"Sie haben tiefe Spuren hinterlassen"

Ein Pädagoge par excellence geht in den Ruhestand: 30 seiner 41 Berufsjahre lang war Ralph Betz (64) in verschiedenen Positionen in der Kemptener Tom-Mutters-Schule (TMS) der Lebenshilfe Kempten tätig – engagiert, musikalisch, temperamentvoll, initiativ, mit Herz, Humor und überragenden pädagogischen Fähigkeiten. „Du hast das Gespür für eine menschelnde Schule“, wie Lebenshilfevorsitzender Klaus Meyer jetzt beim Abschied hervorhob. Und so war es selbstver-ständlich, dass der Sonderschulrektor bei seiner Verabschiedung ein letztes Mal inmitten „seiner“ Schülerschar im Morgenkreis zur Gitarre griff und mit ihnen musizierte.

In der Aula der Tom-Mutters-Schule Kempten wurden beim Morgenkreis auch die zahlreichen Gäste in den besonderen Bann des privaten Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung gezogen: Mit einem selbst gebastelten Miniatur-Büro, mit echten und unechten Blumen, Reimen und Liedern sowie einem bunten Abschiedswinken und -trommeln zeigten die Mädchen und Buben von der Schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) bis hin zur Berufsschulstufe ihre Zuneigung für Ralph Betz. Diese besondere Wertschätzung nahmen die Erwachsenen in ihre Grußworte auf. „Ralph Betz hat eine herzliche Zuwendung für die Kinder“, meinte Regierungsschuldirektor Johann Eberhardt (Augsburg). Aber nicht nur das: Betz war maßgeblich daran beteiligt, dass Kinder mit geistiger Behinderung heute mit Computern arbeiten: „Die Tom-Mutters-Schule war in den 80er Jahren die erste Schule ihrer Art, die im Unterricht mit Computern arbeitete.“ Das war seinerzeit revolutionär. Ein Erfolgsmodell ist auch seit sieben Jahren die Außenklasse an der Grundschule in Rettenberg. Wichtig war dem heute 64-jährigen der Blick über die eigene Schule hinaus. So engagierte er sich im Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung, führte zahlreiche Fortbildungen durch, schrieb veröffentlichte Fachbeiträge und war viele Jahre Bezirksvorsitzender im Verband Sonderpädagogik. Lernen muss passen Noch heute fasziniert ihn, wie individuell sich Pädagogik in der TMS verwirklichen lässt. Überhaupt halte er Begriffe wie behindert oder geistig behindert nicht mehr zeitgemäß. „Es gibt keinen erkennbaren Grund, um Menschen zu katalogisieren und zu diskriminieren.“ „Nicht die Kinder müssen auf das Lernen passen, das Lernen muss auf die Kinder passen“, erläuterte Klaus Meyer ein Anliegen des überzeugten Pädagogen. Er betonte, die 30 Jahre Ralph Betz werden im Alltag der Schule auch in Zukunft immer präsent sein. „Sie haben tiefe Spuren hinterlassen“, zollte Kemptens OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) dem Sonderschulrektor Dank. „Ihnen ging es ums Fördern, um das Nutzen der individuellen Potentiale.“ Der stellvertretender Landrat Anton Klotz meinte, sein Beruf sei seine Herzenssache gewesen. Betz Dank an die Kinder und Jugendlichen der TMS lautete hingegen: „Ich habe viel von Euch gelernt.“ Wirth folgt auf Betz Nachfolgerin von Ralph Betz wird die bisherige Konrektorin Susanne Wirth (43). Sie wird mit Beginn des neuen Schuljahres offiziell in ihr Amt eingeführt. Sie ist bereits seit 15 Jahren eine Kollegin und arbeitet seit sieben Jahren als Stellvertreterin an seiner Seite. Wie Ralph Betz hat die zweifache Mutter beruflich stets den Blick über die eigenen Schulmauern hinaus. Fünf Jahre lang war sie externe Evaluatorin an Förderschulen im Regierungsbezirk und Mitglied der Lehrplankommission am Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung. Dabei hat Susanne Wirth bereits zahlreiche Kontakte geknüpft und Ideen für ihre neue Schule bekommen. „Es gibt viele Gestaltungsmöglichkeiten“, freut sich Susanne Wirth auf ihre neue Position an der Kemptener Tom-Mutters-Schule.

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