Strahlende Gesichter

Die ersten Bewohner mit ihren Angehörigen vom Dr Peter-Landwehr-Haus bei ihrem ersten gemeinsamen Mittagessen in der Gemeinschaftsküche. Foto: Sykora

Daniel strahlt über das ganze Gesicht, als er sich zum Frühstück zu Artjom setzt. Beide gehören zu den insgesamt 14 Bewohnern der Hausgemeinschaft des Dr. Peter-Landwehr-Hauses der Körperbehinderte Allgäu. Neun von ihnen sind bereits kurz vor Weihnachten im Schneetreiben oder gleich nach den Feiertagen in ihr „eigenes Reich“ an der Gerhart-Hauptmann-Straße Nr. 7 eingezogen. Dass derweil immer noch Handwerker durch`s Haus laufen, stört sie nicht.

Ihnen geht es wie Lisa: Sie war die erste, die nach mehrmals verschobenen Einzugsterminen nicht mehr länger warten und den 4. Advent in ihrem eigenen, gemütlichen Appartement erleben wollte. „Ich wollte nicht mehr länger warten“, gibt sie beim Einzug zu verstehen. Bis zum 10. Januar sollen die letzten fünf Bewohner einziehen – in eine der beiden Wohngemeinschaften oder den großzügigen Appartements, von denen es sechs im Hause gibt. Das Besondere an dieser Hausgemeinschaft: „Das neue Modell setzt seinen Schwerpunkt auf die personenorientierte Hilfe. Personen mit schweren-mehrfachen Behinderungen und umfangreichen Unterstützungsbedarf leben gemeinsam mit Menschen, die aufgrund ihrer Handicaps weniger Hilfen benötigen, unter einem Dach“, erklärt dazu Reinhold Scharpf, Geschäftsführer der Körperbehinderte Allgäu. In Bayern ist dieses Konzept einmalig. Gerade erst hat Scharpf es in Berlin bei einer Tagung vorgestellt und in Bayern soll er im März bei der Stiftung „Leben pur“ von dem Modell und den ersten Erfahrungen berichten. „Für die Eltern ist es oft eine Entlastung – und für die jungen Leute um die 20 ist es normal, sich vom Elternhaus räumlich zu lösen“, sieht Scharpf Vorzüge für beide. „Wohnen wie andere“ ist daher auch der Slogan der inzwischen achten Wohngemeinschaft der Körperbehinderte Allgäu. Das neue Konzept schafft damit beispielsweise eigenständige Wohnmöglichkeiten für einen jungen Mann, der stationär unter- und im ambulanten Wohnen überfordert wäre. „Hier hat er sein eigenes Appartement – und zugleich die Möglichkeit am Hausleben teilzunehmen.“ Und davon macht er Gebrauch: Mal frühstückt er allein, mal geht er in eine der beiden Wohngruppen. „Noch sind wir in der Kennenlernphase“, gibt Manfred Krezler als Leiter der Hausgemeinschaft zu. Da sei es gut, dass die Bewohner nach und nach einziehen. So könne sich die Gemeinschaft sukzessive entwickeln. Der Sozialpädagoge hat ein 14-köpfiges Team, darunter sechs Fachkräfte, an seiner Seite. Die offizielle Einweihung des Hauses wird es voraussichtlich im Frühjahr geben.

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Wirtschaftlicher Erfolg durch Ökologie

Kempten – Dem selbstsicheren, ruhig auftretenden und entspannt schwäbelnden Oberbürgermeister von Stuttgart, Fritz Kuhn, gelang es beim …
Wirtschaftlicher Erfolg durch Ökologie

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kommentare