Umtriebige Familie

In Altusried sitzt eine Familie rund um den Tisch. Der Vater genießt sein Bier, die Mutter nippt an einem Glas Rotwein. Tochter Pia erfrischt sich mit Mineralwasser und Nesthäkchen Axel schlürft ein Spezi. Was daran so besonders ist? Der Normalzustand bei vielen anderen Familien war bei den Frohn´s im abgelaufenen Jahr eher die Ausnahme.

Die längste Auszeit von den gemeinsamen Essen nahm Pia, die ein knappes Jahr bei ihrer Gastfamilie in Erie, Pennsylvania, USA verbrachte und als einzige Ausländerin an ihrer Highschool natürlich intensiv beobachtet wurde. Deutsche Disziplin und Beharrlichkeit beim Lernen brachten ihr nicht nur Spitzenplätze bei der Notenvergabe, sondern auch den Spitznamen „ Germany“ ein. Weil in diesem Namen aber auch Anerkennung für ihr sportliches Engagement im Softball-Team und die Leistung bei der Aufführung eines Theaterstücks mitklingt, ist sie sogar ein wenig stolz darauf. Obwohl ihr die Zeit in den USA gut gefallen hat und sie natürlich Kontakt mit den Mädchen der Gastfamilie (18 und 16 Jahre) und dem 13–jährigen Sohn halten will, ist der american way of life nicht ihr Ding. „Immer größer, teurer, schneller ist nicht das allein selig machende,“ gibt sie zu. Und erst die Ernährung. „Ohne regelmäßigem Sport, das heißt drei Stunden täglich und den Turnieren am Wochenende, hätte ich jetzt die landesübliche Figur,“ scherzt Pia. Beim Trip zu den Niagara-Fällen, ein Familienausflug anlässlich ihres 16. Geburtstags, wurden aber keine Kalorien gezählt. Neben den vielen schönen Erinnerungen hat sie profunde Englischkenntnisse mit nach Hause gebracht, die Abiturprüfung am Carl-von-Linde-Gymnasium kann kommen. Die Wahlfächer Kunst und Keramik an der amerikanischen Schule haben ihre Vorliebe für diese Bereiche noch verstärkt, der Leistungskurs Kunst wird die Abiturnote sicherlich nach oben schrauben. Der bei uns wenig beachteten Sportart Softball ist sie treu geblieben. Zum Training muss sie allerdings nach Steinheim fahren. Seinen Sportaktivitäten hinterherfahren muss auch Axel. Das Bewegungstalent kommt mit allem klar. Klettern, Surfen, Mountainbike, Snowboard, Schießen im Schützenverein – bei allem macht er eine gute Figur. Vom Weissenhäuser Strand an der Ostsee bis zu den Skigebieten in den Alpen reichen die Ziele seiner Ausflüge. Die nähere Umgebung lernt er bei Schießwettkämpfen am Wochenende kennen. Eine klare Vorstellung der beruflichen Zukunft hat der Schüler der achten Klasse der Wirtschaftsschule, der sich demnächst für eine Woche nach Brighton abmelden wird, auch schon. Pyrotechniker sagen die Fachleute dazu. Auf Deutsch: Feuerwerker. Beim großen Feuerwerk anlässlich der Premiere der Freilichtspiele durfte er bereits assistieren, ein Traum ging damit für ihn in Erfüllung. Ein Drittel seines Traumes hat sich Peter Frohn schon erfüllt. Er lief den Jakobsweg von Altusried bis Lyon, 800 Kilometer. Die Fitness für die restliche Strecke holt er sich beim Radfahren. Ein Ausflug nach Rom oder mal schnell die 80 Kilometer von Altusried nach Ravensburg sind für den selbständigen Kaufmann keine Herausforderung, die ihn an die Grenze seines Leistungsvermögens bringt. Das Reisefieber hat er geerbt und offensichtlich weitergegeben. Mit dem Zelt durch Mexiko, Trekking durch die Wüste Gobi, 6000 Kilometer per Pedes, mit Bahn und Bus durch Indien, die Aufzählung nimmt kein Ende. Island, Marokko, Peru, Venezuela, Brasilien und die USA hat er bereist, aber nicht als Pauschaltourist. Er braucht den Kontakt mit Land und Leuten. Mit Anekdoten und den Schilderungen seiner Reiseerlebnisse könnte er einen ganzen Abend füllen. Ruhender Pol Umsorgt werden die Gäste, die in diesen Genuss kommen, von Mutter Renate. Sie ist der ruhende Pol, der Fels in der Brandung. Aber ein Hausmütterchen ist sie nicht. Das Hobby hat sie zum Beruf gemacht, seit zehn Jahren bietet sie in ihrer Naturheilpraxis ihre Kenntnisse der Kinesiologie und der Akupunktur an. Letzteres wollte sie dort studieren und kennenlernen, wo es seit 5000 Jahren praktiziert wird. Drei Wochen musste die Familie ohne sie auskommen. Im chinesischen Hang Zhou erfuhr und erlebte sie den selbstverständlichen Umgang mit den Nadeln, die große Akzeptanz dieser Heilmethode bei den Einheimischen. Dies macht sie sicherer bei Diagnose und Anwendung. Somit kommen auch die Allgäuer in den Genuss der umtriebigen Familie Frohn aus Altusried.

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Neues Wettbewerbsgebiet für Stadtparkgestaltung

Kempten – „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“ lautet eine Redensart, die sich nun bei der Auslobung für den Wettbewerb zur …
Neues Wettbewerbsgebiet für Stadtparkgestaltung

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kommentare