Diakonie erweitert Pflegelandschaft in Kempten mit Tagespflege

Entlastung für Angehörige

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Diesmal nur als Zaungast verfolgte (v.li.) Dekan Jörg Dittmar (St. Mang-Kirche) mit Diakonie-Chefin Indra Baier-Müller die Segnung der neuen Tagespflege durch Pfarrer Dr. Bernhard Ehler (St. Lorenzkirche) und Pfarrer Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern.

Kempten – Den Menschen hier die Pflege zukommen lassen, „die wir uns einmal wünschen“, formulierte Diakonie-Geschäftsführerin Indra Baier-Müller ein Ziel bei der offiziellen Eröffnung der Tagespflege in Sankt Mang diese Woche.

Die neue Einrichtung befindet sich im Erdgeschoss des von der BSG-Allgäu jüngst errichteten dreigeschossigen Gebäudes an der Hauffstraße mit 27 Wohnungen. Als Projektleiter hat Oliver Stiller, Leiter des „Wilhelm-Löhe-Haus“ der Diakonie, dafür gesorgt, dass sich die Tagesgäste hier rundum wohl fühlen können. Wie Bürgermeisterin Sibylle Knott ausführte, „wurden die Räumlichkeiten so geplant und gestaltet, dass verschiedenste Angebote möglich sind“: ein Gemeinschaftsraum mit integrierter Küche für gemeinsames Kochen, Essen und Beschäftigung; ein Ruheraum und ein Zimmer mit Pflegebetten, unter anderem für einen Mittagsschlaf. Daneben gibt es einen Fahrservice, damit die Besucher von zu Hause abgeholt und zurückgebracht werden können. Ihres Erachtens werde die Pflege vor allem von älteren Menschen „auch in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Aufgabe sein“, wobei ein großer Teil noch immer im häuslichen Umfeld geleistet werde, mit Unterstützung von ambulanten Pflegediensten.

In der Tagespflege können, so Knott, individuelle Besuchstage vereinbart werden, so dass sich pflegende Angehörige nach Bedarf „eine Verschnaufpause gönnen“ und auch Beruf, Familie und Pflege besser miteinander koordiniert werden könnten. Wie sie erklärte, seien seit Beginn 2015 mit dem Pflegestärkungsgesetz die Leistungen für die Tagespflege verbessert worden. So werde der Anspruch auf Pflegegeld oder Pflegesachleistung durch den Besuch einer Tagespflegeeinrichtung nicht mehr verringert und „auch Personen mit einer sogenannten erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz, die aber noch keine Pflegestufe haben, steht seit Jahresbeginn der Weg zur Tagespflege offen“. Damit werde die „Lücke zwischen ambulanter und vollstationären Pflegeangeboten“ geschlossen und die „Pflegelandschaft in unserer Stadt erweitert“.

Als „ganz wichtigen Baustein für diesen Stadtteil“ bezeichnete Pfarrer Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern, die Tagespflege, von denen es „noch nicht so viele gibt“, auch deshalb, weil die Finanzierung durch beispielsweise Krankenkassen „noch schwierig“ sei. Er lobte den Mut der Diakonie in Kempten und das Engagement der BSG-Allgäu, die „bewusst eine Kooperation gesucht“ habe. Wie BSG-Vorstand Tanja Thalmeier betonte, wolle die Genossenschaft als sozial orientiertes Unternehmen ihren Mitgliedern „mehr bieten als ein Dach über dem Kopf“ und dafür brauche es „verlässliche Partner“ wie die Diakonie, die ihrer Philosophie folgend, „den Dienst am Menschen in den Mittelpunkt stellt“ und der BSG-Allgäu damit Vorbild sei. Mit der Tagespflege sei ein weiterer Ort im Stadtteil entstanden, an dem ältere Menschen soziale Kontakte pflegen könnten. Dass es dafür Bedarf gebe, zeige nicht nur die Altersstruktur in Sankt Mang, sondern ebenso die Erfahrung mit den – häufig alleinstehenden – Bewohnern der zwei Senioren-Wohnanlagen im Bestand der BSG-Allgäu – Durchschnittsalter 81 Jahre.

Birgit Prestel, Leiterin der Tagespflege, war sichtlich bewegt, über den vielen Raum, den sie hier „zur Gestaltung und Entfaltung“ gefunden habe. Vor allem aber sei wichtig, dass „unsere Gäste mit Ehrfurcht vor der Biographie des Einzelnen begleitet werden“ und die Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen. Im ökumenischen Segen spendeten Pfarrer Michael Bammessel und Pfarrer Dr. Bernhard Ehler (St. Lorenz) der Einrichtung den christlichen Geist und sangen zusammen mit der Feiergemeinde „Macht hoch die Tür“, das Dr. Knut Mohr spontan auf dem 100 Jahre alten, von Thea Eberle gespendeten Klavier begleitete. Schöne Querflöten-Musik gab es auch zwischendurch immer wieder von den beiden Schülerinnen Laura und Angelina.

Christine Tröger

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