Auf der Suche nach alten Obstsorten

Am Mariaberg identifizierte Hans-Thomas Bosch von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau einen als „Wirtschaftsapfel“ mit guten Lagerfähigkeiten geschätzten „Welschisnyer“, der vor allem im südlichen Bayern und in Vorarlberg beheimatet ist. Foto: Tröger

Seit zwei Jahren läuft das insgesamt auf vier Jahre angelegte, LEADER-geförderte Projekt „Erhaltung und Nutzung alter Kernobstsorten im Allgäu und am Bayerischen Bodensee“ bereits. 180 Apfel- und 120 Birnensorten, manche davon „völlig unbekannt“, hat der Agraringenieur Hans-Thomas Bosch von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau bislang kartiert und ihre Fruchteigenschaften erfasst. Viele Hinweise erhalte er aus der Bevölkerung, von Leuten, die entweder selbst Obstbäume – oft noch vom Urgroßvater eigenhändig gepflanzt – im Garten stehen haben, oder welche kennen.

Derzeit ist er mit Rudi Fischer von der Kemptener Stadtgärtnerei in und um Kempten aktiv. Interessant seien, so Fischer, vor allem Obstbäume mit einem Alter „ab etwa 60 Jahren“. Zuständig für die sortenkundliche Erhebung, ist Bosch vor allem der „Erhalt genetischer Vielfalt“ ein Anliegen. So sollen einzelne Sorten, wie zum Beispiel der Allgäuer Calvell oder der Glasapfel, in Baumschulen „wieder gezielt vermehrt“ und angebaut werden. Weitgehend verschwunden sei beispielsweise die Mostbirne, aus dem einfachen Grund „weil es niemand mehr trinkt“, erklärte Bosch. Bei Bedarf würde man die Birne jedenfalls „im alten Sortiment“ finden können. Die Vorzüge alter Sorten seien unter anderem ihre „Robustheit“ und Eignung auch für „raue Lagen“. Neben dem Erhalt der Vielfalt könne so künftig auch eine Empfehlung gegeben werden, welche Bäume für welchen Standort am besten geeignet und für welche Verzehrart beziehungsweise Weiterverarbeitung sie am besten geeignet seien. Schließlich „hat jede Region ihre Favoriten, die dort empfohlen werden“, nannte Bosch zum Beispiel den Grahams Jubiläumsapfel, der im Oberallgäu häufig sei. „Er übersteht noch Winter in bis 1000 Metern Höhe und hat trotzdem große, reife Früchte“. Echte Rarität Inzwischen eine echte Rarität sei dagegen die Sorte „Freier Isnyer“, eine früh reifende Apfelsorte, von der er „vielleicht die letzten zwei Standorte gefunden“ habe. Dass so viele Sorten verschwunden seien, habe seines Erachtens wohl „rationelle, betriebswirtschaftliche Gründe“, mit dem Bedürfnis nach „einem überschaubaren Sortiment“. Es sei zwar nicht möglich alles zu erhalten, aber „alles was wichtig ist“. Noch bis Ende 2012 wird Bosch mit der Suche nach alten Obstbaumbeständen beschäftigt sein. Im letzten Projektjahr soll dann vor allem ausgewertet werden.

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