Ein Stück Familie

Oma Lisbeth Becherer im Kreise „ihrer Kindergartenkinder“. Unser Foto zeigt Miroslav (v.l.), Afra, Oma Lisbeth Becherer, Christina, Erdem, Mandy, Veronika und Puneet. Foto: moriprint

„Oma – liest Du mir was vor? Oder spielst Du mit mir“ Und natürlich setzt sich Lisbeth Becherer aus Haldenwang bereitwillig mit dem „Bittsteller“ in eine stille Ecke und beginnt zu lesen…. In der Kindertagesstätte „Haus für Kinder und Eltern“ der Diakonie Kempten-Allgäu ist Oma Becherer seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des Kindergarten-Alltags. Seit nunmehr fast 20 Jahren hat die heute 80 jährige den ehrenamtlichen Status der Kindergarten-Oma. „Die Kinder genießen es, denn als Oma verkörpert ein Stück Familie“, weiß Birgit Demmler, Leiterin der Kita.

Bis vor einigen Jahren war Oma Becherer noch fast jeden Tag in der Kita an der Lindauer Straße. Inzwischen ist sie nur mehr freitags dort. „Die Kinder kennen mich aber alle und winken und rufen mir zu, selbst auf der Straße“, freut sich die engagierte Dame mit den weißen Haaren über ihren Bekanntheitsgrad in der jüngsten Generation. Da sie schon viele Jahre dabei ist, ist sie inzwischen auch den jungen Müttern und Vätern, den Kindern aus der Anfangszeit ein Begriff. Ideal ist, dass eine ihrer beiden Töchter im Haus für Kinder und Eltern beschäftigt ist. So hat sie jeden Freitag eine geniale Mitfahrgelegenheit. Und auch einen ihrer beiden Enkel sieht sie hier in der Kita. Der zehnjährige ist freut sich über die „Oma-Zurufe“ für seine Oma. Lesen, spielen, mit der Oma Brotzeit machen, sich von der Oma trösten lassen – Oma Becherer nimmt sich Zeit für die Mädchen und Buben. „Und meistens finden die Drei- bis Sechsjährigen, wenn sie mal unruhig sind, wieder ihre Ausgeglichenheit, wenn sie einen zeitlang mit Frau Becherer spielen“, erzählt Birgit Demmler. „Sie genießen es, wenn sich jemand ganz allein Zeit für sie nimmt.“ Zuhören und genießen Beim Vorlesen passiert es freilich, dass sich der eine oder andere kleine „Zuhörer“ dazugesellt. Immerhin hören sie alle gern die Geschichten von Willi Wiberg, der kleinen Raupe Nimmersatt oder ein „schönes Märchen“… „Da werden selbst ‘Wildfänge’ ganz zahm!“ schmunzelt Lisbeth Becherer. Abgesehen davon meint sie: „Ich kann auch schimpfen, wenn es sein muss.“ Das Vorlesen der Oma hat eine andere Dimension wie das Vorlesen des Kindergartenpersonals. „Bei uns ist oft ein pädagogischer Hintergrund dabei. Wir wiederholen Passagen, erklären was.“ Bei Oma Becherer kann man einfach nun genießen und zuhören. Zuhören lernen ist freilich auch eine Fähigkeit, die man bereits als kleines Kind lernen sollte. Auf der Suche nach einem ehrenamtlichen Engagement hatte sich Lisbeth Becherer vor nunmehr zwei Jahrzehnten eigentlich eine Arbeit mit älteren Menschen gedacht. Da damals der Kontakt nicht sofort zustande kam, probierte sie den Kindergartenalltag im Haus für Kinder und Eltern aus – und blieb „hängen“. „Die Arbeit mit den kleinen Mädchen und Buben hält mich jung“, ist sich Oma Becherer sicher. Wie eng verbunden sich Oma Becherer mit der Kindertagesstätte fühlt, zeigte sich im vergangenen April bei ihrem 80. Geburtstag. Da ließ sie es sich nicht nehmen und feierte diese mit „ihren Kindern“.

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