"Sie leisten Großartiges"

„Das Oberallgäu hat starke Bäuerinnen, die in ihren Familien und auf den Höfen Großartiges leisten“, lobte Landwirtschafts-Staatssekretär Dr. Gerd Müller (CSU) die 250 Zuhörerinnen beim Landfrauentag des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Dietmannsried. Referentin Irmgard Fleisch plädierte in ihrem Festvortrag „Starke Familien – lebendige Dörfer“ für mehr Kommunikation und Wertschätzung zwischen den Familienmitgliedern. Kritische Töne schlug die Kreisbäuerin und Landtagsabgeordnete Ulrike Müller (FW) an. Der Frieden in den Dörfern sei Mitte vergangenen Jahres drastisch umgeschlagen: „Nichts ist seit dem Milchlieferstopp so wie es früher war.

“ Seit der BDM (Bund deutscher Milchviehhalter) zum Boykott aufgerufen habe, „wurde alles bei uns davon abhängig gemacht, ob Milch weggeleert wurde oder nicht.“ Das „An-den-Pranger-Stellen“ derer, die sich dem Diktat nicht unterordnen wollten, sei aktiv gelebt worden. „Über Jahre hinweg gewachsene Freundschaften sind zerbrochen und Dorfgemeinschaften wurden zerstört“, bedauerte Müller. Verloren hätten dabei alle, denn ein gespaltener Berufsstand könne nicht mehr erfolgreich arbeiten. Die Kreisbäuerin blickte auf zahlreiche Aktionen im Jahr 2008 zurück, darunter Frauen-Seminartage und die Fragebogenaktion „55 plus“. Der Rücklauf und die Auswertung habe hervorragendes Datenmaterial ergeben, „so dass wir vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit das Angebot für eine Projektförderung zugesagt bekamen.“ Damit sollen die Lebensbedürfnisse der Generation über 55 beleuchtet werden. Immer präsent Weiter seien die Oberallgäuer Landfrauen auf Milchgipfeln oder bei Gesprächen im Ministerium präsent gewesen. Müller verwies auf das Ernährungsprojekt „Landfrauen machen Schule“. Zusammen mit der Gleichstellungsstelle des Landkreises und einer Ernährungswissenschaftlerin habe man in fünf Klassen unterrichtet. Das Projekt „Allgäuer Kinder gesund und fit“ werde heuer mit 10000 Euro vom Landkreis gefördert. Eigens würden Bäuerinnen geschult, damit sie in den Klassen unterrichten können. Das Thema gesunde Ernährung bewegte auch Dr. Gerd Müller („gesunde Ernährung ist die Grundlage für ein gesundes Leben“) und Landrat Gebhard Kaiser („viele Mütter können keine Suppe mehr kochen“). Kaiser bedauerte den Strukturwandel in den Dörfern. Auch auf dem Land gebe es zunehmend Problemfamilien. Kaiser plädierte für eine gentechnikfreie Landwirtschaft im Allgäu, für die sich stellvertretende Kreisbäuerin Elisabeth Koch beispielhaft engagiere. BBV-Kreisobmann Alfred Enderle betonte, die Landfrauen seien die Seele und das Rückgrat der dörflichen Regionen. Die Allgäuer Bauern müssten lernen, mit der Globalisierung der Landwirtschaft umzugehen. Stellvertretender Bürgermeister Heinz Vetter befürchtete, dass sich mit dem Bauernschwund das Landschaftsbild negativ verändert. Fehlende Kommunikation Viele Schwierigkeiten in Ehe und Familie entstünden aus dem Unvermögen, miteinander zu reden und zuzuhören, meinte schließlich die Vorarlbergerin Irmgard Fleisch. Reden sei Silber, Schweigen hingegen Gift, betonte sie in Abwandlung des bekannten Sprichwortes. Heute verdränge der Fernseher das Gespräch, das spontane Sich-Öffnen, Mitteilen und die daraus resultierende Wertschätzung. „Wir würden uns viele Therapeuten ersparen, wenn wir mehr Familien hätten, in denen über Probleme und Wünsche gesprochen und zugehört wird“, sagte die bekennende Hausfrau und fünffache Mutter aus Vorarlberg. Marianne Kappelle aus Proschim (Südbrandenburg) berichtete von der Zwangskollektivierung ihres Hofes im ehemaligen DDR-Regime. Anfang der 60er Jahre sei der kleine Betrieb einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) unterstellt worden. Heute betreibt die 69-Jährige eine kleine Hobby-Landwirtschaft. Musikalisch umrahmt wurde der Landfrauentag vom Oberallgäuer Bäuerinnenchor unter Leitung von Waltraud Geismeier.

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