Selbstbestimmtes Leben

„Es tut gut, mit Freunden zu wohnen. Da kann ich zeigen, wie selbständig ich bin und was ich alles kann.“ Norman weiß, wovon er spricht. Seit fünf Jahren lebt er gemeinsam mit drei Mitbewohnern und Kameraden in der Wohngemeinschaft „An der Lützelburg“, einem Wohnheim der Lebenshilfe Kempten. Selbständiges Wohnen gehört zu einem selbstbestimmten Leben – und dieses Ziel verfolgt die Lebenshilfe mit ihren ganz individuellen Wohn- und Betreuungsangeboten an die ihr anvertrauten Menschen mit Behinderung. Aktuell warten noch 76 Personen auf einen stationären Wohnplatz.

„Eine große Wohngemeinschaft mit vielen Mitbewohnern wäre nichts für mich gewesen“, gesteht der ruhige 26-Jährige, der in den Allgäuer Werkstätten in der Schreinerei arbeitet. In dieser Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten übrigens auch seine Mitbewohner Florian, Horst und Pascal (Kalle). Während er und Kalle sogar in die Arbeit radeln, nehmen Florian und Horst den Bus. Anfangs war es eine gemischte Wohngemeinschaft, zwei junge Frauen, zwei Männer, doch inzwischen ist es eine reine Männer-WG – und die funktioniert prächtig. „Wir haben einen Arbeitsplan für die alltäglichen Hausarbeiten“, erzählt Florian, der zusammen mit Norman, den er seit seiner Schulzeit in der Tom-Mutters-Schule kennt, von Anfang an in der WG an der Lützelburg dabei war. Die Anregung zum selbständigen Wohnen kam von den Eltern der beiden. „Wir haben uns riesig gefreut, hier einzuziehen, waren beim Einkauf der Kücheutensilien dabei, haben unser eigenes Zimmer gestaltet“, so Norman und Florian. „Die erste Nacht war dann allerdings doch komisch, fremd, ungewohnt“, gestehen sie – und sicher geht es auch jungen Frauen und Männern, die von Daheim ausziehen, ähnlich. Ihre Mahlzeiten nehmen sie gemeinsam ein, kochen zusammen (von Schinkennudeln bis Pizza) und unternehmen auch am Abend schon mal das eine oder andere in der Gruppe, wobei auch jeder für sich eigene Hobbys hat. Florian ist ein echter Taekwondoler mit rotem Gurt und einem Faible für Schlagzeug. Norman radelt gern und mag Skate- und Snowboard. Nie wieder zurück Heute können es sich die jungen Männer von der Lützelburg nicht mehr vorstellen, für immer ins Elternhaus zurück zu kehren. Vielmehr hat Norman beispielsweise das Ziel: „Irgendwann möchte ich im ambulant betreuten Wohnen alleine leben.“ Also eine ganz normale Wohngemeinschaft von jungen Männern? Nicht ganz! Mehrmals in der Woche erhalten sie Unterstützung durch Betreuer Hagen Bertsch und seine Kollegin Lenka Pekarek beispielsweise bei Dingen wie Behördenschreiben, Ämtergängen, Finanzdingen, beim Einkauf oder Gespräche über Freund- und Partnerschaften. Ist von den beiden niemand dort, können sich die vier jungen Männer Rat und Hilfe in der Wohngemeinschaft Mühlweg 15 holen. „Das klappt ganz gut“, sind sich die vier einig.

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