Unterstützung für Epileptiker

Diabetes kennt jeder. Aber hätten Sie gewusst: Epilepsie ist genauso stark in der Bevölkerung verbreitet. Mehr als ein Prozent aller Menschen ist davon betroffen, acht Prozent durchleben mindestens einmal im Leben einen epileptischen Anfall. Nur: diese Erkrankung ist nach wie vor sehr mit Vorurteilen und Tabus behaftet, die zum Teil aus der Vergangenheit stammen und dank medizinischer Fortschritte überholt sind.

Die neu gegründete Epilepsie-Beratungsstelle Schwaben-Allgäu mit Beratungsbüros in Kempten und Memmingen hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität von Menschen mit Epilepsie zu verbessern. „Dies kann durch individuelle Informationen, Beratung und Unterstützung geschehen“, machen die beiden Ansprechpartnerinnen Barbara Eberle aus Kempten und Ulrike Titze aus Memmingen deutlich. Ein wichtiger Schritt dahin sei auch: „Mit der Erkrankung leben zu lernen.“ Mehr Zeit für Betroffene Mit der Errichtung der Beratungsstelle im Regierungsbezirk Schwaben ist auch der letzte „weiße Fleck“ im epilepsie-spezifischen Angebot auf der bayerischen Landkarte verschwunden. Die erste entstand 1996. Träger der Beratungsstelle hier ist die Körperbehinderte Allgäu mit Sitz in Kempten. Kooperationspartner ist das sozialpädiatrische Zentrum Memmingen (SPZ), wo durch die angegliederte Epilepsieambulanz auch eine fachärztliche Begleitung möglich ist. „Die Zeit der Mediziner ist im Allgemeinen begrenzt. In der Beratungsstelle können wir uns Zeit für Fragen nehmen, egal ob persönlicher, familiärer, beruflicher, rechtlicher, sozialer oder medizinischer Art“, informieren die beiden Sozialpädagoginnen Barbara Eberle und Ulrike Titze. Oft tritt die Epilepsie bereits im Kindesalter ein erstes Mal auf, andererseits kann es nach einem Schlaganfall auch eine Folgeerscheinung sein. Die richtige Beratung für die Betroffenen ist elementar, denn so wird ein möglichst normales Leben möglich. So ist es mit einer gut eingestellten medikamentösen Therapie heute möglich, für 70 Prozent der Erkrankten Anfallsfreiheit zu erreichen. Auch lernt der Betroffene im Laufe der Zeit, auf die Signale in seinem Körper zu hören. Beratungsunterstützung gibt es auf Anfrage auch für Angehörige, Freunde, Lehrer, Arbeitskollegen und alle indirekt Betroffenen. Grundinformationen erfragte jüngst die Mutter eines siebenjährigen Buben. Habe ich Anspruch auf eine Pflegestufe? Inwieweit muss ich ihn schonen? Was ist mit den Geschwistern? Oder auch: Gerade erlebte ein 17-Jähriger seinen ersten großen Anfall („grand mal“). In der Beratungsstelle erhielt er individuellen Rat. Er selbst werde seine Freunde über sein Handicap aufklären, entschied sich der junge Mann nach dem Gespräch. Längst nicht alle haben diese Selbstsicherheit. Ein 21-Jähriger zieht sich aktuell komplett zurück, mag gar nicht mehr aus dem Haus gehen. „Nicht bei jedem Anfall muss gleich ein Notarzt geholt werden. Bei Kenntnis der wichtigsten Verhaltensregeln lässt sich dies oft vermeiden“, erklärt Titze. „Der Klient selbst erlebt den Anfall oft gar nicht bewusst. Da ist die Außensicht dazu meist dramatischer“, ergänzt ihre Kemptener Kollegin.

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