Was sind 80 Kilo Pfarrer wert?

Schöne Gotteshäuser sind in unserem Kulturkreis ein Aushängeschild für jeden Ort. Ihnen wird sogar in Liedtexten ein Denkmal gesetzt. „Wir lassen den Dom in Kölle“ kann jeder mitsingen, und der „Stefferl“ darf in keiner Heurigenmelodie in der Österreichmetropole fehlen. Damit diese Gebäude nicht an Glanz verlieren, sind teure und aufwändige Sanierungs- und Restaurationsarbeiten vonnöten. Das gilt selbstredend auch für die St. Nikolauskirche in Schrattenbach. Pfarrer Helmut Guggemos sah sich nun mit dem Problem konfrontiert, dieses Vorhaben zu finanzieren.

Mit seiner Idee, sein Gewicht in Münzen aufwiegen zu lassen, bewies er aber, dass er alles andere als weltfremd ist. Und er gab dem Kind auch gleich den passenden Namen. „Wetten dass“ kennt jeder, und jeder weiß, dass der Verlierer der Wette die ulkigsten Dinge verrichten muss. Pfarrer Guggemos also wettete, dass es in der Gemeinde Schrattenbach nicht genügend spendierfreudige Bürger gibt, die so lange Münzen in einen Glaskasten werfen, bis sich seine 80 Kilo auf der Waage zum Himmel emporheben. Und was wäre er bereit zu tun, sollte er verlieren? Aber soweit sind wir noch nicht. Zunächst einmal wurden die Besucher im und rund ums Festzelt mit Speis und Trank und den Akkordeonklängen von Wolfgang Kolenda in Geberlaune versetzt, während sich die Kinder derweil ihr Eis mühsam verdienen mussten. Schließlich galt es doch, die Hinweistafeln, die Remig Rauch an einigen Häusern im Ort mit historischem Hintergrund angebracht hatte zu lesen und die Antwort auf eine Quizfrage zu finden. Applaus für Himmelfahrt Schlag 15 Uhr wurde es ernst. Davor war es noch lustig, als der Pfarrer beim Klettern auf den Waagbalken seine Waden entblößte und zwei Bleigewichte zum Vorschein kamen. Mit dem Hinweis, daß er mit allen Mitteln kämpfe, nahm er sie unter großem Gelächter ab, behielt aber den schweren Trachtenanzug samt Hut (Was war da wohl darunter?) auf. Münzrollen, Plastikbeutel voller Centstücke und der Inhalt von Geldbeuteln füllten nun langsam aber stetig das Gegengewicht, Unentschlossene wurden noch zum Wechselschalter beordert. Mit Beifall quittierten die Zuschauer den Moment, als die Haferlschuhsohlen von Hochwürden den Bodenkontakt verloren und seine Himmelfahrt begann. Als klar wurde, dass viel mehr Geld zusammen gekommen war als nötig um eine Person aufzuwiegen, half Pater Daniel Fernandez auch noch als Gegengewicht aus und es hätte nicht viel gefehlt und auch er wäre seinem Chef ein kleines Stück näher gekommen. Die Wette war klar verloren, der Pfarrer hiermit zur Hilfe beim Großreinemachen seiner Kirche im Herbst verdonnert. Putzeimer statt Weihrauch Damit er sich schon mal an die neue Arbeitskleidung gewöhnen konnte, wurde das liturgische Gewand gleich durch eine Kittelschürze, die Monstranz durch einen Schrubber und das Weihrauchfass durch einen Putzeimer ersetzt. Sogar manche Frau fand das lustig. Dass der ganze Spektakel 5843 Euro eingebracht hatte, zauberte bestimmt auch ein paar Lachfalten oder zumindest ein zufriedenes Schmunzeln ins Gesicht von Pfarrer Guggemos. Die Innenrenovierung kann beginnen und die Schrattenbacher können wieder stolz sein auf ihre schöne Kirche St. Nikolaus.

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