Stratosphärenballon ist verschollen – neues Experiment im September

Haldenwang in Space

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Ingo Schuster (orange Jacke) mit einem Teil seines fünfköpfigen Teams aus technik-affinen Jugendlichen bei den Vorbereitungen zum Start ihres Stratosphärenballons.

Haldenwang – Zuerst lief alles so gut. Der Tüftler Ingo Schubert fand fünf engagierte Jugendliche, die mit ihm zusammen einen Stratosphärenballon bauen und in die Erdatmosphäre schicken wollten. Trotz Schlechtwetter gelang der Start vergangene Woche reibungslos. Und dann? Dann verschwand der Ballon mitsamt dem Container voll teurer Technik spurlos.

Im April suchte der Diplom-Informatiker (FH) Ingo Schubert per Anzeige im Haldenwanger Gemeindeblatt Jugendliche, die, „anstatt vor der Spielekonsole rumzuhängen“, mit ihm gemeinsam „beim Bau, Start und Wiederfinden eines Stratosphärenballons Erfahrungen in Naturwissenschaft und Technik sammeln wollten“. „Ich bin ein leidenschaftlicher Tüftler und trage die Idee mit dem Stratosphärenballon schon seit ein paar Jahren mit mir herum“, sagt der gebürtige Haldenwanger mit den regenbogenbunten Haaren. „Ich hätte das auch innerhalb von ein paar Wochen alleine machen können. Aber warum alleine machen, wenn's auch im Team geht?“ findet er. Niklas Maier, Daniel Fischer, Valentin Bittner, Nicholas Klug und Luca Roda fühlten sich sofort von seinem Aufruf angesprochen und meldeten sich bei ihm.

Im Zeitraum von vier Monaten beschäftigten sich die fünf technikbegeisterten Jungs im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren zusammen mit Schubert mit der Umsetzung des „extremen Projektes“. Dazu gehörte die eigenständige Recherche über die unterschiedlichsten Sachverhalte zum Thema, ebenso wie das Erkennen und Erfüllen sämtlicher Anforderungen rund um die Elektronik und Programmierung der verschiedenen Instrumente, die der (gekaufte) Ballon in einem selbst gebauten, rechteckigen Styropor-Container mit sich tragen sollte. Schließlich war dieser dazu gedacht, in 20 bis 35 Kilometer Höhe zu steigen und dabei Messungen von zum Beispiel Temperatur, Luftdruck und UV-Strahlung vorzunehmen. Zwei eingebaute Kameras (eine nach unten, eine zur Seite gerichtet) sollten auf dem Flug Fotos schießen. „Darauf müsste eigentlich deutlich die Erdkrümmung und darüber das Schwarz des Weltraumes zu sehen sein“, so Schuberts Einschätzung. Neben den entsprechenden Sensoren und Kameras waren auch ein GPS-Modul, ein GSM-Modul sowie eine GSM-Antenne an Bord. Letztere sollten dazu dienen, die genaue Flugbahn zu bestimmen und nach der Landung – der Ballon steigt so hoch bis er aufgrund der Luftdruckverhältnisse platzt und sinkt dann mit einem beigefügten kleinen Fallschirm zu Boden – den Container wieder zu finden. Die zentrale Schaltstelle des ganzen bildete ein etwa kreditkartengroßer Computer.

Am vergangenen Mittwoch fand dann, nach einigem Zögern und Zaudern wegen des regnerischen und windigen Wetters, auf einer Wiese oberhalb von Haldenwang der reibungslose Start des Stratosphärenballons statt, der nach dem Befüllen mit Helium einen Durchmesser von gut zwei Metern aufwies. Hierzu hatte Schubert vorab die Genehmigung der Flugsicherung und des Luftfahrtbundesamtes einholen müssen.

Anstelle der erwarteten zwei bis drei Stunden dauerte der Flug des Vehikels dann aber um die neun Stunden. Am Schluss stand die Enttäuschung: Der Ballon samt seiner Fracht im Gesamtwert von rund 1000 Euro (die Ingo Schubert nach enttäuschender Sponsorensuche übrigens aus purem Idealismus aus eigener Tasche bezahlt hatte), verschwand spurlos. Nun bleibt zu hoffen, dass der beschriftete Container gefunden und an die Allgäuer Tüftlern zurückgegeben wird. Diese vermuten ihr Gefährt „irgendwo in Richtung Schwäbische Alb“. In seinem Blog zu dem Projekt schreibt Schuster unter anderem: „Ich kann es drehen und wenden wie ich will, aber das sieht mir nach einem Versagen der Elektronik aus. Selbst wenn die Flugzeit neun anstatt drei Stunden war, hätte die Batterie halten sollen und der Container sich melden müssen sobald wieder Handynetz verfügbar war. Tat er aber nicht. Da lief was schief, was ich während der Entwicklung und des Testens offensichtlich nicht bedacht hatte.“

Jetzt soll zunächst ein GPS-Tracker bei der Suche helfen. So oder so wird im September ein zweiter Versuch mit abgespecktem Equipment durchgeführt. Und die fünf Jungs sind auf jeden Fall wieder mit Begeisterung dabei.

Sabine Stodal

 

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