Kripo Kempten: Nicht nur die Internetkriminalität ist angestiegen

Cyber Crime großes Thema

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Michael Haber (li.), Leiter der Kripo Kempten, und Dieter Thomalla, Kommissariatsleiter Vermögensdelikte, stellten die Statistik des vergangenen Jahres vor.

Kempten/Allgäu– „Mein Fingerzeig geht an Gauner und Ganoven, einen großen Bogen um das Allgäu zu machen“, betonte Kripo-Chef Michael Haber beim Jahrespressegespräch bezüglich der hohen Aufklärungsquote im Zuständigkeitsbereich der Kripo Kempten, der neben dem Stadtgebiet und dem Altlandkreis auch das südliche Oberallgäu und südliche Ostallgäu mit Marktoberdorf und Füssen umfasst.

Zwar hätte es im vergangenen Jahr insgesamt rund ein Fünftel mehr Straftaten der mittleren und schweren Kriminalität gegeben, allerdings könne diese Zahl von insgesamt 1240 relativiert werden, da die Fallzahlen im Jahr 2014 sehr gering waren. „Wir liegen im Mittelwert der vergangenen fünf Jahre“, fasste Haber zusammen. Vier von fünf Straftaten seien aufgeklärt worden, was auch das „subjektive Sicherheitsgefühl“ der Bevölkerung beeinflusse. Insgesamt seien die Straftaten im Jahr 2015 zu 80 Prozent von Männern begangen worden, rund 76 Prozent der Tatverdächtigen seien Deutsche gewesen, erklärte er.

16 Mord- und Totschlagfälle 

Der Anteil der Gewaltkriminaltität habe im vergangenen Jahr fünf Prozent an der Gesamtkriminalität betragen und sei damit „gottseidank gering“ gewesen. Die Aufklärungsquote sei mit 84 Prozent in diesem Bereich sehr hoch, die Zahl der Straftaten mit 63 liege aber über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Bis auf den „Beil-Mord“ in einer Kemptener Wohnung im Dezember 2015 (der Kreisbotete berichtete) hätten bei den insgesamt 16 Mord- und Totschlagdelikten alle Opfer überlebt. Bei nahezu allen Delikten hätten sich Opfer und Täter zudem vor der Tat gekannt, erklärte Haber. Sechs versuchte Tötungsdelikte seien von Flüchtlingen begangen worden, fünf davon in Sammelunterkünften. „Ohne es zu verharmlosen, ist es falsch, Flüchtlinge zu kriminalisieren, die Taten werden größtenteils untereinander begangen, Einheimische werden selten Opfer von Flüchtlingen, das ist bestätigt“, beruhigte Haber. Dennoch sei der Anteil an Tatverdächtigen präsdiumsweit mit fünf Prozent höher als der Bevölkerungsanteil mit zwei Prozent.

Die Ermittlungen hinsichtlich des Überfalls auf ein Ehepaar im Treppenhaus eines Wohn- und Geschäftshauses in Hopfen am See im November 2015 würden noch laufen, die Täter seien noch nicht ermittelt, allerdings habe man „einige Spurenkomplexe“ - „ein schwieriger Fall“ wie Haber bekanntgab.

Mehr als 16 Kilogramm Cannabis sichergestellt 

Im Bereich der Rauschgiftkriminalität sei die Zahl der Delikte um ein Viertel gestiegen. Der Grund dafür liege laut Haber in den Großverfahren. „Wir konnten mehrere überregionale Verteilerstrukturen aufklären und zerschlagen“, begründete er die Zunahme. 25 Hintermänner seien aus dem Verkehr gezogen sowie 16 Kilogramm Cannabis, mehrere 100 Gramm Heroin und mehrere Kilo Amphetamin, die fürs Allgäu bestimmt waren, sichergestellt worden.

Rauschgifttote habe es im vergangenen Jahr insgesamt sieben gegeben (Kempten: 2; Oberallgäu: 3; südl. Ostallgäu: 2), drei weniger als im Jahr 2014.

