Ein Signal in Richtung Zukunft

Dieser Entwurf der Künstlerin Christiane Sandler aus Kissingen soll nun auf dem Hildegardplatz in die Realität umgesetzt werden. Derzeit ist der Entwurf in der Schrannenhalle des Kemptener Rathauses zu sehen. Matz

„Die vorgeschlagene Arbeit formuliert eine feinfühlige Antwort auf die städtebauliche Situation.“ Mit großer Mehrheit haben sich Schul- und Kultur- sowie die Mitglieder des Bauausschusses jetzt für den Entwurf der Kissinger Künstlerin Christiane Sandler als Vorlage für einen neuen Brunnen auf dem Hildegardplatz entschieden. Damit folgten beide Ausschüsse dem Vorschlag von Jury und Verwaltung. Lediglich Stadtrat Michael Hofer (ödp) sprach sich gegen den Entwurf der Kissingerin aus. „Ich kann mit den Kindern nicht leben“, argumentierte er.

Was Hofer so stört, sind allerdings zentrale Elemente von Sandlers Entwurf. Dieser sieht eine runde Brunnenschale vor, in der eine zweigeteilte Säule eingelassen ist. Darauf stehen zwei Kinder als Bronzefiguren mit ausgestreckten Armen unter einem Apfelbaum, über dem durch feine Düsen ein feiner Sprühnebel erzeugt wird. Die zweigeteilte Säule wird umfasst von einem Bronzering mit Vögeln, aus dem sechs Wasserstrahlen entspringen. Am Brunnenrand sitzen Wasserspeier zur Trinkwasserentnahme in Form von Tieren. Säule und Schale sollen aus Kohlplatter Muschelkalk bestehen. Wie Baureferentin Monika Beltinger erläuterte, lasse die Darstellung bewusst Offenheit in der Deutung: So werde das Wasser als Basis allen Lebens und als „Lebens-Mitte“ gezeigt. Die Figuren wiederum erinnerten an Adam und Eva im Garten des Paradies. „Die angedeutete, moderne Badekleidung stellt die biblische Geschichte jedoch in Zusammenhang mit Gegenwart und Zukunft“, so die Baureferentin. Die beiden Kinder würden den zweigeteilten Sockel „und damit die in der Historie verfeindeten Städte zum heutigen Kempten“ verbinden. „Auch lassen sie Gedanken an die Schwabenkinder zu, die badend und sich am Wasser freuend ihr Recht auf gelebte Kindheit einfordern“, erklärte Beltinger. Für die Bronzearbeiten und die Brunnenschale werden rund 180 000 Euro veranschlagt. Eine prominent besetzte Jury hatte sich am 31. Juli für diesen Entwurf der Kissingerin entschieden. Unter anderem loben die Juroren die Proportionen und das die Künstlerin durch die runde Form auf die Platzstruktur eingehe. „Die vorgeschlagenen Sitzgelegenheiten fügen sich zwanglos in die vorgegebene Rundform ein und unterstreichen damit das offene plastische Konzept der Brunnenanlage“, heißt es unter anderem außerdem in der Bewertung. "Gefällig und zeitlos" Die Stadträte beider Ausschüsse sahen das ähnlich. „Mit diesem Entwurf kommen wir dem Wunsch der Bevölkerung am nahesten“, konstatierte Siegfried Oberdörfer (SPD) und Erna-Kathrein Groll bezeichnete den Entwurf als „sehr ansprechend“. Richard Hiepp von der CSU befand: „Gefällig und zeitlos.“ „Hier ist das Signal gesetzt in Richtung Zukunft“, sagte dagegen Grünen-Stadtrat Hans Mangold, während Lothar Köster (SPD) Sanders Entwurf als den „zeitgenössischsten“ lobte. Zufrieden war auch OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), der sich insbesondere über die gelungene Integration des Brunnens in den Platz freute. Auf Platz zwei sah die Jury um OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) den Entwurf von Joseph Michael Neustifter. Dessen Idee sieht vor, dass sich aus einer achteckigen Brunnenschale eine Brunnensäule aus Bronze, verziert mit einer Hildegardisfigur, erhebt. Aus drei Wasserspeiern an der Säule sowie einem Hahn am Rand der Brunnenschale fließt das Wasser in die Schale. Um die Schale herum sollen Sitzgelegenheiten aus gerundetem Granit aufgestellt werden. Die Kosten für dieses Projekt belaufen sich laut Künstler auf etwa 300 000 Euro. Vielen Stadträten war dieser Idee allerdings für einen Marktbrunnen zu prachtvoll. Alle sechs eingereichten Entwürfe können übrigens derzeit zu den üblichen Öffnungszeiten der Stadtverwaltung in der Schrannenhalle des Rathauses besichtigt werden .

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