Seniorenpolitischer Beirat tagt im Kemptener Altstadthaus

Themen im Alter

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Seit Mitte Februar ist Kordula Amann-Fischer als Leiterin der Koordinationsstelle Seniorenpolitisches Gesamtkonzept und Seniorenberatung als neue Ansprechpartnerin in ihrem Büro im Altstadthaus zu finden.

Kempten – Mit lebensnahen Themen tagte der Seniorenpolitische Beirat vergangenen Dienstag im Altstadthaus. Themen, die sowohl bei den Gremiumsmitgliedern als auch den – spärlichen – Zuhörern auf großes Interesse stießen. Vor allem standen im Fokus Suizidalität und ihre Prävention im Alter sowie die Frage, ob die Abgabe des Führerscheins im Alter eine notwendige Konsequenz darstellt.

Pfarrerin Jutta Schröppel, Koordinatorin Suizidprävention und Seelsorgerin am BKH Kempten, stellte klar, dass Suizidalität bzw. Suizid in der Regel der „Endpunkt einer Entwicklung ist“, die schon über längere Zeit laufe. Krisen gehörten zwar zu unserem Leben und die zur Lösung erlernten Strategien seien auch nützlich für später. Aber manche Krisen „sind so komplex“, dass sie uns überfordern. „In dieser Situation wünscht man sich eigentlich nichts sehnlicher, als dass es aufhört, man will seine Ruhe“. Im Alter besonders gefährdet seien psychisch wie chronisch Kranke. Dazu werde aktuell im Rahmen einer Doktorarbeit geforscht. Zwar könne und wolle sie keine Ergebnisse vorwegnehmen, aber es zeichneten sich Hinweise ab, dass psychisch Kranke weniger gefährdet seien, als „Hochaltrige“ mit körperlichen Gebrechen, die dazu mit Autonomieverlust und Hilfsbedürftigkeit verbunden seien.

Während die Rate von Selbstmordversuchen bei Frauen höher liege, liege die Selbstmordrate bei Männern etwa doppelt so hoch als bei den Frauen. Ein wesentlicher „Hauptfaktor“, die Depression, werde oft vom Umfeld nicht erkannt, zum Beispiel aufgrund Altersstereotype. Risikofaktoren seien natürlich auch belastende Lebenssituationen wie Partnerschaftskrisen, finanzielle Probleme etc. oder wenn bereits früher Selbstmordversuche unternommen wurden. Unter Schutzfaktoren wie einer positiven Einstellung zum Alter sowie einem „sinnstiftenden Wertehorizont“, nannte sie „tragfähige soziale Beziehungen“ und gute „soziale, kulturelle und materielle Rahmenbedingungen“. Als typische Warnhinweise stellte Schröppel neben „direkten und indirekten Ankündigungen“ zum Beispiel Auffälligkeiten wie Rückzug, die Aufgabe von Angewohnheiten, das Regeln von persönlichen Angelegenheit oder auch ein risikoreiches und selbstgefährdendes Verhalten in den Fokus. Sie warnte vor Irrtümern wie: „wer darüber spricht tut’s nicht“ oder „es passiert ohne Vorwarnung“. Ihr Rat: „Signale immer ernst nehmen“, sich zuwenden, präsent sein, zuhören und aushalten. „Den Profi braucht es meist erst später.“

Tägliches Fahren empfiehlt Fahrlehrer Alfons Fischer als gutes Mittel einer mögliche Fahrunsicherheit im Alter entgegenzuwirken. Immer wieder kämen ältere Menschen in seine Fahrschule, um ihre Fahrtauglichkeit zu testen – meist allerdings nicht ganz freiwillig, sondern von ihren – „oft zu kritischen“ – Kindern geschickt. Auch wenn mit zunehmendem Alter Reaktionszeit, Beweglichkeit oder Sehkraft abnehmen, sieht er es vor allem als problematisch, wenn ältere Verkehrsteilnehmer „weniger als 3000 Kilometer pro Jahr fahren“ oder Strecken die sie nicht kennen, „dann wird’s gefährlich“. Dennoch zeigt er anhand einer Statistik, dass die Unfallhäufigkeit bei den 60- bis 69-Jährigen mit Abstand am niedrigsten ausfällt, bei den über 85-Jährigen allerdings dann „steil nach oben“ schnellt. Hilfreich könnten seines Erachtens Assistenzfahrsysteme sein, mit denen man vor dem Einsatz auf der Straße aber erst üben solle.

Auch Max Schindele, beim TÜV Bayern Süd Kempten zuständig für Fahrproben, empfiehlt zum Beispiel den Einbau eines „Panoramaspiegels“, oder den Wagen mit einem Monitor nachzurüsten, da es seiner Erfahrung nach häufig zum An- rempeln beim Ausparken komme und auch das regelmäßige Überprüfen des Sehvermögens „spielt eine riesige Rolle“.

Christine Tröger

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