Prävention gegen Wohnungseinbrüche 

In Bezug auf Wohnungseinbrüche sei die Bevölkerung senisiblisiert, wodurch sich das Anzeigeverhalten verändert habe. Auch kleine Kratzer würden mittlerweile bemerkt werden, so Haber. Die Gesamtzahl an Diebstahlsdelikten, darunter auch die Wohnungseinbruchsdiebstähle, im vergangenen Jahr liege in etwa auf dem Vorjahresniveau von 2014. In diesem Bereich der Kriminalität spiele vor allem die Prävention eine große Rolle, betonte Haber. 250 Fachberatungen wären von Seiten der Kripo zum Thema Einbruchschutz 2015 durchgeführt worden. „Erfahrungsgemäß geben Einbrecher nach zwei bis drei Minuten auf, wenn sie nicht ins Objekt reinkommen“, erklärte Haber.

Die größte Einbruchserie habe es im vergangenen Jahr in und um Marktoberdorf gegeben. Bei insgesamt 14 Einbrüchen von Dezember 2015 bis heute sei ein Beuteschaden in Höhe von 27.000 Euro entstanden. „Wir gehen davon aus, dass es sich um eine südosteuropäische Bande handelt und haben bereits DNA-Spuren von mehreren Tätern sichergestellt. Wir gehen also davon aus, dass wir an die Täter rankommen“, so Haber.

Auffällig bei Wohnungseinbruchsdiebstählen sei, dass die Täter zwar überwiegend männlich seien, aber zunehmend Frauen die Gegenden und Objekte im Voraus auskundschaften. „Sie haben auch bessere Versteckmöglichkeiten für Werkzeuge“, warnte Haber.

Neues Phänomen: Erpressungstrojaner

Zunehmend Thema im Zuständigkeitsbereich der Kripo Kempten sei nach wie vor Cyber Crime, die Kriminaltiät im Internet. Vor knapp zwei Jahren wurde bei der Kripo Kempten ein eigener Arbeitsbereich an das Kommissariat der Vermögensdelikte angegliedert, seitdem seien dort Informatiker und drei Ermittler unter der Leitung von Dieter Thomalla beschäftigt. 392 Cyber Crime-Fälle wurden im Jahr 2015 verzeichnet (2014: 281).

Das Team rund um Thomalla beschäftige sich vorallem mit dem Raub von Kreditkartendaten (bis zu 50 Prozent Steigerung an Fällen pro Jahr), aber auch Banking-Trojaner, Schadsoftwares auf dem Computer, die elektronische Überweisungen manipulieren, seien Thema. Ein „neues Phänomen“, so Thomalla, sei aber der sogenannte „Erpressungstrojaner“, Schadprogramme, mit deren Hilfe Daten sowie des gesamten Computersystems verschlüsselt werden oder der Zugriff auf sie verhindert wird und für die Freigabe ein „Lösegeld“ gefordert wird. Wurden im ganzen vergangenen Jahr sechs solcher Fälle behandelt, seien es im laufenden Jahr schon 15. Thomalla rät hierzu: „Bezahlen Sie nicht, das ist ein Zeichen, dass sie sowohl zahlungsfähig als auch -willig sind und ein Problem mit Ihrem System haben“, wodurch der Betroffene erneut Opfer von Angriffen werden kann.

Mehr Tipps zum Schutz von Internetkrimalität ist auf der Website des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik unter www.bsi-fuer-buerger.de.

Kriminalität 2015:

Gesamtstraftaten: 1240 (1026)

Gewaltkriminalität: 63 (46)

Diebstahl: 151 (149)

Rauschgiftdelikte: (177 (139)

Straftaten geg. sexuelle Selbstbestimmung: 125 (90)

Vermögens-/Fälschungsdelikte: 460 (293)

Wirtschaftskriminalität: 348 (183)

Lea Stäsche

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