Spannungsreiche Reduktion

Der Allgäuer Künstler Stefan Winkler, geboren 1968 in Immenstadt, vor seinem an diesem Wochenende noch ausgestellten Ölgemälde „Skilift“. Foto: Tröger

Weniger ist manchmal mehr, wie derzeit eindrucksvoll im „Kleinen Kunstforum” zu sehen ist. Der 1968 in Immenstadt geborene Künstler Stefan Winkler – ausgezeichnet mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten 2009 – beherrscht die spannungsreiche Reduktion auf das Wesentliche in Perfektion. Die gezeigten, zwischen 2008 und 2012 entstandenen Malereien, sowie einige Zeichnungen vermitteln seine subjektive Wahrnehmung, die sich nicht zuletzt im künstlerischen Prozess geformt hat.

„Das, was mich umgibt, das Alltägliche, Landschaften, Häuser, die in ihrer Wirkung unaufgeregt und ohne Sensation erscheinen, wecken mein Interesse. Sie beschreiben das Nichtbeachtete“, zitierte OB Dr. Ulrich Netzer in seiner Eröffnungsrede den Künstler – ein Umstand, der sich wie ein roter Faden durch Winklers künstlerisches Schaffen zieht. Schon bei den beiden Bildern – ein Allgäuer Wohnhaus und eine Autobahn mit Bäumen –, für die Winkler 2007 den Thomas-Dachser-Gedenkpreis erhalten hatte, habe dieser die Fähigkeit gezeigt, „konzentrierte Bilder nah an der Realität entstehen zu lassen, die Atmosphäre und Spannung beinhalten, aber Raum lassen, den Betrachter eben nicht zu fixieren – wirkliches nur erahnen zu lassen“, stellte Netzer fest: „Die Motive beinhalten nichts ‚ Wichtiges’ und doch Wesentliches“. Meist menschenleer und frei von „Beiwerk“ rücken bei Winkler Landschaften, die Ansicht von der Einsamkeit eines Campingplatzes im Winter, von kräftigem Rot und Grün dominierte „Treffpunkte“ in Form von Tennisplätzen, oder auch „Anordnungen“ von Stühlen ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Weniger bekannt ist der Zeichner Stefan Winkler – eine neue Seite, die er in den in diesem Jahr entstandenen Bleistiftzeichnungen „Selbstportrait 1-5“ überzeugend präsentiert. Seit April ist er für zwei Jahre Atelierstipendiat der „Pro Arte Ulmer Kunststiftung“ in Ulm-Wiblingen. Große Wirkung zeigen Winklers Bilder zum Schwerpunktthema seines Schaffens: Licht, insbesondere das künstliche Licht. Knapp eineinhalb Meter hoch zieht sich ein in Öl gemalter „Skilift“ durch eine mit Flutlicht beleuchtete Waldschneise hinab ins Tal und fesselt das Auge in faszinierendem Spiel von Licht und Schatten. Reduziert in der Farbgebung, vermitteln die als kleine Flächen oder Punkte erscheinenden „Lichter 1-4“ besonders starke Intensität. Nur Nummer zwei bricht mit matter Lichtgebung aus und macht dadurch das Leuchten in den drei „Lichtbildern“ umso strahlender. Bis zum Äußersten treibt er die Reduktion unter anderem in seiner Ölmalerei „Fenster“; oder „Bewegung 1-4“: vier als blanke weiße Silhouetten angelegte Portraits mit jeweils unterschiedlicher Kopfhaltung und schwarzen Punkten als Augen, vor unspektakulärem Hintergrund in Grautönen. Die hier durch gnadenlose Reduktion – oder trotz? – geschaffene, geradezu überbordende Lebendigkeit erzeugt Staunen. Noch bis kommenden Sonntag, 21. Oktober, ist die Ausstellung in Anwesenheit des Künstlers von 16 bis 18 Uhr im Kleinen Kunstforum, Hochvogelstraße 9c, zu sehen. Außerhalb der Öffnungszeiten können Besuche noch bis zum 18. November individuell vereinbart werden unter der Telefonnr. 0831/56 561 44.

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