Tabula rasa auf reformpädagogisch

Kaum ein Jahr nach dem großen Umbruch steht die Aktive Schule Allgäu (ASA) ohne Führungsriege da: Während Schulleiter Stephan Bock in der vorvergangenen Woche offenbar vom Vorstand von seinen Aufgaben entbunden wurde, trat Geschäftsführer Herbert Rehle nach Vorstands-Angaben aus eigenen Stücken zurück. Darüber hinaus wollen offensichtlich 44 Schüler die Schule verlassen, da hinter den Kulissen zwischen den Verantwortlichen und Teilen der Elternschaft in der Tertia augenscheinlich ein Streit über die Ausrichtung der Schule entbrannt ist.

Mit dem Ziel, geordnetere Strukturen in den Schulalltag der ASA zu etablieren, war Stephan Bock vor rund einem Jahr an die ASA gekommen. Jetzt scheint der Pädagoge gescheitert: „Er wurde vom Vorstand von seinen Aufgaben entbunden“, bestätigte Vorstandsmitglied Antonia Widmer vergangene Woche entsprechende Informationen des KREISBOTEN, und solle auch nicht mehr in leitender Position an der Schule eingesetzt werden. „Er wird sicher keine Klassenleitung mehr übernehmen“, betonte sie. Daneben sei Geschäftsführer Rehle freiwillig gegangen. Zu den Gründen für Bocks Abgang wollte sich Widmer nicht äußern. Der Rücktritt Rehles hänge hingegen mit den angedachten strukturellen Veränderungen zusammen. Künftig solle dem Geschäftsführer mehr Aufgaben zugewiesen werden. Dafür fehle Rehle die Zeit. Nachfolger soll August Braun von pro familia werden. Während Rehle für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, hielt sich Bock auf Anfrage bedeckt. „Das ist eine offene Personalfrage“, sagte er am Montag. Davon abgesehen werde er im kommenden Schuljahr im neuen Schulentwicklungsteam mitarbeiten. Und überhaupt sei das Ganze kein Thema für die Öffentlichkeit. Krach in der Tertia In der Tat hat die ASA derzeit gute Gründe, die Öffentlichkeit nicht gerade zu suchen. Nach Informationen des KREISBOTEN ist hinter den Kulissen in der Tertia (12 bis 16 Jahre) ein heftiger Streit zwischen Teilen der Elternschaft und der Schulleitung entbrannt. Dabei geht es um die Ausrichtung der Schule, um die Person Bocks und einen Hauswirtschaftslehrer, dessen pädagogische Methoden von einigen Eltern scharf kritisiert werden. Kernpunkt der Vorwürfe: Die Tertia-Schüler seien nicht ausreichend auf die Prüfungen, insbesondere im Bereich Hauswirtschaft, vorbereitet gewesen. „Die Prüfungen sind nicht gut gelaufen“, bestätigte Widmer. Grund: In der Abschlussklasse gab es zwei Lehrerwechsel und eine Lehrerin sei an Pfingsten plötzlich von der Prüfungsklasse abgezogen worden. Zu den Gründen wollten sich allerdings weder Widmer noch Bock äußern. Im Fall des kritisierten Hauswirtschaftslehrers erklärte Widmer lediglich: „Es gab einen Konflikt zwischen Schülern und dem Lehrer.“ Die Probleme sollen nun während der Ferien ausgeräumt werden. Dass angeblich 44 der insgesamt 135 Schüler wegen des Chaos in der Tertia die Schule verlassen wollen, konnte Widmer so nicht bestätigen. Ihr sei nur bekannt, dass diejenigen, die den Quali-Abschluss anstreben, die Schule verlassen, erläuterte sie. „Bei den Wechseln geht es nicht um das Konzept.“ Dass es derzeit hinter den Kulissen ordentlich rumst, führt sie vor allem auf die vor einem Jahr eingeleitete Neuausrichtung der Lehreinrichtung zurück, die einigen Eltern und Schülern nicht gepasst habe und wobei wohl auch das ein oder andere Ego verletzt worden sei. „Viele haben sich mit der Umstrukturierung schwer getan“, ist auch Stephan Bock der Meinung, darin die Ursachen zu finden. Stellt sich nun die Frage, wie die Schule bis zum neuen Schuljahr wieder in ruhigere Fahrwasser kommen will. Laut Widmer wird die ASA zunächst kommissarisch geleitet. Im Laufe der Zeit, so die Hoffnung des Vorstands, sollen sich mindestens zwei Lehrer als geeignetes Führungsteam herauskristallisieren. Dass im kommenden Schuljahr mindestens zwei neue Pädagogen das jetzige ASA-Team verstärken, sei bereits sicher, so Widmer weiter. „Die Schule braucht jetzt Stabilität und Kompetenz“, betonte sie.

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