Selbstversuch Teil 2: Kreisboten-Redakteurin verzichtet 30 Tage lang auf tierische Produkte

Leben ohne Käse, Wurst und Co.

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Vegane Pizza - ohne Käse und Wurst, dafür mit viel Gemüse.

30 Tage vegan leben und zusätzlich auf industriellen Zucker verzichten – so lautete mein Selbstversuch, den ich im April gestartet habe. Denn neben gesundheitlichen Gründen war es auch reine Neugier, die mich bewegt hat, einige Zeit auf tierische Proukte zu verzichten und die vegane Ernährungsform auszuprobieren. Die ersten beiden Wochen waren zwar ungewohnt, aber doch gut zu meistern. Schwieriger wurde die zweite Halbzeit...

Woche 3: Spießrutenlauf im Supermarkt 

Gleich vorweg: Ich lebe noch vegan. Aber der Heißhunger auf alles, was man als Veganer nicht isst, ist zurückgekehrt. Zum einkaufen gehe ich mittlerweile nur noch wie ein programmierter Roboter: durch die Tür rein, zielstrebig auf die Produkte auf der Einkaufsliste zusteuern, keinen Blick nach links oder rechts zu Käse oder Wurst wagen, schnell an die Kasse und wieder raus. Auch die Süßigkeitenabteilung umgehe ich im großen Bogen. Was den Konsum von industriellem Zucker angeht, bin ich mittlerweile aber trotzdem nachlässig geworden, als mich beim Einkaufen (in der Bio-Abteilung!) ein veganer Obstriegel angelacht hat, der Rohrohrzucker enthalten hat. Aber es wird mit der Zeit einfach anstrengend, jedes Lebensmittel nach Zucker zu untersuchen, der sich oft hinterlistig hinter fadenscheinigen Begriffen versteckt. Also wanderte der Riegel in den Einkaufswagen und wenige Minuten später in meinen Mund. Da ich immer noch ununterbrochen fror – egal ob es draußen 20 oder zwei Grad hatte – habe ich daraufhin beschlossen, den selbst auferlegten zusätzlichen Verzicht auf industriellen Zucker zu beenden und darauf zu hoffen, dass mein Körper dann etwas zufrieden ist. Aber vegan wollte ich weiterhin leben.

Essenstechnisch habe ich in den vergangenen Tagen wieder oft auf altbekanntes zurückgegriffen: selbstgemachte Pizza, zwar ohne Käse, Wurst und dergleichen, dafür mit viel Gemüse und Pilzen. Auch Vollkornspaghetti, Süßkartoffelpommes und einen veganen Wrap gab es. Und es war richtig, richtig lecker. Ansonsten gestaltete sich die Woche relativ unspektakulär, ich hatte mich mittlerweile schon recht gut an die für mich neue Ernährungsweise gewohnt, nur das außer Haus essen fiel mir noch immer etwas schwer, da mich dann doch die nicht-veganen Gerichte auf der Speisekarte mehr anmachten.

Woche 4: Endspurt! 

Die letzte Woche. Das Gefühl, bald wieder alles essen zu können, was man möchte, ist schwer zu beschreiben. Vielleicht wie die Freude eines Kindes auf Weihnachten? Oder den Schlusssprint eines Läufers auf der Zielgeraden? Auch wenn es viele leckere vegane Rezepte gibt und sich der Alltag als Veganerin mittlerweile eingespielt hat, freute ich mich vor allem auf richtigen Allgäuer Käse. Das ist das Produkt, das ich während meiner Zeit als Test-Veganerin am meisten vermisse.

Am letzten Wochenende meines Selbstversuchs stand dann aber noch eine Hürde an, die es zu meistern galt: der 30. Geburtstag einer Freundin, mit viel Essen und leckerem Kuchen – der Großteil für mich tabu, denn ich war die einzige Veganerin unter allen Eingeladenen. Ich sah mich also schon mit meiner Gabel auf dem Teller voller Salat und Gemüse herumstochern, während sich die anderen saftiges Fleisch und als Nachtisch Kuchen und Tiramisu einverleibten. So gut sich die vegane Ernährung zuhause umsetzen ließ, bei Einladungen und Feiern, vor allem von Nicht-Veganern (entspricht rund 100 Prozent meines Freundeskreises), gestaltete sich das Experiment dann schon schwieriger. Was also tun? Selbst etwas veganes mitbringen? Diese Frage bereitete mir schon Tage vorher Kopfzerbrechen. Am Ende war es genau dieser Abend, an dem ich rückfällig wurde und mein Selbstversuch vorzeitig – schon nach 28 Tagen – endete und ich mit einem dicken Grinsen am Grill und Buffet stand und alles auf meinen Teller lud, was ich wollte, ohne diesen Hintergedanken im Kopf: ist das vegan? Darf ich das essen?

Schon während den vier Wochen wurde ich oft gefragt, wann dieses Experiment denn ein Ende hat oder ob ich jetzt dauerhaft vegan leben will. Diese Frage stellte ich mir auch selber: Wie geht es nach meinem Selbstversuch weiter?

Rückblickend muss ich zugeben: der Verzicht auf Käse, Eier, Kuhmilch, Fleisch, Fisch und Co. fiel mir – abgesehen von der Heißhungerphase in Woche 3 – leichter als der zusätzliche Verzicht auf Zucker. Gewichtstechnisch hat sich zwar kaum was getan – lediglich 600 Gramm weniger hat die Waage angezeigt – aber trotzdem habe ich mich nach wenigen Tagen „leichter“ gefühlt, was aber wohl daran lag, dass ich bewusster und kontrollierter gegessen habe. Auch mein Geldbeutel für Essen in der Mittagspause wurde geschont. Trotz der positiven Nebeneffekte hat sich mein Körper leider etwas gegen die radikale Ernährungsumstellung gewährt: die unreine Haut am Anfang der Challenge und das ständige Frieren waren schon etwas nervig und nach sojahaltigen Speisen hatte ich mit Bauchkrämpfen zu kämpfen.

Ich habe für mich persönlich also beschlossen, dass diese Ernährungsform dauerhaft zwar nichts für mich ist, da ich liebend gerne Käse oder auch mal ein Stück Fleisch esse, wenn ich Lust darauf habe. Das bewusstere Essen möchte ich aber auf jeden Fall beibehalten, ab und zu auch gerne vegan. Aber jetzt esse ich erst einmal mein Müsli mit richtiger Kuhmilch.

Der erste Teil des Selbstversuchs ist online unter www.kreisbote.de/lokales/kempten/  zu finden.

Lea Stäsche

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