FCK sucht neue Führung

Bei der außerordentlichen Versammlung des FC Kempten am Dienstag vergangener Woche in der Gaststätte „Zum Stift“ in Kempten gab es eine heftige Diskussion und viele harte Worte, doch die existenziellen Fragen blieben unbeantwortet. Die Mitglieder wissen immer noch nicht, wie es beim FC Kempten weitergehen soll. Ebenso wenig zeichneten sich Nachfolger für die derzeitigen Vorstände Stefan Zeiler, Manfred Singer und Gerhard Linder ab. Sie werden wie angekündigt ihre Ämter bei der anstehenden Jahreshauptversammlung, die Ende Februar oder Anfang März stattfinden soll, vorzeitig zur Verfügung stellen.

Wer soll den nun den „Karren aus dem Dreck ziehen?“ Sowohl Selbstkritik der Vorstände als auch die heftige Kritik von anwesenden langjährigen Mitgliedern ändern nichts an der Situation. Während des ersten Teils der Versammlung wurden Zahlen genannt So habe der FC Kempten bei der 100-Jahr-Feier im letzten Jahr bei dem Konzert von Nik P. mit nur 202 Zuschauern einen Verlust von 30000 Euro gemacht und Aufgrund einer geringeren Zuschauerzahl in der Bayernliga Saison 2007/08 20000 Euro weniger eingenommen als kalkuliert. Dabei trieb es beispielsweise dem Ehrenvorsitzenden und vielfachen Sponsor, Valentin Weber, die Zornesröte ins Gesicht: „Wo ist denn das ganze Geld, meine Herren?“, schrie er in die Menge. Ein anderes Mitglied fragte: „Wo sind denn die 50000 Euro Einnahmen aus den Verkäufen der Spieler Thomas Rathgeber (derzeit SpVgg Unterhaching) und Andi Hindelang (VfB Stuttgart)?“ Manfred Singer entgegnete, die Gelder seien in den laufenden Etat des FC Kempten geflossen. Korrekte Finanzen Stefan Zeiler begründete den Verlust bei der 100-Jahr-Feier auch damit, dass die Witterungsverhältnisse dem Verein einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten. Außerdem bemängelte er, dass nicht einmal Spieler und Mitglieder zum Konzert kamen. Gerhard Linder sagte, dass der FC Kempten bei der anstehenden Betriebsprüfung Ende Januar durch das Finanzamt nichts zu befürchten habe. Die Finanzen des FC Kempten seien unter ihm immer korrekt geführt worden. Die hervorragende Finanzarbeit von Linder bestätigte auch der derzeitige Steuerberater des FC Kempten Kritik an sportlicher Leistung Kritik bekam auch die Mannschaft ab. Die Leistung der Fußballer auf dem Platz sei teilweise eine Katastrophe. Doch der Spielführer der 1. Mannschaft, Marcus Merk, entgegnete, dass die Mannschaft jung sei und jeder sein Bestes gebe. Er beteuerte, die Mannschaft werde sich „reinhängen“, mit dem Trainer Andreas Gote eine gute Vorbereitung machen und nicht absteigen. Es fielen weitere Zahlen: Die 1. Mannschaft koste im Jahr 170000 Euro mit Sozialabgaben, Versicherungen und so weiter, die 2. Mannschaft mit Jugendabteilung 54000 Euro. Hier war Ehrenvorsitzender Valentin Weber nicht mehr zu halten: „Das will ich schwarz auf weiß sehen. Wie kann das sein, wenn zum Beispiel Reisekosten von Sponsoren übernommen wurden“. Ein anderer fragte: „Wo sind denn die Sponsorengelder“? Hierzu erklärte Manfred Singer, dass es beispielsweise mit der Firma Reischmann einen Vertrag gebe, der dem FC Kempten Sportartikelausrüstung im Wert von 35000 Euro innerhalb von drei Jahren zur Verfügung stellen würde, allerdings kein Bargeld. In die Zukunft schauen Es meldete sich auch der frühere sportliche Leiter, Herbert Hegenbart, zu Wort. Umso unverständlicher war für viele Mitglieder, dass ein solcher Mann bei einer so wichtigen Personalentscheidung wie Uwe Wegmann im letzten Jahr einfach übergangen wurde. Auf den Vorwurf der Vorstandschaft hinsichtlich der mangelnden Identifikation der Kemptener mit dem FC entgegnete er, dass in der ersten Bayernliga-Saison dem FC Kempten sehr wohl großes Interesse seitens der Zuschauer entgegengebracht wurde. Deswegen dürfe der FC Kempten sich nicht mit der Situation zufrieden geben. Im Gegenteil, der FC Kempten müsse sich Ziele setzen und seine sportlichen Ansprüche nicht zurückschrauben. Ebenso bringe den FC Kempten diese emotionale Diskussion über Schuld oder Unschuld nicht weiter. Man müsse nun in die Zukunft schauen und die Ärmel hochkrempeln. Die anwesenden Sponsoren erklärten, sie würden ihre Verträge mit dem FC Kempten einhalten und ernteten damit stürmischen Applaus. Der Vorsitzende Stefan Zeiler, sein Stellvertreter Manfred Singer und Kassenwart Gerhard Linder bestätigten, dass die finanzielle Situation des FC Kempten „angespannt“ sei und dass auch über die Spielergehälter gesprochen werden müsse. Ziel der außerordentlichen Versammlung sei auch gewesen, die Mitglieder wachzurütteln. Das scheint dem Vorstand des FC Kempten gelungen zu sein, da der Saal im „Stift“ sehr gut gefüllt war.

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