Im Kemptener Stadtrat verändert sich nur wenig

In bürgerlicher Hand

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Die Verluste der Kemptener CSU im Vergleich zur Stadtratswahl von 2008 sind am deutlichsten. Künftig werden die Christsozialen mit zwei Stadträten weniger vertreten sein. Offenbar sind einige frühere CSU-Wähler zu den Freien Wählern übergelaufen, die zwei Sitze im Stadtparlament dazu gewinnen können. Einen Sitz mehr bekommt auch die SPD, die wohl nicht unerheblich von ihrem OB-Kandidaten Martin Bernhard profitiert. Trotz leichter Stimmgewinne reicht es bei den Grünen nicht für ein weiteres Mandat. So ändert sich insgesamt wenig im Kemptener Stadtrat.

Kempten – OB-Kandidaten durchgedrückt, Stadtratssitze verloren. So könnte das Fazit der Kemptener CSU aus der Kommunalwahl vom Sonntag lauten. Denn die Christsozialen werden statt bisher 18 künftig nur noch 16 Stadträte stellen und sind so gesehen der Verlierer dieser Wahl. 

Der Gewinner sind dagegen die Freien Wähler (FW), die künftig mit acht statt sechs Räten im Stadtparlament vertreten sein werden. Auch die SPD konnte zulegen. 

Mit 285 351 Stimmen erhielt die CSU am Sonntag nur noch 37 Prozent der Stimmen. Vor sechs Jahren waren es noch 40,6 Prozent gewesen. Das bedeutet, dass die CSU im Stadtrat künftig mit zwei Stadträten weniger vertreten ist. „Die entscheidende Weichenstellung war die OB-Wahl“, will Kreisvorsitzender Thomas Kreuzer das aber nicht allzu hoch hängen. Für ihn zählt ohnehin mehr, dass die verlorenen Stimmen offenbar zu den FW abgewandert sind und somit „im bürgerlichen Lager bleiben“. 

Die Gründe für die Verluste der CSU, die offenbar zu Gewinnen für die FW wurden, sieht er in der Zusammenstellung der Kandidaten. Während seine Partei auf viele junge, unbekannte Nachwuchskräfte gesetzt habe, hätten die FW prominentere Kandidaten gewonnen. „Ob die ihre Aufgabe im Stadtrat erfüllen, muss man noch abwarten“, so Kreuzer. Insgesamt sei er sehr zufrieden. „Wir haben eine solide Mehrheit für Thomas Kiechle“, betonte er. Schließlich wolle die Fraktion weiter mit den FW eng zusammenarbeiten. 

Freie Wähler legen zu 

Vor allem vom schlechten Abschneiden der CSU profitiert haben die Freien Wähler, die von 12,8 auf nunmehr 18,2 Prozent (139 937 Stimmen) zulegen konnten, was künftig zwei Sitze mehr im Stadtrat bedeutet. „Das ist ein toller Erfolg für uns“, frohlockte FW-Vorsitzender Herbert Karg am Montag. „Das deutliche Plus ist beachtlich.“ Die Gründe für den Erfolg liegen für Karg auf der Hand: „Wir haben eine mit bekannten Gesichtern und guten Leuten besetzte Liste gehabt“, erklärte er. 

Karg selbst wird dem Gremium künftig allerdings nicht mehr angehören. Für ihn reichte es nicht. „Das ist eine Enttäuschung für mich“, bekannte er. „Ich habe mir persönlich nichts vorzuwerfen. Ich habe mich sechs Jahre lang vor allem als Beauftragter für Wirtschaft, Festwoche und Tourismus eingebracht.“ Ob er Vorsitzender der FW bleibt, ließ Karg zunächst offen und verwies auf die Jahreshauptversammlung im Mai. 

Dazugewonnen hat auch die SPD, auf die 131 272 Stimmen (+ 2,82 Prozent) entfielen. Damit sind die Sozialdemokraten in der neuen Amtsperiode mit sieben statt der bisher sechs Stadträten vertreten. Kurzzeitig erschienen sogar acht Sitze für die SPD nicht unmöglich. „Wir freuen uns, dass wir das eine Mandat dazu gewonnen haben und die Fraktion gestärkt haben“, freute sich Kreisvorsitzende Katharina Schrader am Montag. Dass OB-Kandidat Martin Bernhard auf Anhieb hinter Thomas Kiechle landete, sei das Ziel gewesen, auf das man im Wahlkampf hingearbeitet habe. Diese Strategie sei aufgegangen. „Darauf haben wir spekuliert“, sagte sie. 

Die Kemptener Grünen konnten ebenfalls im Vergleich zu 2008 leicht zulegen, und zwar um 2,28 Prozent (105 812 Stimmen). „Das freut uns natürlich“, so Kreisvorsitzender Uwe Vry. An der Anzahl der Stadträte ändert das jedoch nichts – es bleibt bei den bisherigen sechs. „Leider hat es für ein weiteres Mandat nicht gereicht“, sagte Vry weiter. Unzufrieden ist der Vorsitzende dagegen mit dem Abschneiden von OB-Kandidat Thomas Hartmann. „Das wäre ausbaufähig gewesen“, sagte der Vorsitzende. 

Gespräche laufen 

Was für die Grünen gilt, gilt auch für die FDP und die UB/ödp. Zwar mussten beide leichte Verluste hinnehmen, sind aber weiterhin mit drei Stadträten im Stadtparlament vertreten. Vor allem die FDP musste um den dritten Sitz lange zittern, erst die Auszählung der Briefwahl brachte Gewissheit. „Aufgrund dieses Verlaufs sind wir erfreut und glücklich“, erläuterte Vorsitzender Dr. Dominik Spitzer. Noch am Montagabend sollten mit UB/ödp Gespräche über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit geführt werden. 

Dort ist man enttäuscht über das Minus von fast einem Prozent. „Das hatten wir so nicht erwartet”, gibt ödp-Kreisvorsitzender Michael Hofer unumwunden zu. „Wir haben wohl zuviel argumentiert und zu wenig Köpfe gebracht”, bilanzierte der Vorsitzende. An der Zusammenarbeit mit den Liberalen will auch er festhalten, kündigte er am Montag an. 

Auch die Republikaner konnten ihren einen Sitz im Stadtrat trotz leichter Stimmverluste verteidigen. Statt Gert Frings, der nicht mehr kandidiert hatte, wird künftig Republikaner-Spitzenkandidat Michael Ulmer im Kemptener Stadtrat sitzen.

Matthias Matz

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