Bald steht der Umzug des BKH an

Bald heißt es Betonbunker Ade

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Adé, Betonbunker. In der Robert-Weixler-Straße werden den Patienten Zimmer mit Bergblick, ein begrünter Außenbereich mit Gestaltungsmöglichkeiten, schöne Innenhöfe und eine Turnhalle zu Verfügung stehen.

Kempten – Im Bezirkskrankenhaus Kempten (BKH) ist vieles im Fluss. Im vergangenen Jahr entstand „in einem enormen Kraftakt“, wie Klinikchef Prof. Dr. Peter Brieger sagt, eine Substitutionsambulanz für Drogenabhängige im Methadon-Programm. 

Vor wenigen Monaten wurden zwei Bereiche der Tagesklinik fusioniert und voraussichtlich im Februar 2015 steht der Umzug fast der kompletten Klinik in die Robert-Weixler-Straße ins Haus.
Das BKH mit seinem reichlich in die Jahre gekommenen vierstöckigen Hauptgebäude im Kemptener Freudental wird bald Geschichte sein. In wenigen Monaten wird das zurzeit auf vier Immobilien verteilte „Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik“ (mit Ausnahme der in der Fußgängerzone gelegenen Substitutionsambulanz) in den deutlich größeren Neubau auf der Südseite der Klinik in der Robert Weixler-Straße umziehen.

Chronisches Platzproblem
„Momentan verfügt das BKH über 87 Betten, von denen meist 92 belegt sind“, umschreibt Klinikchef Brieger das chronische Platzproblem am jetzigen Standort. Insgesamt sorgen hier 210 Mitarbeiter, darunter 23 Ärzte, je sieben Psychologen und Sozialarbeiter, 12 Ergo- Kunst- und Musiktherapeuten und allen voran 87 (durchweg dreijährig examinierte) Vollzeit- plus etliche Teilzeit-Pflegefachkräfte für das Wohlergehen der Patienten.
Am neuen Standort werden diesen 120 Betten zur Verfügung stehen. Ob und inwieweit der Personalschlüssel an die steigende Kapazität angepasst werden kann, wird bereits mit den Krankenkassen verhandelt. Brieger: „Natürlich ist das immer ein Austarieren zwischen ökonomischen Zwängen und dem, was wünschenswert ist.“ Die bestehenden Strukturen des BKH sollen auch in Zukunft erhalten bleiben. So wird es weiterhin neben den Stationen für allgemeinpsychiatrische und psychosomatische Erkrankungen auch eine Suchtstation sowie, mit der Alterspsychiatrie, ein Angebot für Senioren geben. Auch die verschiedenen Ambulanzen, an die Betroffene sich tagsüber wenden können, werden weitergeführt, ebenso wie die Tagesklinik mit insgesamt 35 Plätzen. Diese befindet sich derzeit noch in einer schmucken alten Villa in gut hundert Metern Entfernung vom Haupthaus. Die Patienten, die hier behandelt werden, schlafen zuhause, sind aber von Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr in die Struktur und Halt gebenden Therapieangebote der Klinik eingebunden. Im April wurden die psychotherapeutische Tagesklinik (mit 15 Plätzen) und die Sucht-Tagesklinik (mit 10 Plätzen) fusioniert. Am neuen Standort werden alle drei tagesklinischen Bereiche in einem Flügel räumlich gebündelt. Dr. Andreas Herzig, der den Suchtbereich als Oberarzt leitet, begrüßt diesen Schritt. „Häufig bestehen neben dem Suchtproblem auch psychosoziale Probleme, eine depressive Begleitsymptomatik oder ähnliches. Daher ist es gut, sich stärker psychotherapeutisch und nicht nur suchtbezogen zu orientieren.“

Schwerpunkt Suchtbehandlung
Überhaupt ist die Suchtbehandlung ein zunehmend wichtiger Schwerpunkt in der Arbeit des BKH Kempten. Die Suchtstation verfügt über 12 Betten, in der Akutfälle für durchschnittlich neun Tage zur Entgiftung aufgenommen werden. „Die Kunst ist es, eine unmittelbare Weiterversorgung für die Zeit danach zu organisieren“, so Herzig. „Denn um abstinent zu bleiben, ist eine intensive, langfristige Begleitung erforderlich.“ „Kaum bekannt ist, dass wir eine Disulfiram-Ambulanz anbieten“, ergänzt Peter Brieger. Hierbei wird chronisch alkoholkranken Patienten unter sehr engmaschiger medizinischer und psychosozialer Betreuung regelmäßig ein Medikament verabreicht, durch dessen Einnahme der Konsum von Alkohol so gut wie unmöglich wird. „Das ist ein extrem gutes Behandlungsangebot, das vielen den Weg in eine dauerhafte Abstinenz bietet.“ Derzeit nehmen 40 Patienten an dem Programm teil. Um die 50 - Tendenz steigend - sind es, für die die Gerberstraße regelmäßiger Anlaufpunkt ist.

Häufig Stigmatisierung
Hier wurde im vergangenen Jahr eine Substitutionsamblanz für Drogenabhängige im Methadon-Programm eröffnet. „Aufgrund großer Vorbehalte gegen das Klientel war es schwierig, einen Vermieter zu finden. Inzwischen zeigt sich aber, dass es keinerlei Konfliktpunkte gibt“, so Pflegedirektorin Beatrice Pfirschke. „Bis heute ist das Thema Sucht in vielen Köpfen immer noch mit einer Stigmatisierung der Betroffenen verbunden“, bedauert Prof. Dr. Brieger. „Dabei ist Sucht keine Charakterschwäche, sondern eine Er- krankung, die jeden betreffen kann - und die behandel- bar ist.“   Sabine Stodal

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