Vor 100 Jahren gab er einem Baum seinen Namen - zum Gedenken

Stadtgeschichte: Jagdflieger Max Ritter von Mulzer

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Maximilian von Mulzer mit zahlreichen Orden dekoriert, unterschrieben mit „Unser erfolgreicher Kampf-Flieger Leutnant Mulzer“.

Kempten – Der Mariaberg, ein Höhenzug westlich von Kempten ist ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen. Denn von dieser Stelle aus, in gut 800 Metern Höhe, genießen die Besucher zu jeder Jahreszeit einen phantastischen Blick über die Stadt Kempten und in die Allgäuer Berge. Hier steht auch eine freistehende Föhre, unter der zwei Bänke zum Verweilen einladen.

Diese sogenannte Mulzer Föhre auf dem Mariaberg ist ein Naturdenkmal. Der Baum trägt seinen Namen nach dem Jagdflieger Max Ritter von Mulzer. Er wurde nach dem Ersten Weltkrieg gepflanzt, um an das Schicksal des Jagdfliegers Mulzer aus dem Ersten Weltkrieg zu erinnern, dessen Tod sich 2016 zum einhundertsten Male jährt. Zunächst stand hier eine Tanne, die man als Erinnerungsbaum für Mulzer umwidmete und an der man eine Inschrift anbrachte. Durch Wettereinfluss stürzte sie um und wurde dann durch eine Föhre ersetzt.

Es kennen zwar viele den Namen „Mulzer Föhre“, aber nur wenig dürften die Geschichte kennen, die sich um diesen Baum und den Flieger Max von Mulzer rankt. Im September des Jahres 1986 stiftete der Heimatverein Kempten eine Tafel und brachte sie an der Föhre an.

Sie erinnert mit folgender Inschrift an den Jagdflieger: „So bleibt er unser nun für alle Zeit: Die Frauen werden ihn im Herzen tragen, Die Männer von ihm singen einst und sagen, Und über Gram und Traum von Dumpfen Tagen Thront ruhevoll der Trost: Unsterblichkeit“ (E. Schobacher)

Maximilian Mulzer, seit 1916 Ritter von Mulzer, wurde am 9. Juli 1893 in Kimratshofen als Sohn des damals dort praktizierenden Sanitätsrates Max Mulzer geboren. Als eines von vier Kindern, er hatte einen jüngeren Bruder, eine jüngere Schwester und einen älteren Bruder, verlebte Max seine Kindheit in Dietmannsried. Die Schwester, mit der Max ein sehr gutes Verhältnis hatte, verstarb schon in frühen Kinderjahren bei einem Unfall.

Bis 1906 lebte die Familie in Dietmannsried und zog dann nach Memmingen um. Schon in Kindesjahren zeigte sich der Tatendrang, der Wagemut und das technische Interesse von Max Mulzer jun.. So soll er zu Weihnachten nicht nur die Kerzen am Weihnachtsbaum, sondern den ganzen Christbaum angezündet haben. Später begeisterte er sich für das Automobil seines Vaters, bevor er seine Leidenschaft für die Reiterei entdeckte.

Seine Schulausbildung genoss Max am Progymnasium in Memmingen. Wegen seiner Liebe zu Pferden entstand bei ihm schließlich der Wunsch, eine Offizierslaufbahn bei den leichten Reitern einzuschlagen. Deshalb begann er eine militärische Ausbildung im Kadettenkorps der Bayerischen Armee. Im Juli 1913 trat er in das 8. Chevaulegers-Regiment (leichte Reiterei) in Dillingen an der Donau ein. Als 21-jähriger Fähnrich zog er mit dem Chevaulegers-Regiment im August 1914 in den Krieg und wurde als Patrouillenreiter an der Westfront eingesetzt. Bei einem dieser Ritte schossen ihm die Gegner sein Pferd und dem Leibe weg. Da Mulzer bei seinen Aufklärungsritten besondere Kühnheit zeigte, verlieh ihm die militärische Führung am 16. September 1914 das Eiserne Kreuz. Als dann später die Front erstarrte und in einen Stellungskrieg überging, meldete er sich freiwillig zu den Fliegern.

Vom 20. August bis zum 27. November 1915 absolvierte Mulzer eine Flugausbildung bei der bayerischen Flieger-Ersatz-Abteilung (FEA) in Oberschleißheim. Am 13. Dezember 1915 zog er mit der bayerischen Feldflieger-Abteilung 4 ins Feld und erhielt am gleichen Tag die Beförderung zum Leutnant. Nach kurzer Zeit wurde er Kommandeur der bayerischen Feldflieger-Abteilung 5 und danach der Feldflieger-Abteilung 62, wo er zusammen mit Oswald Boelcke und Max Immelmann, bekannten deutschen Jagdfliegern, seine Einsätze flog. Mit beiden Fliegern verband ihn eine tiefe Freundschaft.

