Musik in allen Ecken

Swing und Groove

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Das „Hélène Labarrière Quartet“ begeistert im TheaterOben.

Kempten – Seit Samstag swingt und groovt es in Kempten wieder – oder besser gesagt: es jazzt durch alle Stile des Genres. Der 29. Kemptener Jazzfrühling wurde einmal mehr mit zahlreichen Open-Air-Live-Bands in der Innenstadt und der traditionellen Marching Band eröffnet, die um die Häuser zog.

Zu hören war die „Brandaris Brass Band” aus den Niederlanden auch am Abend im Kornhaus, wo sie quasi die „Aufheizer“ oder „Stimmungsmacher“ gab. Dann kam „Olivier Franc’s Tribute To Bechet” Band und ließ die Musik des legendären Kreolen Sydney Bechet kongenial wieder aufleben. Dafür sorgten unter anderem Olivier Franc, der die Musik auf dessen letztem Sopransaxophon regelrecht zelebrierte und am Schlagzeug Sydneys Sohn Daniel Bechet.

Was kann man in diesen paar Zeilen schon groß erzählen, das den rund 70 Konzerten – auch wenn bis Redaktionsschluss dieser Kreisboten-Ausgabe am Donnerstag noch einige davon ausstanden – auch gerecht wird?

Doch bevor einige der insgesamt 340 Musiker hier in exponierte Stellung gebracht werden, gebührt auch einem guten Teil des Publikums Lob: Viele ließen sich sogar mehrfach ein auf musikalische Abenteuer oder ihnen unbekannte Künstler, unbeirrbar auch dann, wenn sie am Vorabend die Nase ein wenig kräuselten und meinten: „Das war jetzt nicht so meins“. Umso erfreulicher war die Bereitschaft für einen neuen Versuch und am Ende doch meist schönen Erlebnissen. Anders als in den Jahren zuvor war der Jazzgottesdienst – heuer in der St.-Mang-Kirche – eine moderne ökumenische Jazzmesse – komponiert 2012 von Johannes Matthias Michel und einstudiert vom Kaufbeurer Albin Wirbel mit einem eigens zusammengestellten Projektchor und einem Jazztrio. Wer sich anschließend für das „Hélène Labarrière Quartet“ im TheaterOben entschieden hatte, konnte Musik erleben, die aus der innigen Beziehung von Musikern mit ihren Instrumenten entsteht – grandios!

Harter Free-Jazz

Mehr Publikum hätte man sich für den Auftakt der AÜW-Jazzperlen mit dem Pianisten – nein, trotz vieler zarter und leiser Töne vielmehr Entertainer – Jens Thomas gewünscht. Nicht so sehr aus Sorge um den Künstler. Einfach weil man dieses wunderbare Mischung aus trockenem Humor und musikalischer wie stimmlicher Brillanz mit mehr Menschen hätte teilen mögen. Seine Interpretationen von Songs der austra- lischen Hardrocker AC/DC waren Offenbarungen.

Anstrengender waren da die 83-jährige Jazzlegende Rolf Kühn mit seinem zwei Generationen jüngeren „Trio-O“ im TheaterOben. Sie servierten knallharten Free-Jazz vom Feinsten. Sehr überschaubar, dafür aber sehr interessiert, war die Gemeinde, die sich am Dienstagabend zum Emil-Mangelsdorff-Quartett im Kornhaus eingefunden hatte. Als Zeitzeuge erzählte das inzwischen 88-jährige Urgestein des deutschen Jazz auch aus seiner schwierigen Jazz-Vergangenheit während und nach der Jazz feindlichen Hitler-Ära. Hörbar ungebrochen ist seine Passion für Swing und Bebop, die den Zuhörern eines der sicher herausragenden Hörerlebnisse des Festivals bescherte.

Witz und Charme

„Ausverkauft“ meldeten an diesem Abend dagegen die AÜW-Jazzperlen mit entspannendem Programm von „Hannah Köpf & Band“ sowie das TheaterOben: Hier war „Hildegard lernt fliegen“ angesagt. Dabei lehrten die sechs Schweizer Musiker ihrem restlos begeisterten Publikum wie viel Witz, Charme, Skurrilität, Schrägheit und Fantasie ein eigenwilliges, dabei aber geniales Bandkonzept verträgt. Da bleibt eigentlich nur zu sagen: Chapeau!

Endlich etwas Sonne und Wärme gab es am 1. Maifeiertag – und in Folge ein voller Biergarten im Klecks zum Musikerfrühstück mit dem Gismo-Graf-Trio, das am Vorabend bereits im „Stift“ mit ihrer hoch virtuosen Musik à la Django Reinhard für Begeisterung gesorgt hatte. War es am Abend dann doch der Fußball im Fernsehen, der viele Plätze im Stadttheater hatte leer bleiben lassen? „The World Percussion Ensemble“ um den Pianisten Walter Lang jedenfalls bot vor allem mit dem japanischen Trommler Takuya Taniguchi Höchstleistung auf Weltniveau – und das ganz hautnah.

An diesem Wochenende steigt das große Finale. So findet am morgigen Samstag ab 11.30 Uhr das Musikerfrühstück im Klecks mit der Band „Blues Blend” statt. Ab 15 Uhr spielt die Gruppe „Mr. Jazz Mandolin & Band” auf dem Rathausplatz auf. Eintritt wird keiner erhoben. Am Samstagabend geht es schließlich ab 20 Uhr im Stadttheater mit „The Duke Ellington Orchestrea” hoch her, während im Stift „Get the Cat” aufspielen. Im Klecks steht ab 22.30 Uhr der „Klecks-Nightclub” mit „Soultrouble” an. Zum Abschluss am Sonntag gibt es ein Frühstück im Klecks mit „Get the Cat” ab 11.30 Uhr sowie den Auftritt der „Kerberbrothrs Alpenfusion” um 11 Uhr auf der Alpe Sonnenhalde.

Christine Tröger

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