Dramatische Abstimmung

"Weder Fisch noch Fleisch"

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Besorgte Anwohner betrachten das Gerüst, mit dem der Umfang des geplanten Wohnhauses am Stadtweiher dargestellt werden soll. Sie können zunächst aufatmen.

Kempten – Investor Walter Bodenmüller muss seine Pläne für sein viergeschossiges Wohnhaus Vor`m Stadtweiher womöglich zu den Akten legen. Denkbar knapp mit 20:19 Stimmen lehnte der Stadtrat die Billigung und Auslegung der erforderlichen Bebauungsplanänderung am Donnerstagabend ab.

Für das höchst umstrittene Vorhaben auf dem Gelände der alten Pumpstation stimmten lediglich Teile der CSU und der SPD sowie die drei Bürgermeister. Der Bauausschuss hatte unlängst noch für das Projekt gestimmt. 

Seit bekannt wurde, dass die IBO Immobilien-Service GmbH auf dem Gelände der stillgelegten Pumpstation an der Ecke Vor`m Stadtweiher/Feichtmayrstraße ein dreigeschossiges Wohnhaus mit einem Penthousegeschoss obendrauf bauen will, sind die Anwohner in heller Aufruhr (der Kreisbote berichtete mehrfach). Sie stört vor allem die schiere Größe des Gebäudes und der Umstand, dass ein alter Baum dafür gefällt werden soll. Am Donnerstagabend hat sich eine denkbar knappe Mehrheit der Stadträte den Bedenken der Anwohner angeschlossen und eine Billigung und Auslegung der Bebauungsplanänderung abgelehnt. 

Dabei wäre die Abstimmung womöglich anders verlaufen, wären von der CSU mehr als lediglich elf der insgesamt 18 Stadträte anwesend gewesen. So stimmten neben der CSU – außer Stadtrat Edgar Rölz – nur Teile der SPD-Fraktion sowie die drei Bürgermeister Netzer, Mayr und Knott für das Bauvorhaben. 

"Vergleichsweise massiv" 

Zuvor tauschten die Räte in einer lebhaften Diskussion ihre Argumente aus. Baureferentin Monika Beltinger wies zwar darauf hin, dass es sich bei dem Vorhaben um „ein klassisches Nachverdichtungsthema“ handle, vielen ging diese im vorliegenden Fall jedoch zu weit. „Nachverdichtung ist grundsätzlich eine vernünftige Angelegenheit“, sagte Thomas Hartmann von den Grünen, „aber hier ist die Kubatur vergleichsweise massiv.“ Gegen das Vorhaben spreche außerdem die Fällung des „sehr imposanten, stadtbildprägenden Baumes“. Stadträtin Regina Liebhaber (SPD) gestand Bauverwaltung und Investor zwar zu, dass alle Auflagen eingehalten würden („Nach dem Zollstock hat alles seine Richtigkeit.“). „Aber die Wahrnehmung ist eben eine andere.“ Deshalb werde auch sie nicht zustimmen. Alexander Hold (FW) bekannte sich grundsätzlich ebenfalls zur Nachverdichtung, aber eben nicht im vorliegenden Fall: „Nachverdichtung ist sinnvoll, muss aber auch nachvollziehbar sein“, sagte er. Republikaner-Stadtrat Gert Frings kritisierte die Pläne ebenfalls. „Muss da so ein Klotz hingestellt werden, nur damit der Bauwerber möglichst viel Rendite macht?“ 

Für das umstrittene Projekt sprachen sich dagegen Bürgermeister Josef Mayr (CSU) und CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier aus. Mayr wies auf den Bedarf an Wohnungen in Kempten hin. „Der ist ausgesprochen groß“, sagte er. Hagenmaier erklärte, dass das vierte Geschoss „in meiner Wahrnehmung keine Rolle“ spiele. Kleinere Gebäude seien „weder Fisch noch Fleisch“. „Einfamilienhäuser werden da nicht hinpassen“, sagte er. „Dann muss ich im Umkehrschluss sagen: Dann ist das Grundstück unbebaubar.“ 

Bei den Anwohnern hingegen ist die Freude über den Ausgang der Abstimmung groß: „Gut, dass sich der Stadtrat eine bessere Info des Bauvorhabens verschafft hat und sich der Meinung der Anwohner angeschlossen hat“, so Richard Sonnenmoser, Sprecher der Anwohner, gegenüber dem Kreisboten. Die Entscheidung zeige, dass sich die Bürger nicht alles gefallen lassen sollten und sich Protest auszahlen kann. Daher schlug er vor, künftig bei ähnlichen Vorhaben die betroffenen Anwohner früher in die Planungen einzubeziehen. „Wenn sich der Investor und der Stadtplanung auf eine Lösung geeinigt haben, ist es fast unmöglich, dass die Bürger noch etwas verändern können“, so Sonnenmoser. 

Und was wird nun aus der Bebauungsplanänderung? Das müsse nun innerhalb der Bauverwaltung diskutiert werden, erklärte Baureferentin Beltinger auf Anfrage. Möglicherweise werde man auch noch einmal das Gespräch mit dem Investor suchen. Zu klären sei, ob sich dieser ein Entgegenkommen den Anwohnern gegenüber vorstellen kann.

Matthias Matz

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