Als einer der erfolgreichsten Fliegeroffiziere der Bayerischen Armee wurde er mehrmals lobend in Tagesberichten der Obersten Heeresleitung erwähnt. Zwischen März 1916 und August 1916 erzielte er insgesamt zehn Abschüsse, die an folgenden Tagen dokumentiert sind: (30 März, 23. und 26. April, 31. Mai, 18. und 22. Juni, 2. und 8. Juli, sowie am 3. und 9. August). Ob er noch einen elften Abschuss erzielte, ließ sich offiziell nicht bestätigen. Sein Luftsieg am 8. Juli, bei dem er ein englisches Großkampfflugzeug bei Miraumont abschoss, löste in Memmingen patriotische Begeisterung aus. Die Stadt ließ das Rathaus für 24 Stunden beflaggen und die Reichshainstraße, den Wohnsitz der Familie Mulzer, in Mulzerstraße (heutiger Mulzergraben) umbenennen.

Für seine Abschüsse verlieh ihm Kaiser Wilhelm II. den höchsten preußischen Orden, den Pour le Mérite. Am 18. September 1916 erhielt er vom bayerischen König Ludwig III. den höchsten bayerischen Tapferkeitsorden, den Militär-Max-Joseph-Orden, der mit einer Erhebung in den Adelsstand verbunden war.

Maximilian Mulzer konnte sich von nun an Ritter von Mulzer nennen. Außerdem durfte er ab da ein ritterliches Wappen führen, das u.a. ein Pferd und einen Propeller zeigt, eine Reminiszenz an seine militärische Laufbahn.

Sein Vater, der an der Front im Lazarett als Arzt tätig war, erhielt ebenfalls wegen seiner engagierten Arbeit als Mediziner das Eiserne Kreuz I. Klasse. Dank dieser Auszeichnungen konnten Vater und Sohn zusammen einen kurzen Urlaub in Memmingen verbringen. Max von Mulzer nutzte diese Zeit, um auch das Elternhaus seiner Mutter in Hindelang zu besuchen. Dass es der letzte Heimaturlaub von Max sein sollte, konnte damals niemand ahnen. Vielleicht aber beschlich ihn acht Tage nach der Verleihung des bayerischen Militärordens eine Todesahnung. Denn im Sommer 1916 hielt der Tod reiche Ernte in seiner Einheit. Den Anfang machte am 18. Juni 1916 sein Freund Immelmann, den Mulzer im Luftkampf unterstützte, ehe Immelmann wegen eines technischen Defektes an seinem Flugzeug abstürzte. Später fielen andere Piloten seiner Einheit. Am 26. September 1916, als er mit zwei Kameraden auf dem Armee-Flugparks VI in Valenciennes im Auto zu seinem Flugzeug fuhr, soll er zu Ihnen gesagt haben: „Der nächste bin ich. Immelmann tot, gestern unser Kamerad Wintgens, jetzt bin ich an der Reihe.

Mit seinem neuen Flugzeug, einer Albatros D I (Kennung 426/16), das zuvor durch den Flugzeugführer Vizefeldwebel Bayerlein ausgiebig geprüft, eingeflogen und für in Ordnung befunden war, unternahm er einen ersten Flug. Zunächst stieg er auf etwa 500 Meter steil in die Luft. Kurze Zeit später ging er etwas tiefer und der Flug wurde unsicherer, es schien, als ob mit der Maschine etwas nicht in Ordnung wäre. Als er zur Landung ansetzen wollte, erfolgte aus 20 Meter ein jäher Absturz. Als seine Kameraden zur Absturzstelle eilten, fanden sie ihn, aus einer Stirnwunde blutend, nur noch tot unter den Trümmern seines Flugzeuges. Beim Aufprall muss er mit dem Kopf gegen die MG Stütze geschlagen sein und dabei eine tödliche Schädelverletzung erlitten haben.

Nach einer Totenehrung auf dem Flugfelde, bei der auch sein Vater anwesend sein durfte, wurden die sterblichen Überreste von Max Mulzer im Sarg nach Memmingen überführt, Hier fanden am 3. Oktobersonntag 1916 auf dem alten Friedhof die Beisetzungsfeierlichkeiten mit militärischen Ehren statt. Mit drei Ehrensalven und dem Überflug von zwei Flugzeugen wurde dem Toten gedacht. An den Trauerfeierlichkeiten, die große Anteilnahme in Memmingen auslöste, nahmen neben den Angehörigen und militärischen Abordnungen auch viele Zivilisten teil.

Im Jahre 1919 wurde der alte Memminger Friedhof aufgelöst und an anderer Stelle entstand der neuen Waldfriedhof. 1922 kam es zur Umbettung der sterblichen Überreste von Max von Mulzer auf den Waldfriedhof. Sein neues Grab bildete hier den Mittelpunkt eines Ehrenhains für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Memmingen.

Heute steht auf dem Ehrengrab von Mulzer im Memminger Waldfriedhof eine Skulptur, die der Bildhauers Gustav Adolf Daumiller in den

1920er Jahren anfertigte und noch heute an diesen Jagdflieger aus dem ersten Weltkrieg erinnert.

Quellen: Schobacher, E.: Unser Allgäuer Fliegerheld, in: Allgäuer Kriegschronik von 1917. Engelhard Chr.: Zwischen Monarchie und Republik, Weltkrieg und Revolution in Memmingen und Umgebung 1914 bis 1918, in: Der Spiegelschwab 1916.

Dr. Willi Vachenauer

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