Zum 60.Geburtstag 60 Tage Kunst im öffentlichen Raum

"Heimat neu wahrnehmen"

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Gerne genossen die Vernissage-Gäste die Gastfreundschaft der Sozialbau an der gedeckten Tafel „Gastfreundschaft braucht ein Zuhause“ am St.-Mang-Platz.

Nein, es sind nicht etwa Kunstwerke, die den öffentlichen Raum im Rahmen der Festwochen-Kunstausstellung bespielen sollen. Die sechs Kunstwerke unterschiedlicher Künstler an verschiedenen prominenten Orten in Kemptens Innenstadt und in Thingers sind das – temporäre – Geschenk der Sozialbau an ihre Heimatstadt Kempten als Dank für das harmonische Zusammenwirken der letzten Jahrzehnte, wie Sozialbau-Chef Herbert Singer darlegte. Und so beschenkt das Geburtstagskind die Kemptener noch bis 12. September 2016 mit „60 Tage Kunst für Dich“ statt das Jubiläum mit geladenen Gästen zu feiern.

gen Installationen, Objekte und Plastiken wurden im Rahmen eines Wettbewerbs aus 88 Einreichungen aus dem deutschsprachigen Raum von einer kleinen Jury ausgewählt und laden nun – zumindest teilweise – dazu ein, auch interaktiv genutzt zu werden. Zum Beispiel die kleine aus Holz gebaute Schaukel-Hütte mit dem Namen „Heimat“ auf dem August-Fischer-Platz vor dem Forum, die gerade genug Platz bietet für zwei Stühle an einem Tisch – immerhin genug Raum um darin Platz zu nehmen und nach Wunsch des Künstlers Hans Panschar aus Berg auch seine eigenen Spuren zum Thema Heimat zu hinterlassen. Hier war Ausgangspunkt der etwas anderen Vernissage vergangenen Freitagnachmittag, bei der Singer einen Tross aus OB Thomas Kiechle, Stadträten, teilnehmenden Künstlern und einigen weiteren Gästen auf einen Spaziergang durch die Innenstadt von Kunstwerk zu Kunstwerk geleitet.

Leider waren Vandalen an der Plastik „Seelsorger“ des Künstlers Tim David Trillsam aus Eybach am Eingang zur Fußgängerzone in der Fischerstraße schneller gewesen. Sie hatten die Fühler an dem überdimensionalen Käfer, auf dessen Rücken ein Mensch mit nach unten gerichtetem Blick steht, bereits abgerissen. Dem Künstler geht es bei seinem Werk um Reflexion des Menschen. Unter anderem werde durch die Verschiebung gewohnter Relationen der Mensch in den Hintergrund gedrängt und sonst unbedeutende Lebewesen übernehmen die Macht, lässt er dazu wissen.

Eine Gebärde „der Hingabe, der Anbetung und des Jubels“ war der auch durch die Fußball-EM inspirierte Gedanke des Kemptener Künstlers Markus Elhardt, aus dem die riesenhafte dynamisch wirkende Stahlskulptur „Franz“ am Fuße der Freitreppe entstanden ist. Er sei durch verschiedene Tierformen gegangen und schließlich beim Mensch gelandet. Den Schwanz des Wesens will er als Zeichen der Verbindung mit der Erde und als Gleichgewichtsorgan verstanden wissen – Dinge, die den Menschen zum Teil verlorengegangen seien.

Auf dem Rathausplatz hat die Münchner Künstlerin Franziska Agrawal mit der geometrischen Installation „Cambodunum“ einen lichten Tunnel aus Zwischenräume lassenden Holzrahmen geschaffen und sie durch Berühr- und Begehbarkeit erlebbar gemacht. Ihre Intention: Sie soll für die Errichtung aller Wohnungen und Eigenheime der Sozialbau stehen, wofür sie konkrete Kunst und minimalistische Architektur auf ihre essentielle Qualität herunterbricht. Die Essenz daraus sei: Licht, Form, Detail am Material, leerer Raum, Örtlichkeit und Betrachter.

Das Ende des Rundgangs führte auf den St.-Mang-Platz, wo Nue Ammann aus Dießen am Ammersee eine festliche Tafel, bildlich gedeckt für 24 Personen als Text-Installation „Gastfreundschaft braucht ein Zuhause“, platziert hat. Aphorismen, Wortspielen und Fragen wie „Einfaches Gastmahl: 1 Prise Freigiebigkeit + 1 Messerspitze Mut + 2 Teelöffel Herzlichkeit“ auf den Gedecken sind als Reflexionsfläche für Gedanken zu Gemeinschaft, Freigiebigkeit und Genuss gedacht. Menschen, die einen Ruheplatz suchen, die ihre Mittagspause gemeinsam verbringen wollen.... sind nach Wunsch der Künstlerin herzlich eingeladen an der Tafel Platz zu nehmen, als Ort der Gastfreundschaft im Herzen der Stadt und offen für alle. Das taten auch die Gäste der ungewöhnlichen Vernissage, die hier nach dem Rundgang bei Kaffee und Kuchen die Gastfreundschaft der Sozialbau genießen durften.

Beim Rundgang außen vor musste aufgrund der Entfernung der „Springende Tiger“ von Mirko Siakkou-Flodin aus Wilhelmsdorf-Zußdorf bleiben. Die Recyclingskulptur aus Edelstahlschrott und Altreifen thront auf dem Thingersplatz, bereit angefasst und beklettert zu werden. Siakkou-Flodin ist fasziniert vom Weitergebrauch unterschiedlichster Materialen, die er nicht als Schrottkunst verarbeite, sondern, wie er beschreibt, edel und glänzend.

Singer hofft nun, „dass die gesamte Stadt die Aktion positiv aufnimmt“ und Kemptener „ihre Heimat neu wahrnehmen und erleben“.  Christine Tröger

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