Montessori Schüler thematisieren Afrika auf der Bühne bei den Kemptener Schultheatertagen

Alle Facetten Afrikas auf einer Bühne

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Musik und Tanz soll in Afrika den Kontakt zu Göttern und Ahnen herstellen, wie hier beim Tanz zur Feldarbeit.

„Die Erde rissig wie Elefantenhaut, Wasser so kostbar wie Gold, alle sehnen sich nach Regen“ – was dann folgt ist ein afrikanischer Tanz mit bunten Gewändern und rhythmischer Musik.

Für die zahlreichen Besucher im THEaterOben ging es zusammen mit der Sekundaria Theaterschule der Montessori-Schule auf eine Reise quer durch Afrika, auf den Kontinent, „der alle Farben des Lebens zeigt”. 

Dass die Lebensverhältnisse dort zwar alles andere als bunt, die Menschen damit aber trotzdem zufrieden sind und Lebensmut ausstrahlen, wurde den überwiegend jungen Zuschauern durch Erzählerin Hadassah Burtsche vermittelt, die im Gespräch mit ihrer Freundin, gespielt von Nicola Eibeler, die Unterschiede zwischen Deutschland und Afrika aufzeigte. „Aus Alt mach Neu“ laute das Motto in Afrika, weggeworfen werde nichts. Ein lautes „Hurra!” klang durch das Theater, als die Kinder einen Sack voller Müll entdeckten und voller Freude losbastelten: Schuhe aus alten Autoreifen, Schränke aus Obstkisten, Spielzeug aus Blech, eine Puppe aus Kehrer und Schaufel. 

Nach jedem Erzählblock folgte eine theatralische und tänzerische Aufbereitung des Themas, wobei sich die Schülerinnen und Schüler mit aufwendigen Kostümen in Wildtiere, Vögel und Regenmasken – „die sind noch scheu, wenn sie klein sind“ – verwandelten. Mit akrobatischen Einlagen wie Räder, Kopfstand und Brückengang wurden die Tiere Afrikas imitiert. „Nachts gehen viele Tiere zur Wasserstelle, oft gibt es Kämpfe um das Wasser, denn in Afrika ist das sehr knapp”, hieß es. In Äthiopien müsse man mit fünf bis zehn Liter pro Tag für Kochen, Trinken, Wäsche waschen und Hygiene auskommen, in Deutschland kommen die Menschen auf rund 140 Liter pro Tag. Mehrere Mädchen, einen Trog auf dem Kopf balancierend, kommen nacheinander auf die Bühne, schöpfen etwas Wasser aus der nachgestellten Wasserstelle und verschwinden wieder stumm. So leise ging es allerdings nur selten bei der Aufführung zu, denn mit Trommeln, Trompete, Saxophon und vielen weiteren Instrumenten wurden die geheimnisvollen Rufe und die landestypische Musik dargestellt, begleitet von afrikanischem Gesang und Tänzen. 

Bereits seit letztem Sommer haben sich die Schülerinnen und Schüler der Montessori-Schule mit Afrika beschäftigt, denn der Kontinent ist die Heimat ihres Patenkindes Abdalla Kahindi. Durch die Unterstützung wird dem Jungen aus Kenia der Besuch der Utange Baptist Primary-School ermöglicht. „Mit unserer Theaterarbeit wollten wir uns seiner Welt nähern”, heißt es auf einem Plakat in der kleinen Ausstellung, die vor dem Eingang zum THEater Oben aufgebaut ist. 

Mit anderen Welten und Kulturen beschäftigte sich im Rahmen der fünften Schultheatertage auch die Bilderausstellung im Foyer des Stadttheaters. In einem Projekt waren junge Asylbewerber künstlerisch tätig. In den Räumlichkeiten des Jugendhauses wurde dafür zusammen geschafft und gewerkelt und sich gemeinsam den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen angenommen. Auch Sprüche wie „I’ve been traveling a day, I’ve been traveling a year, I’ve been traveling a lifetime to find my new home” sind auf den Bildern zu finden. 

Auch nebenan ging es künstlerisch zu, denn unter dem Motto „Du bist einzigartig” fand ein interaktives Kunstprojekt der Fachakademie für Sozialpädagogik Kempten statt. In einem extra eingerichteten „Kunststudio” konnten sich die kleinen Theaterbesucher und Mitwirkende an Malfenstern gegenseitig portraitieren. Nur durch eine Scheibe getrennt wurde das Gegenüber mit bunten Farben nachgepinselt, das fertige Bild wurde dann auf Papier gedruckt und ausgestellt. Für eine Stärkung für zwischendurch sorgte wie die letzten Jahre auch die Festivalkantine der Schülerinnen und Schüler der Agnes-Wyssach-Schule. 

Fünf Tage lang stand in Kempten alles unter dem Motto „Die Welt ist (d)eine Bühne” und gemeinsam wurden elf verschiedene Aufführungen auf die Beine gestellt.  Lea Stäsche

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