Parkplatzproblem an der Hochschule

Keine wirkliche Lösung in Sicht

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Vor allem während der Semester ist an und rund um die Hochschule kaum noch ein freier Parkplatz zu finden. Die Stadt sieht den Freistaat unter Zugzwang, Abhilfe zu schaffen.

Kempten – Ein Dauerärgernis für Studenten, Lehrende und Anwohner ist seit Jahren das Parkplatzproblem an der Hochschule.

Um einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden, hat das Tiefbauamt in der Vergangenheit verschiedene Lösungsansätze untersucht, die Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann am Montagabend im Verkehrsausschuss vorstellte. Fazit: Nur durch eine ganzheitliche Lösung unter Einbeziehung des ÖPNV kann Abhilfe geschaffen werden. Vieles spricht daher für die Einführung eines Semestertickets. Durch die Verdreifachung der Studentenzahlen von 1500 auf mittlerweile an die 4500 hat sich das Problem der fehlenden Parkplätze rund um die Hochschule in den vergangenen Jahren extrem verschärft. Laut Wiedemann verfügt die Hochschule derzeit gerade einmal über 413 eigene Parkplätze. Rechnerisch notwendig wären aber fast 1000. 140 zusätzliche stehen derzeit noch auf dem XXX-Lutz-Gelände am Haslacher Berg zur Verfügung, weitere 35 auf dem Mittelstreifen der Bahnhofstraße. Zusätzliche 211 Stellplätze könnten durch den Bau eines Parkhauses auf dem Gelände der Hochschule geschaffen werden. Fast 900 Parkplätze stehen rund um das Berufliche Schulzentrum und die Allgäuhalle zur Verfügung. Allerdings besuchen derzeit etwa 3500 Schüler das Schulzentrum. Dennoch komme es nur an Auktionstagen zu Schwierigkeiten, berichtete Wiedemann. Im unmittelbaren Umfeld des Bahnhofs gibt es 275 Langzeit- und 55 Kurzzeitparkplätze. Gutachter empfehlen laut Wiedemann aber mindestens 350 bis 400 Langzeitparkplätze. „Die vorhandenen Kurzzeitparkplätze sind künftig ebenfalls zu erhöhen“, so der Amtsleiter. Wie Wiedemann berichtete, hat sein Amt Pläne, wie in der Bahnhofstraße zusätzliche Stellplätze geschaffen werden könnten, aus Gründen der Sicherheit und der Kosten wieder ad acta gelegt. Zum einen war überlegt worden, 80 bis 100 Parkplätze auf dem Grünstreifen zu bauen. „Problematisch sind dabei die jeweilige Anfahrt aus den linken Fahrspuren und die Überquerung der Straßen mit zusätzlichen Signalanlagen“, erläuterte er. Außerdem werde die südliche Stadteinfahrt „durch zusätzlich versiegelte Parkierungsflächen optisch beeinträchtigt“, gab er zu bedenken. 

Extreme Kosten 

Zum anderen haben die Verkehrsstrategen im Tiefbauamt eine Verlegung der westlichen Fahrbahnen der Bahnhofstraße in den Mittelstreifen angedacht. So könnten 100 bis 120 Parkplätze zwischen Hochschule und Straße angelegt werden – die Kosten für dieses Projekt wären allerdings enorm. Als nicht zielführend wird im Tiefbauamt auch der mögliche Bau eines Parkhauses in der Kotterner Straße durch einen privaten Investor bewertet. „Nach Umfragen und auch den bisherigen Erfahrungen sind sowohl Studenten als auch Schüler nicht bereit, für Parkplätze zu bezahlen“, betonte Wiedemann. Als sinnvoller betrachten er und seine Kollegen eine stärkere Einbeziehung des ÖPNV zusammen mit der Einführung eines Semestertickets. Die Verkehrsgemeinschaft habe in einer gemeinsamen Sitzung Ende Januar bereits konkrete Vorschläge zu möglichen Preisen gemacht. Nun werde noch auf entsprechende Angebote der Bahn gewartet. „Dabei sind mehrere Modelle denkbar“, erklärte Wiedemann. „Zum Beispiel mit einer kombinierten Variante aus Bahn und Bus für alle Studierenden.“ Denkbar wäre aber auch eine „verpflichtende Standardvariante“ für alle Studenten mit einem freiwilligen Zusatzangeboten der Bahn. Eine weitere Möglichkeit sei ein P&R-Parkplatz für Studenten. 

Freistaat in der Pflicht 

OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) machte am Montagabend den Freistaat Bayern als Besitzer des Hochschul-Areals für das Desaster verantwortlich: „Das Defizit liegt beim Freistaat“, sagte er. Dieser hätte längst ein kostenloses Parkhaus auf dem Gelände bauen können. „Wir als Stadt können nur Hilfsbrücken anbieten.“ Thomas Hartmann (Grüne) und Michael Hofer (ödp) nahmen ebenfalls die Regierung in die Pflicht. „Es ist eine Frechheit des Freistaats, keine Antwort auf das Problem gegeben zu haben“, so Hartmann. Er forderte, „das Parkangebot sollte zwingend mit dem Semesterticket verknüpft werden.“ Bürgermeister Josef Mayr (CSU) befürchtete indes: „Den großen Befreiungsschlag wird es wohl nicht geben.“ Dennoch plädierte er dafür, gemeinsam mit dem Freistaat den Bau eines Parkhauses weiter zu verfolgen. Matthias Matz

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