Sorge um Schwanen-Nachwuchs

Fünf Jungtiere sind kürzlich zur Welt gekommen. Fotos: Matz

An diese eine Sommernacht denkt Gisela Wiedemann nur ungern zurück. „Mir war das richtig unheimlich“, erinnert sie sich. Wach geworden vom lauten Schreien der Haubentaucher, war die „Schwanenmutter“ vom Steufzger Weiher mitten in der Nacht ans Wasser gegangen. Was sie im Licht ihrer Lampe sah, erinnerte sie an einen Film: „Irgendetwas Großes im Wasser“ schob eine hohe Welle vor sich her. Ungefähr zur gleichen Zeit verschwanden mehrere kleine Schwäne und Enten spurlos. Ursache der mysteriösen Vorfälle im Steufzger Weiher ist offenbar ein alter Waller, der seit mehr als 20 Jahren in dem dunklen Wasser lebt. Doch der große Raubfisch ist nicht das einzige, was Wiedemann derzeit an ihrem Freizeit-Idyll stört.

Seit vorvergangener Woche hat die Schwanenfamilie vom Weiher neben dem Heussring wieder Nachwuchs: Fünf kleine Schwäne hockten vergangene Woche mit den beiden Elterntieren in der Sonne. Für „Schwanenmutter“ Gisela Wiedemann und ihre Freundin Rosemarie Brandl Grund zur erhöhten Aufmerksamkeit. „Wir müssen zusehen, dass die uns nicht wieder vor unseren Augen von den Fischen weggeschnappt werden“, so die beiden Anwohnerinnen, die im Sommer fast jede freie Minute am Weiher verbringen. „Wir wollen, dass alle fünf durchkommen.“ Erst im letzten Sommer seien vier von sieben kleinen Schwänen plötzlich spurlos verschwunden gewesen. Dazu kämen noch sechs kleinere Enten. Für die beiden Freundinnen ist die Sache klar: Der Waller und die Hechte im Weiher haben die Jungvögel gefressen. Verwahrlost? Einen ähnlichen Verdacht hegt Michael Empt, der das Fischereirecht am Steufzger Weiher von der Stadt Kempten gepachtet hat. Gegenüber dem KREISBOTEN bestätigte er am Freitag die Existenz des Wallers. „Und die fressen auch Schwimmvögel“, so Empt. Angeblich sei das Tier vor über 20 Jahren dort eingesetzt worden, habe man ihm erzählt. Mittlerweile ist der Fisch an die 1,5 Meter groß. „Ich versuche auch, ihn rauszubekommen“, berichtete der Fischer. Drei Mal habe er das Tier bislang auch fast gehabt, aber dann doch nicht aus dem Wasser geschafft, da die Leinen zu schwach waren. Im Herbst will es Empt nun noch einmal mit einem Netz versuchen. Dass die einigen wenigen Hechte im Weiher für das Verschwinden der Jungvögel verantwortlich sind, glaubt er indes nicht. Mit einer Größe von 50 bis 60 Zentimetern seien die Fische dafür einfach zu klein. Die Gefahr für „ihre“ Schwäne ist aber nicht das einzige, was Wiedemann und Brandl derzeit am Weiher stört. Auch der Zustand rund herum ärgert die beiden. „Das ist so eine schöne Idylle, aber total verwildert“, meint „Schwanenmutter“ Wiedemann. Vor allem im Uferbereich verwachse der kleine See zusehends, niemand von der Stadtgärtnerei kümmere sich darum, so ihr Vorwurf. Ein Vorwurf, den Michael Eisenhauer, Leiter der Stadtgärtnerei, so nicht stehen lassen will. „Das ist ein natürliches Gewässer und wir wollen den Bereich relativ naturnah belassen“, erklärte er gegenüber dem KREISBOTEN. Vor allem die Fläche zum Heussring hin werde nur einmal im Jahr gemäht. „Denn das ist eine ökologisch wichtige Fläche mit Kräutern“, so Eisenhauer. An das Schilf gingen seine Mitarbeiter bewusst nicht ran. „Denn das ist Rückzugsgebiet für die Tiere“, so der Leiter der Stadtgärtnerei. Irgendwo könne er den Frust der Freundinnen zwar verstehen, „aber der Bürger hat kein Anrecht auf freie Sicht.“ Auch im derzeitigen Zustand sei der Weiher „gut erlebbar“.

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