"Standbein im Süden"

Die dunklen Wolken über der Allgäu Fleisch GmbH scheinen sich wieder zu verziehen. Die Tönnies-Gruppe will den Betrieb übernehmen. Foto: Archiv

Als schließlich alles über die Bühne gegangen war, merkte man Dr. Jens Hourle, bis dato Insolvenzverwalter der Allgäu Fleisch GmbH, die Erleichterung an. „Wir sind stolz“, sagte er am vergangenen Donnerstagnachmittag. Unmittelbar zuvor war bekannt geworden, dass die nordrhein-westfälische Tönnies-Gruppe die pleite gegangene Allgäu Fleisch übernehmen wird – sofern das Kartellamt dem Deal seine Zustimmung erteilt (der KREISBOTE berichtete). Der Münchner Insolvenzexperte sieht sich jedenfalls am Ziel: „Kempten erhält wieder einen modernen, funktionierenden und zukunftsorientierten Schlachtbetrieb“, so Hourle. Tatsächlich bestätigte ein Sprecher der Tönnies-Gruppe bereits am Donnerstag gegenüber dem KREISBOTEN, dass der Standort in Kempten erhalten werden soll. In welcher Form, blieb vorläufig allerdings offen – den Kemptener Schlachtbetrieb drücken 18 Millionen Euro Schulden.

Die Zukunft der im Mai pleite gegangenen Allgäu Fleisch GmbH in der Bleicher Straße scheint gesichert: Wie bereits berichtet, wird die Tönnies-Gruppe unter der Voraussetzung, dass das Kartellamt zustimmt, den Kemptener Betrieb übernehmen. „Mein Ziel war es von Anfang an, den Kemptener Schlacht- und Fleischbetrieb wieder markt- und zukunftsfähig zu positionieren“, betonte Hourle. Das sei mit dem Tönnies-Deal gelungen. So habe die Tönnies-Gruppe allein im Jahr 2009 einen Jahresumsatz von 3,9 Milliarden Euro erzielt. Firmengründer Clemens Tönnies ist außerdem vor allem als Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 bekannt. Rinder oder Schweine? Über den Übernahmepreis haben beide Seiten nach eigenen Angaben Stillschweigen vereinbart. Die Entscheidung des Gläubigerausschusses, Tönnies den Zuschlag zu geben, sei einstimmig gefallen. Die offenen Forderungen gegenüber der Allgäu Fleisch GmbH belaufen sich laut Hourle derzeit auf etwa 18 Millionen Euro. „Wie viel davon getilgt werden kann, steht noch nicht fest“, so der Münchner Anwalt. Fest steht auch noch nicht, wie und wann es in der Bleicher Straße weiter gehen soll. Dort arbeiten lediglich noch etwa 30 der ehemals rund 130 Mitarbeiter. Zwar bestätigte ein Tönnies-Sprecher gegenüber dem KREISBOTEN, dass die Nordrhein-Westfalen den Standort Kempten erhalten und den Betrieb fortführen wollen („Wir brauchen ein Standbein im Süden.“). In welcher Form, scheint derzeit aber noch nicht endgültig geklärt. Unbestätigten Meldungen der „Lebensmittelzeitung“ zufolge sollen in Kempten unter Tönnies künftig offenbar nur noch Rinder, aber keine Schweine mehr geschlachtet werden. Die Zerlegung der Tiere solle schließlich in Rheda-Wiedenbrück erfolgen. Bis zur Insolvenz hatte Allgäu Fleisch aber pro Woche etwa 3500 Schweine und nur etwa 800 Rinder geschlachtet. Karl Koller, Chef der heimischen Fleischer- und Metzger-Innung, wollte sich am Freitag nicht weiter zu der Übernahme äußern. Man müsse nun erst einmal die weitere Entwicklung abwarten, beschied er. Die Allgäu Fleisch GmbH hatte Ende Mai Insolvenz angemeldet. Als Grund für die Pleite wurden vor allem hohe Investitionen in die Modernisierung des Betriebs und hohe Abgaben bei gleichzeitigem Gewinnrückgang angeführt.

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