am Tag der Diamantenen mit einem Glas „Fürst Metternich“ anzustoßen. „Auf dem Schloss des Fürsten habe ich auch schon gearbeitet“, so Adalbert, „sogar im Zimmer der Prinzessin geschlafen“. Wie gesagt, genug Stoff für eine Biographie. In der natürlich die acht Enkel und 13 Urenkel nicht unerwähnt bleiben würden, auch die verstorbene Tochter und ihre Schwester. Nicht zu vergessen den Sohn, der in Australien wohnt und sie alle zwei Jahre besuchen kommt. Heuer lohnt es sich besonders, denn die Diamantene am 13. und die Hochzeit der Enkelin am 14. Oktober wurden zusammen gefeiert.

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