Bauausschuss stimmt für Abriss der Klinikkapelle

Das Ende naht

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Wird abgerissen: Die Tage der ehemaligen Klinikkapelle sind gezählt.

Kempten – Der Einsatz von Stadtrat Michael Hofer (ödp) und Pfarrer Andreas Beutmüller war umsonst – die Klinikkapelle in der Memminger Straße muss einem neuen Wohnquartier weichen.

Einstimmig sprach sich der Bauausschuss am Donnerstag für den Abriss des Gebäudes und gegen eine Erhaltungssatzung aus. Somit könnte nun alles ganz schnell gehen. Denn eine Abrissanzeige des Klinikums liegt der Stadtverwaltung bereits vor, wie OB Dr. Ulrich Netzer berichtete. „Sobald die Bestätigung der Stadt Kempten eingeht, ist geplant mit dem Abriss zu beginnen“, erklärte Klinik-Sprecherin Christine Rumbucher. 

uf dem frei liegenden Grundstück will eine GbR aus Sozialbau und Sozial-Wirtschafts-Werk Sonthofen wie mehrfach berichtet neue Wohnungen bauen. In dem vorderen denkmalgeschützten Gebäude sollen ebenfalls Eigentumswohnungen eingerichtet werden. Das Grundstück mit dem Allgäu Hospiz bleibt dagegen im Besitz des Klinikums. Mit ihrem Beschluss folgten die Stadträte einer Empfehlung des Stadtplanungsamts. Man müsse sich über die Konsequenzen klar ein, wenn die Kapelle stehen bleibe, so Uwe Weißfloch vom Stadtplanungsamt. So müssten beispielsweise für eine Nutzung als Gemeinschaftshaus, Generationentreffpunkt oder Versammlungsort „erhebliche bauliche“ Veränderungen vorgenommen werden. „Somit würde sich das Erscheinungsbild völlig verändern und der geforderte Erhalt des Gebäudes mit seiner künstlerischen Ausstattung nicht erreicht, sondern im Gegenteil sogar konterkariert.“ 

Weniger Geld 

OB Netzer wies das Gremium darauf hin, dass Abriss oder Erhalt auch über den Preis entscheiden, den das Klinikum für das Grundstück aufrufen könne. Bei Erhalt der Kapelle gehe er von einem um etwa einen Drittel niedrigeren Erlös aus. „Es geht nicht um den Profit einer Wohnungsbaugesellschaft, es ist ein Thema der Aufgabenerfüllung des Klinikums“, sagte Netzer. So könnten von dem Verkaufspreis wichtige Investitionen für das Krankenhaus vorgenommen werden. Gegen den Erhalt der Kapelle spricht aus Sicht des Rathauschefs auch die nach wie vor ungewisse Zukunft des Hospiz. Lasse man die Kapelle stehen, werde es für die Einrichtung irgendwann schwierig, sich auf dem Areal zu vergrößern, argumentierte er. 

Bei Stadtrat Michael Hofer stößt die Entscheidung seiner Kollegen auf Unverständnis, auch wenn er kaum überrascht davon sei. „Dass die Kapelle baldmöglichst ohne Not abgerissen werden soll, hat wohl mit der Angst des noch amtierenden OB und des Grundstückerwerbers zu tun, die Kommunalwahl im März könnte zu einem Plebiszit über das Fortbestehen dieser Kirche werden”, sagte Hofer gegenüber dem Kreisboten. Seiner Ansicht nach gehe es darum, möglichst viel Geld aus dem Verkauf des Grundstücks zu holen. „Darüber hinaus”, so Hofer weiter, „besagt das Freigeben zum Abriss durch die regierende C-Partei in der Stadt auch, wie weit die Entkirchlichung der Gesellschaft selbst im vermeintlich heilen Allgäu schon gediehen ist.”

Matthias Matz

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