Tiefgarage wieder im Rennen?

Rund 30 Interessierte hatten vergangene Woche die von den Stiftstadtfreunden organisierte Gelegenheit genutzt, sich über den aktuellen Stand der Planungen zur Neugestaltung des Hildegardplatzes zu informieren und zu diskutieren. Nach der offenen Planungswerkstatt für die Bürger im vergangenen November (der KREISBOTE berichtete) war ein Arbeitskreis (AK) ins Leben gerufen worden, der sich aus insgesamt 35 Vertretern der Stadtratsfraktionen, des Heimatvereins, der Anwohner und dort angesiedelten Geschäftsleuten, der Stiftstadtfreunde, der Kirche St. Lorenz sowie dem städtischen Planungsteam zusammensetzt.

Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann berichtete über den laufenden Planungsprozess. Von der Technik im Stich gelassen, konnte er allerdings lediglich auf ausgedruckte Pläne zu zwei Lösungen von den insgesamt vier zur Diskussion stehenden Varianten zurückgreifen. Davon aus der Planungswerkstatt bereits bekannt, die beiden Varianten mit 120 oberirdischen Stellplätzen und entweder nördlicher oder südlicher Straßenführung, daneben zwei Tiefgaragenvarianten mit einmal südlicher Straßenführung. Weiteres eine im AK neu aufgekommene Tiefgaragenlösung mit Straßenführung im Norden und Zufahrt im Bereich Kirchberg. Wie Wiedemann mehrfach betonte, treffe der AK keine Entscheidungen, sondern „kristallisiert Lösungen heraus“. Bevor der Stadtrat voraussichtlich im Sommer darüber entscheide, wolle man im April nochmals „die Meinung der Bürger einholen“, machte er deutlich, bevor es in die durchaus auch emotionale Diskussion ging. Dominant war das Thema Tiefgarage, das stark polarisierte, nachdem es in der Planungswerkstatt zunächst nur eine Nebenrolle gespielt hatte. Bereits im Vorfeld hatte sich Rudolf Rüppl, Kassier der Stiftstadtfreunde und AK-Mitglied, gegenüber dem KREISBOTE etwas darüber gewundert, dass in der AK-Sitzung „plötzlich die Verkehrsprognose des Gutachtens angezweifelt wurde“. Ausgehend davon, dass der Bedarf von 120 oberirdischen Stellplätzen nicht ausreichen könnte, sei auf einmal die Tiefgarage favorisiert worden, erzählte er. Der im Falle einer Tiefgarage bekannt problematische Untergrund, sei unter anderem wegen der „ganz anderen Dimension“ als bei den vor Jahren angestellten Überlegungen, jetzt „kein Problem für die Basilika“, entkräftete Wiedemann die Bedenken von Ilse Roßmanith-Mitterer, Sprecherin der Stiftstadtfreunde. „Mir sträubt es die Haare, wenn ich an eine Tiefgarage neben der Kirche denke“, ereiferte sich Irmgard Kapitel und verwies auf die Möglichkeit, das angedachte Parkhaus in der Rottachstraße mitzunutzen. Schließlich könne man von den Läuten auch einmal verlangen „zehn Meter zu laufen“, ergänzte Kapitel. Laut Verkehrsgutachten seien aber 120 Stellplätze genau in diesem Bereich erforderlich, klärte der Tiefbauamtsleiter sie auf. Und auch die Geschäftsleute müssten mit dem „bequemen Forum“ konkurrieren, ergriff Michael Schuster von den Stiftstadtfreunden Partei. Keine eindeutigen Präferenzen Thomas Hartmann (Grünen), einziger Vertreter des Stadtrats an diesem Abend, zeigte sich überrascht, dass die Tiefgarage „wieder so große Bedeutung erlangt hat“, zumal die Tendenz in Städten eher in Richtung „autofrei“ gehe. Da die zweite Etage in der Tiefgarage am Königsplatz „fast immer leer“ sei, gebe es zudem offensichtlich Überkapazitäten. Abgesehen von den Kosten frage er sich, ob die Geschäftsleute, „die sich jetzt eine Tiefgarage wünschen“, die von ihm auf ein Jahr geschätzte Bauzeit „überleben“. Eine „attraktive Platzgestaltung“ funktioniere nur mit einigen oberirdischen Stellplätzen und einer Tiefgarage, meinte ein Befürworter, ein Argument das auch andere Zuhörer im Saal – „Was ist an 120 Blechkonserven attraktiv?“ – bekräftigten. Um die Gemüter zu beruhigen betonte Wiedemann erneut, dass noch alles „offen sei“ und auch die 120 oberirdischen Parkplätze in den Diskussionen „bislang gut abgeschnitten haben“. Ausräumen konnte er auch die Befürchtungen, dass der Wochenmarkt durch die Neugestaltung beschnitten werden könnte. Da sei in allen Varianten sogar mehr Platz eingeplant, bei gleichzeitiger „Aufrechterhaltung des Verkehrs“, meinte er. Als Fazit stellte Roßmanith-Mitterer am Ende fest, dass der Abend „keine eindeutige Präferenz“ aufgezeigt hätte. Anders sah das Thomas Hartmann gegenüber dem KREISBOTE: „Dass heute vor allem die Tiefgarage vorgestellt wurde, ist doch kein Zufall“, mutmaßte er. Angesichts der auch in Kempten zu erwartenden „drastisch schwierigeren Haushaltslage“ sollten seines Erachtens nur Investitionen gemacht werden, „die notwendig sind“ und bei einer Tiefgarage „werden auch Unterhaltskosten fällig“, verwies er auf die Folgen der „wieder auferstandenen Mumie“.

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