Suche nach neuen Ansätzen

Ein Rezept für den ländlichen Raum wurde in Haldenwang nicht gezeigt. Dr. Gerd Müller versicherte aber, dass die Bauern in ihm einen beharrlichen Vertreter haben. Foto: Würzner

Zum Thema „Zukunft des ländlichen Raumes und der Landwirtschaft im Allgäu“ konnte die CSU Oberallgäu vergangenen Donnerstag eine stattliche Zahl von Experten als Diskussionsteilnehmer begrüßen. Im Saal des Haldenwanger Sportzentrums vertraten Staatssekretär Dr. Gerd Müller und der stellvertretende Landrat Anton Klotz die Politik, BBV-Kreisobmann Alfred Enderle und Bernhard Baldauf, Landwirtschaftlicher Sprecher des CSU-Kreisverbandes, die Bauern.

Moderator Dr. Christian Schwarz hieß darüber hinaus Doris Buhl als stellvertretende Kreisvorsitzende der AG Landwirtschaft, die Erwin Reinalter vertrat, und Rainer Hoffmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten willkommen. In ihren knappen Statements zur Einführung setzten sie verschiedene Schwerpunkte. Dr. Müller verwies anhand des Beispiels MaHa auf die bereits verfügbare Infrastruktur in Form der A7, A96 und des Allgäu Airports, sah aber noch Raum für Verbesserungen. Neigetechnik und Ausbau des Schienennetzes, sowie der flächendeckende Zugang zum schnellen Internet war ein Punkt, Schaffung von Arbeitsplätzen vor allem für junge Frauen mit guter Ausbildung der andere. Voraussetzung dafür sei ein Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen, Kindergärten und Schulen. Diese Anregung griff Bürgermeister Klotz auf, warnte allerdings davor, die Entwicklung des landwirtschaftlichen Raumes nur auf die Bauern zu beschränken. Die demographische Entwicklung mache auch vor dem flachen Land nicht halt, wozu außer den Metropolen München und Nürnberg der Rest Bayerns zähle. Patchworkfamilien und Singlehaushalte gebe es heutzutage in jeder Gemeinde. „ Wurden im Jahr 2000 noch 43 Cent von jedem Euro für soziale Zwecke ausgegeben, so sind es heute schon 56 Cent,“ rechnete er die Belastung der Kommunen vor. Trotzdem sprach er sich für die Förderung bäuerlicher Betriebe aus, da sie nun mal unumstritten die einzigen Garanten für den Erhalt unserer einzigartigen Kulturlandschaft und damit das tragende Fundament für den Tourismus im Allgäu seien. Alfred Enderle, selbst Landwirt, kam auf die aktuellen Probleme der Bauern zu sprechen. Er erklärte auch, was sich hinter der Abkürzung FFH verbirgt, sie steht für Flora-Fauna-Habitat. Er wisse sich einig mit vielen Kollegen, dass ökologische Landwirtschaft in Zukunft einen immer höheren Stellenwert einnehmen wird und sei wie sie offen für dieses Thema. „Aber Eigentum muss Eigentum bleiben,“ betonte er. Milch allein reicht nicht Rainer Hoffmann ist auch als Lehrer an der Landwirtschaftsschule tätig und sich im Klaren darüber, dass der Lehrplan an die Entwicklung angepasst werden muß. „Von 3722 Höfen, davon 611 Alpbauern, sind 60 Prozent Haupterwerbsbetriebe. 4,1 Prozent haben mehr als 50 Kühe, 60 Prozent 30 bis 50, 77 Prozent weniger als 30,“ gab er zu bedenken. Das bedeute, dass drei Viertel der Bauern nicht allein vom Verkauf der Milch existieren können. Er bot als Lösung gefragtere Produktionsmethoden an und schuf den Begriff „Ökoland Allgäu“. Bernhard Baldauf schließlich verwies auf das Engagement der Bauern in den Vereinen und äußerte sich auch zum Thema Milchpreis. „ Die Milcherzeuger müssen bei Verhandlungen mit einer Stimme sprechen,“ kritisierte er die Zersplitterung innerhalb der Vertretung seiner Zunft. Eine bessere Förderung kleinerer Betriebe liegt ihm am Herzen, dazu wäre eine Einführung einer Prämienobergrenze von Vorteil. Er untermauerte diese Feststellung mit Zahlen: „20 Prozent der Betriebe bekommen 80 Prozent der Förderung“. Bei der anschließenden Diskussion wurden Fragen bezüglich Deklaration von Lebensmitteln, Erzeugung von Biogas aus Gülle, Hochwasserschutz, Mottfeuern und Marketingstrategien gestellt. Da war unter anderem zu hören, dass in Indien deutscher Käse sehr gefragt sei, aber kein einziges Produkt angeboten werde. Und es wurde festgestellt, daß bei uns aus einem Liter Milch eine Wertschöpfung von 0,80 Euro durch die Molkereien erwirtschaftet werde, in Frankreich aber 1,30 Euro. Zehn Cent vom Milchpreis werden auf diese Art und Weise vergeudet, weitere zehn Cent allerdings durch betriebsinterne Abläufe. Auf den Heimweg gabs noch die Ermahnung, nicht immer nur nach dem Staat zu rufen und sich dann über die überbordende Bürokratie zu beschweren, sondern in Eigenverantwortung eine Lösung der Probleme anzustreben.

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