Kompromiss gefunden

Radwege werden besser geräumt

Kempten – Eine kontroverse Diskussion entbrannte am Dienstagabend im Verkehrsausschuss um das Thema „Winterdienst und Reinigung auf Radwegen“. Die beiden Stadträte Michael Hofer (UB/ödp) und Thomas Hartmann (Grüne) hatten in Anträgen eine bessere Räumung der Radwege im Winter gefordert.

Um dies umzusetzen, müsste der städtische Betriebshof aber zusätzliche Fahrzeuge anmieten, was Mehrkosten verursachen würde. CSU und Freie Wähler konnten sich mit dem von Uwe Gail, Leiter des städtischen Betriebshofs, vorgetragenen Vorschlag allerdings nicht anfreunden. Am Ende einigte man sich auf einen Kompromiss.

Radler, die auch im Winter ihren Drahtesel nutzen, haben in Kempten nicht immer Freude daran. Da kann es schon mal passieren, dass der Angebotsstreifen am Straßenrand mit Schnee zugeschoben wurde und die Radfahrer daher auf die Fahrbahn zwischen die Autos ausweichen müssen. Ist die schneereiche Zeit vorbei, liegt oft wochenlang noch der Split auf den Radwegen. Aus diesen Gründen beantragten Hofer und Hartmann, selbst fleißige Radnutzer, eine Verbesserung des Winterdienstes und der Reinigung auf Radwegen.

Laut Uwe Gail ist das Gesamtradwegenetz in Kempten rund 280 Kilometer lang. Ein Großteil der Radwege (155 Kilometer) befindet sich auf nachgeordneten Straßen, sprich in Tempo-20- bzw. Tempo-30-Zonen. Diese werden je nach ihrer Verkehrswichtigkeit bis 7 Uhr morgens geräumt. Die übrigen Radwege und Angebotsstreifen werden entsprechend ihrer Verkehrswichtigkeit ebenfalls geräumt, Gail zufolge allerdings oftmals erst im Laufe des Tages, sodass es den Radfahrern, die in der Früh zur Arbeit oder in die Schule fahren wollen, nicht wirklich etwas nutzt.

Auf der Suche nach Möglichkeiten, wie der Winterdienst für Radfahrer verbessert werden könnte, schlug Gail vor, die Einsatzpläne der Betriebshof-Mitarbeiter so anzupassen, dass die wichtigen Radwege bis zum Beginn des Berufsverkehrs geräumt sind. Dafür müssten zusätzlich zwei kleine Mehrzweckfahrzeuge angemietet werden. Ebenfalls soll versucht werden, den Split auf den Radwegen so schnell als möglich wegzuräumen. „Wir würden das im kommenden Winter so ausprobieren und danach eine Kosten-Nutzen-Analyse machen“, so der Betriebshofleiter. Er wies allerdings darauf hin, dass die Schneeabfuhr bei drei Zentimeter Schnee rund 700 bis 1000 Euro pro Kilometer kostet. Es gäbe jedoch an anderen Stellen Einsparpotential, da manche Straßen in der Früh geräumt werden, obwohl sie keine hohe Priorität haben.

"Rentiert sich das überhaupt?"

„Ich finde den Antrag lobenswert, aber schwierig in der Umsetzung. Ich würde keine Entscheidung treffen gegen den Großteil der Bevölkerung“, spielte Karl Sperl (CSU) auf das von Gail angesprochene Einsparpotential an. Sperl regte daher an, die Teststrecke für die verbesserte Radwegeräumung im kommenden Winter zu verkürzen. „Wie viele Radfahrer fahren überhaupt im Winter? Rentiert es sich dafür Unsummen auszugeben?“ wollte Edgar Rölz (CSU) wissen. „Bei den Verhältnissen, die momentan im Winter auf den Radwegen herrschen, fahren auch nur die Hardcore-Radler“, entgegnete Michael Hofer. Er plädierte dafür, die verbesserte Räumung in Bereichen auszuprobieren, wo viel Radverkehr ist, „zum Beispiel um die drei Gymnasien, denn Schüler fahren auch im Winter Rad“.

Thomas Hartmann wies seine Kollegen darauf hin, dass „wir hier in diesem Gremium mal beschlossen haben, dass wir eine fahrradfreundliche Kommune sein wollen“. Er sprach Gail sein Vertrauen aus und schlug vor, es einfach mal auszuprobieren.

Am Ende brachte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) einen Kompromissvorschlag ins Gespräch, den der Verkehrsausschuss schließlich einhellig befürwortete. Dieser sieht vor, dass für den kommenden Winter ein zusätzliches Fahrzeug angemietet wird und die Radwege geräumt werden, die laut der Bestandsanalyse des Verkehrsentwicklungsplans (siehe eigener Bericht auf Seite 3) am häufigsten genutzt werden.

Melanie Läufle

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