Austausch der Kemptener Tourismus-Akteure

Kempten bei Touristen beliebt

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Die Gelegenheit zum lockeren Austausch wurde in kleinen Runden an den Stehtischen noch ausgiebig fortgesetzt

In den letzten fünf Jahren sind die Übernachtungszahlen in Kempten um 56 Prozent gestiegen, parallel wurden 42 Prozent mehr Stadtführungen bei Kempten Tourismus gebucht und durchgeführt.

Zahlen, die OB Thomas Kiechle zeigen, „dass der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig in unserer Stadt ist“. 

Anfang der Woche hatte das Stadtoberhaupt verschiedene für den Tourismus relevante Akteure zum Rathausgespräch in die Schrannenhalle des Rathauses eingeladen, um im lockeren Austausch Anregungen, Fragen und Sorgen aufzunehmen. Er wies darauf hin, dass unter anderem als neues Strategisches Ziel 2030 „insbesondere die Förderung von Kultur und Tourismus formuliert“ worden sei – zwei Themenfelder, die sich gegenseitig beflügeln würden. So sei auch das Museumskonzept ein aktuelles Thema, das er „sehr ambitioniert angehen“ wolle, auch in der Umsetzung. 

Viele der 2010 erstmals in einem Tourismuskonzept erarbeiteten Maßnahmen seien inzwischen umgesetzt und das Konzept 2014 in diversen Workshops mit allen touristischen Partnern fortgeschrieben worden. Der Arbeitskreis „Forum Tourismus Kempten“ treffe sich regelmäßig und sei seit einigen Wochen „intensiv mit der Erarbeitung von Handlungsfeldern und konkreten Maßnahmenbündeln“ für die neuen strategischen Tourismusziele befasst. Zum Beispiel sei noch viel Potential bezüglich des Alleinstellungsmerkmals „Römerstadt“ und Kempten, „als älteste schriftlich genannte Stadt Deutschlands“ oder als Tagungs- und Kongresszentrum, im Bereich Event-, Sport- und Aktiv-Tourismus oder auch als Destination für Gruppenreisen. Die positive Entwicklung der Übernachtungen in Kempten führte Kiechle unter anderem auf das erweiterte Übernachtungsangebot zurück und auch „in etablierte Hotels wurde und wird kräftig investiert und erweitert“. Als Teil der Radrunde Allgäu sei die Stadt auch im Geschäftsfeld Radtourismus vertreten und vermarkte gemeinsam mit anderen Städten alle städtetouristischen Aspekte der Region. 

Besonders rege beteiligten sich die Stadtführerinnen und Stadtführer mit Anregungen am zunächst noch in großer Runde geführten Austausch. Als Problem benannt wurde zum Beispiel der Mangel an Bus-Parkplätzen in der Innenstadt, wobei „die an der Iller immer von Privatautos zugeparkt sind “ und die am Stadtrand zu entlegen seien. Und auch die Toilettensituation entpuppte sich als unzureichend. Nicht nur, dass es eindeutig zu wenig öffentliche Toiletten gibt, sondern auch dass vorhandene nicht sauber seien und „stinken, so dass man sich schäme Touristen dorthin zu schicken.“ Ähnlich wurden auch die an Samstagen in der Fußgängerzone überquellenden Abfalleimer kritisiert, an denen man mit den Besucher- gruppen vorbeiziehe. Bemängelt wurde weiter, dass die Führungsangebote – unter anderem auch der Film in der Erasmuskapelle – lediglich in Deutsch und Englisch angeboten werden. „Manche Besucher von Partnerstädten sind regelrecht beleidigt“, dass ihre Sprache nicht verfügbar sei. Heinz Buhmann, Geschäftsführer Kempten Tourismus, nahm es auf und wies darauf hin, dass es zumindest bereits einige Broschüren in weiteren Sprachen wie Italienisch und Spanisch gibt. 

Ein „Ausreißer“ in Kemptens Brunnenlandschaft, so eine Stadtführerin, sei der „Anna-Schwegelin-Brunnen“, der ja an die letzte Hexe Kemptens erinnern solle und „so unfertig dasteht“, dass er entweder „abgezogen oder künstlerisch weiterentwickelt“ werden müsse. Auch der Wunsch, die Burghalde aus dem „Dornröschenschlaf“ zu erwecken und stärker in den Mittelpunkt zu rücken, wurde laut. Dazu sei man im Gespräch mit den Altstadtfreunden, meinte Kiechle, der hier zudem „ein pflegerisches Problem“ einräumte, das aber angegangen werde. Ihrem Ärger über das Beginenhaus machte eine der Stadt- führerinnen Luft, das in „keinem Schönheitsschlaf“ liege und „so hässlich aussieht“. Es mache keinen Sinn mehr mit Touristen dort hin gehen, „weil man einen Schandfleck vorstellen muss“, dabei sei es „eigentlich ein Juwel“, wetterte sie. Kiechle versprach, dass „es ein Punkt wird, zu dem Sie gerne gehen werden“. Als ärgerlich wurde auch empfunden, dass die Tourist-Info ein halbes Jahr lang samstags geschlossen ist, für eine Stadt wie Kempten „ein Armutszeugnis“ und auch der Internetauftritt der Stadt bekam keine guten Noten. 

Zwar wurde auch Verbesserungsbedarf beim Bekanntheitsgrad der Stadt Kempten angemahnt – die werde im Übrigen auch von den Nachbargemeinden nicht recht bewor- ben –, aber es gab auch viele lobende Stimmen zum „schönen Bild“, das die Stadt abgebe und zu dem die Stadtgärtnerei einen großen Beitrag leiste. Laut Hans Schmid vom Hotel Sonnenhang, sind die Gäste oft sogar „überrascht von der Attraktivität der Stadt“. Christine Tröger

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