Stadt hält am Sudhaus fest

Die Proteste der Öffentlichkeit zeigen Wirkung: Einstimmig hat sich der Bauausschuss für eine Einbindung des Sudhauses in den Rahmenplan für das Brauhausgelände und damit für den Erhalt des historischen Gebäudes ausgesprochen. „Wir haben ein klares Signal gegeben, den Rahmenplan so zu gestalten, dass wir das Sudhaus erhalten“, kommentierte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) am Donnerstag die Entscheidung vom Mittwochabend. Allerdings geht der Ausschuss damit auf Konfrontationskurs mit Projektentwickler Hannes Geierhos, der das Sudhaus nach Angaben von Baureferentin Monika Beltinger abreißen lassen will.

Die Freude war groß, als das Architekturbüro Dressler_Mayerhofer endlich ein Konzept für das Brauhausareal vorstellten, das sowohl Hannes Geierhos als auch Bauveraltung und -ausschuss überzeugen konnte (der KREISBOTE berichtete mehrfach). Das nicht unter Denkmalschutz stehende Sudhaus fand in diesem Rahmenplan allerdings keinen Platz. Bereits kurz darauf kamen deshalb erste Stimmen auf, die einen Erhalt des 1904 gebauten Gebäudes forderten. „Da die Sudhausfassade über Jahre zu Werbezwecken des Allgäuer Brauhauses eingesetzt worden war, liegt bis heute eine starke emotionale Bindung an das Gebäude in der Bevölkerung vor“, erklärte Baureferentin Monika Beltinger. Die Verwaltung trug dem Rechnung, und beauftragte die Architekten, einen Alternativplan mit Sudhaus zu entwickeln. Der neuen Studie zufolge ist es bei einem Festhalten am Sudhaus nicht mehr möglich, einen zentralen Platz auf dem Areal zu schaffen. „Vielmehr zeichnet die Stellung des Hauses und die sich nördlich anschließende Bebauung nun die historische Kellerstraße in diesem Bereich nach“, erklärte Beltinger. Darüber hinaus kann der geplante Längsbau im nördlichen Bereich des Areals nun nur noch drei Geschosse hoch gebaut werden und der Bereich Richtung Zentralhaus würde durch eine sechsstöckige Parkhausfassade dominiert werden, da das dort ursprünglich geplante „Hybridgebäude“ (Parkhaus und Büros) in der Form nicht mehr verwirklicht werden kann. Durch die Verkleinerung des Parkhauses reduziert sich auch die Zahl der Parkplätze im Parkhaus von insgesamt 280 auf nur noch 198. Im Notfall B-Plan „Beide Varianten haben also ihre Stärken und Schwächen“, meinte Beltinger. Gegen das Sudhaus spreche die Möglichkeit eines zentralen Platzes ohne Parkgaragenfassade, für das Gebäude die Nachzeichnung der alten Kellerstraße. Ob das sanierungsbedürftige Sudhaus allerdings überhaupt wirtschaftlich betrieben werden kann, sei schwer einzuschätzen. Ebenso schwer ist aber derzeit laut Beltinger auch einzuschätzen, ob sich das Gebäude tatsächlich durch eine Erhaltungssatzung schützen lässt. Sollte kurzfristig der Abbruch beantragt werden, könnte aber immer noch ein Bebauungsplan mit Veränderungssperre aufgestellt werden, erklärte sie. „Damit könnte man den Abbruch zunächst verhindern“, sagte die Baureferentin. „Derzeit wollen wir aber erst mal keine fixe Festlegung.“ Vielmehr sollen die Planungen so voran getrieben werden, „dass der Erhalt des Sudhauses ermöglicht wird.“ Die konkreten Planungen sollen dann wenn möglich noch vor der Sommerpause vorgestellt werden, kündigte sie an.

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