Studentinnen der Kemptener Hochschule rücken Aktionsplan Inklusion in den Fokus

Ziel: Teilhabe für alle

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Die beiden Studentinnen Katharina Zehnter (li.) und Carolina Mildenberger (re.) mit Larissa P..

Kempten – Der neue Aktionsplan Inklusion in Kempten (2016) greift Maßnahmen auf, um die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen zu ermöglichen. Diese reichen vom Bereich Wohnen, über Arbeit bis hin zu Freizeit und Kultur. Studentinnen der Hochschule in Kempten möchten die Wichtigkeit dieses Aktionsplans in den Vordergrund rücken. In Zuge dessen haben sie sich die Frage gestellt, welche Schwierigkeiten Menschen mit Beeinträchtigungen in Kempten haben und wie diese durch die Maßnahmen des Aktionsplans verbessert werden können (siehe auch Seite 4).

Ein Gespräch mit Larissa P. (24) zeigte, dass viele Menschen noch Schwierigkeiten haben im offenen Umgang mit Menschen mit einer Behinderung. Für Larissa P. bedeutet Inklusion jedoch, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammen leben, arbeiten, weggehen und sich austauschen.

"Für mich ist es richtige Arbeit, Freizeit zu haben" 

Wie barrierefrei sind öffentliche Veranstaltungen in der Stadt Kempten? Bereits der Hinweg zu Veranstaltungen gestaltet sich oft schwierig. Trotz Bemühungen kommt es durch kleine Erhöhungen immer wieder zu Hindernissen, die sich meist nur mit einem manuellen Rollstuhl befahren lassen. Seitdem die Straßen in Kempten stückweise umgebaut werden, ist eine große Verbesserung zu bemerken – nicht nur für Rollstuhlfahrer. Auch für viele Fußgänger ist es oft angenehmer auf den geschliffenen Wegen zu gehen, anstatt auf den holprigen Kopfsteinpflastern.

Ohne Aufzug ist es schwierig die Räumlichkeiten auch ohne fremde Hilfe zu erreichen. Wird diese Hürde dann gemeistert, sind Plätze für beeinträchtigte Menschen meist alles andere als inklusiv. Denn wer möchte sich schon durch eine Säule das Blickfeld einschränken lassen oder sitzt im Kino gerne in der ersten Reihe? Laut Larissa P. ist die bigBOX in Kempten jedoch ein positives Beispiel dafür, wie ein barrierefreier Veranstaltungsort aussehen kann. Sie würde sich wünschen, dass weitere Veranstaltungsorte sich hieran orientieren.

Die bestehenden Schwierigkeiten werden mit dem Aktionsplan versucht zu verbessern, indem eine Barrierefreiheit bei allen öffentlichen Veranstaltungen der Stadt Kempten anstrebt wird. Welche Sportart würde Larissa P. gerne ausüben? Trotz ihres Handicaps würde sie sehr gerne in einem Verein tanzen. Dabei müsste es sich nicht nur um Menschen handeln, die ebenfalls eine körperliche Einschränkung besitzen – alleine der Spaß steht im Vordergrund. Auch das Schwimmen hat sie wieder für sich entdeckt, da sie im Wasser beweglicher ist. Dabei ist allerdings auf die richtige Wassertemperatur zu achten, da die Gefahr schnell auszukühlen sehr hoch ist. Auch Lifts müssen am Beckenrand angebracht sein. Diese sind aber in vielen Schwimmbädern immer noch Mangelware oder nur an wenigen Becken aufzufinden. Es besteht in Kempten bereits ein umfangreiches Angebot im Bereich Sport. Bestehende Berührungsängste sollen weiter abgebaut werden.

Im Arbeitskreis wurde darüber diskutiert, ob Assistenzkräfte eingesetzt werden sollen, die beim Ein- und Aussteigen am ZUM behilflich sind. Würde Ihnen diese Maßnahme weiterhelfen? Die Stadtbusse sind laut Larissa P. bereits toll ausgebaut, bei Überlandbussen mangelt es jedoch noch. Hier wünscht sie sich Unterstützung, um auch spontan unbeschwert weitere Fahrten antreten zu können. Deshalb gefällt ihr die Idee der Assistenzkräfte sehr gut. Sie denkt dabei nicht nur an Menschen mit Einschränkungen, sondern auch an ältere Menschen und Eltern mit Kinderwägen. Für sie wäre eine mögliche Assistenz ebenfalls hilfreich.

"Barrierefreiheit bedeutet mehr als nur ein Aufzug" 

Welche Schwierigkeiten treten auf, wenn es um die Barrierefreiheit bei Wohnungen geht? Da Larissa P. derzeit auf Wohnungssuche ist, hat sie einige Erfahrungen mit sogenannten barrierefreien Wohnungen gesammelt. Einzelne Wohnungsanbieter sprechen bereits von barrierefreiem Wohnen, wenn ein Aufzug vorhanden ist und Haltegriffe im Bad montiert sind. Barrierefreies Wohnen bedeutet allerdings weitaus mehr. Larissa P. betonte dabei besonders, dass das Badezimmer eine ausreichende Größe bieten soll, um mit dem Rollstuhl frei ranggieren zu können. Auch Türgriffe, Lichtschalter, Waschbecken etc. sollten sich in Griffhöhe befinden, damit ein selbstständiges Wohnen ermöglicht werden kann. Laut Teilhabebericht 2013 des BMAS (Bundesministerium für Migration, Arbeit und Soziales) dürfen innerhalb der Wohnung und wohnungsbezogenen Freiräumen keine Stufen zu überwinden sein bzw. haben wohnungsbezogene Freiräume einen schwellenfreien Zugang aufzuweisen.

Obgleich ein Interesse an Inklusion häufig die persönliche Betroffenheit voraussetzt, bemerkte Larissa P. bei ihrer Wohnungssuche, dass eine Vielzahl an Vermietern für Umbauten dennoch offen sind. Dies ist für die Betroffenen eine wesentliche Unterstützung in ihrer selbstbestimmten Lebensführung und ermutigt in der Öffentlichkeit Begegnungen zu suchen.

Um bestehendes Potential zu nutzen, bedarf es allerdings nicht nur gesetzliche Hürden zu beseitigen, sondern auch persönliche Berührungsängste abzubauen. kb

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