Transparente Kunst

„Transparenz“ in facettenreicher Vielfalt bietet die aktuelle Ausstellung im Kemptener Kunstkabinett. Tröger

„Mehr Transparenz für den Verbraucher“ fordert die Künstlerin Bernadette Mayr mit ihrem so betitelten Werk, in dem ungekochte Spaghetti wie ein Strichcode in transparentem Tüll angeordnet von der Decke baumeln. „Transparenz“ lautet das Thema der aktuellen Jahresausstellung im Kunstkabinett. Bestückt ist sie mit einer Vielfalt an Werken und Interpretationen zeitgenössischer Künstler sowie Exponaten aus der Sammlung Dr. Wilhelm Maul.

„Für mich ist Transparenz erst mal ein Postulat was wir gerne hätten“, wenngleich die Realität meist das Gegenteil spiegle, meinte Eröffnungsrednerin Dietlinde Assmus. Aus ihrem Schaffen hat sie ein Objekt mit dem vielsagenden Titel „Durchblick? Spiegel? Ich?“ aus Holz, Farbe und Glas beigesteuert. Wie transparent mag das Zerrbild wiedergeben, was sich im unter einer Schicht von Glasscherben liegenden Spiegel abbildet? Mit einem feinsinnigen Augenzwinkern hat sich Wolfgang Steinmeyer unter anderem in seinem Bild „Das transparente Huhn“ dem Thema angenommen. Akribisch und gewohnt humorvoll zeigt er darin, was im Inneren eines Huhns so abläuft. „Ätherische Gefäße“ aus Seide hat Gudrun Gmelch mit dem vorgegebenen Thema assoziiert. Menschlich transparent erscheint die Tuschzeichnung „Brustbildnis Frau Schiefer mit Tochter“ von Emil Nolde. Durchscheinend, sich im Licht reflektierend, sind die in Öl gemalten Gefäße in Maria Farkas’ Stilleben. Aus Ton, Engobe, Kaltfarbe und Metall hat Barbara Grieshammer ihre Installation „Transparez“ gefertigt. Neun weibliche, bein- und gesichtslose Körper, mit hohler, offener Rückseite. Mal ein durchsiebter Rumpf oder Kopf, mal ein großes Loch in der Brustmitte lassen unterschiedliche innere wie äußere Blickwinkel zu. Spielerisch erforschend ist hingegen die Herangehensweise von Roland Breitinger, in seiner räumlichen Collage „Würfel, Elf mögliche Abwicklungen“. Eine ganz eigene Art von Transparenz entwickelt sich wiederum beim Betrachten des Holzschnittes „Springender Tiger“ des 1670 geborenen japanischen Künstlers Tachibana Morikuni, bei dem sich die Durchsichtigkeit vor allem durch das Nebeneinander des in zarter Linienführung gehaltenen Tieres und einem kräftig konturierten Baum offenbart. Eigener Raum Dem „transparenten“ Reigen an Fotografien, Malereien, Zeichnungen, Objekten, Lithos und Radierungen ist – wie jedes Jahr – ein eigener Raum den Künstlern des Trienter Kreises „La Cerchia“ vorbehalten. In der Ausstellung ist es gelungen, die Vielschichtigkeit der doch eigentlich „schichtlosen“ Transparenz greifbar zu machen und ihr viele Gesichter zu geben. Eine Besichtigung der Werke ist noch bis 13. November im Kemptener Kunstkabinett in der Salzstraße 12 möglich. Die Öffnungszeiten sind: Donnerstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr sowie an Sonntagen von 11 bis 16 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter der Telefonnummer 0831/28 381.

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