Trauerfeier für Adi Sprinkart

Mit Herzblut fürs Allgäu

Die Besucher der Trauerfeier konnten ihren persönlichen Gedanken zum plötzlichen Tod Adi Sprinkarts Ausdruck verleihen.

Niedersonthofen – Mit einer Trauerfeier nahm das Oberallgäu Abschied vom Landtagsabgeordenten Adi Sprinkart. Zu der Feierstunde waren neben zahlreichen Politikern der Region auch die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm, sowie Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Sprinkarts Allgäuer Landtagskollegen gekommen.

Ein gemeinsamer Blick auf das Leben des Menschen Adi Sprinkart war es dann, keine Würdigung seines politischen Lebens, vorgetragen in schlichten Sätzen, begleitet von Fotos des „privaten“ Sprinkart. „Der Sprachlosigkeit Worte geben“ beschrieb der Schauspieler Otto Kukla aus Oberstaufen den Kerngedanken der Feier, „und gemeinsame Erinnerungen streifen.“ Und gleich schob der Sprecher des Rückblicks einen typischen Satz nach, der Sprinkart ab und an über die Lippen kam: es werde nirgendwo so gelogen wie auf Beerdigungen. Der gemeinsame Rückblick sollte der Schlussakkord sein. Keine weiteren Reden und Würdigungen, weder von Freunden noch von politischen Weggefährten. „Dann soll es so stehen bleiben.“ 

Kindheit und Jugend im kleinen Bauerndorf Gopprechts. Schon in der Volksschule erwies sich der aufgeweckte Bauernbub Adi Sprinkart als schlauer Kopf, besuchte die Realschule, machte eine Lehre als Industriekaufmann, ging an die Fachoberschule, bevor es nach Münchgen ging – Studium Sozialpädagogik. Schließlich doch noch was Bodenständiges mit der Landwirtschaftslehre. Dann die „bewegten Jahre“ mit Familiengründung, Kindern – und schließlich die Trennung. „Gefühle zu zeigen, war nie seine Stärke.“ Dazu im Hintergrund das bekannte Lied von Hannes Wader „Heute hier, morgen dort...“ 

Die politische Laufbahn begann in den 1970er Jahren, etwa beim Widerstand gegen Straßenbauten, wo Adi Sprinkart eine Rolle in „Zipfelmüllers Alptraum“, dem Aufsehen erregenden Theaterstück spielte. Zu den gerade „erfundenen“ Grünen habe er gemeint: „Eine Partei wird das nie.“ Schon zwei Jahre später war Sprinkart Mitglied der jungen, neuen Partei. 

Für die Grünen zog er 1990 in den Oberallgäuer Kreistag ein, 1997 als Nachrücker in den Bayerischen Landtag. Der Biobauer widmete sich vor allem der Agrarpolitik, war zur „öffentlichen Person“ geworden. „In München die Pflicht, im Allgäu die Kür“, so hatte Sprinkart den Spagat beschrieben. „In München rumturnen“, wie er es manchmal bezeichnete, war eine Sache, daheim etwas zu bewegen, zu gestalten, auch politisch, eine andere. 

Doch verbiegen lassen, habe sich der Mensch und Politiker Sprinkart nie, so der Rückblick. Daheim „rumturnen“ war Sprinkart eine Herzenssache. So „erfand“ er den Politischen Aschermittwoch der Oberallgäuer Grünen und scheute sich nicht, politische Aktionen mit Humor zu würzen. Immer in Hektik, oft auf den letzten Drücker, hatte er viele Baustellen am laufen, verlangte viel von sich und anderen. „Ma sott“, lautete seine in Allgäuer Dialekt verpackten Anweisungen. 

„Adi hat bei uns allen Spuren hinterlassen“, schloss der Rückblick. „Bleibet no und sind gean do...“ hätte Sprinkart wie so oft am Ende von Veranstaltungen und Festen gemeint. Mit dem Lied von Reinhard Mey „Gute Nacht Freunde“ klang die Trauerfeier aus.

Josef Gutsmiedl

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