"Vernünftige Lösung"

In der Jahrzehnte anhaltenden Diskussion um den Verkehrskomplex Lenzfried-Leupolz-Betzigau scheint ein Durchbruch erzielt: In einer Bürgerversammlung am vergangenen Mittwoch haben Landrat Gebhard Kaiser (CSU), Betzigaus Bürgermeister Roland Helfrich, sowie der Oberallgäuer Tiefbauamtschef Bruno Müller und Verkehrsexperte Reiner Neumann ein Konzept präsentiert, das mit drei Teillösungen vor allem den Schwerlastverkehr aus Kempten und Betzigau heraushalten soll. Der Plan ist das Ergebnis einer Arbeitsgruppe mit Vertretern aller betroffenen Kommunen und des Kreises. 2011 könnte laut Kaiser Baubeginn sein.

So sehr sich die Verantwortlichen noch vor einem dreiviertel Jahr wegen des Themas beharkt hatten, so einmütig präsentierten sie im voll besetzten Bürgerzentrum, dem Saal des Gasthofs Hirsch, ihre Lösung zu dem Thema. Das Hauptproblem lautete weiterhin, wie bekommt man den Lkw-Verkehr in den Griff, den das Gewerbegebiet Betzigau erzeugt? Da die Bahn-Brücke am westlichen Betzigauer Ortsrand zu niedrig für die Brummis ist, nehmen die Lastwagen den Umweg über die Kemptener Ortsteile Lenzfried und Leupolz. So wie bereits im vergangenen Herbst diskutiert, soll es nun eine Dreifach-Lösung richten. Die schließt eine Südanbindung der Lenzfrieder Straße zur A7 ebenso ein, wie eine Nordwest-Umfahrung um Betzigau und eine B12-Anbindung bei Bogenried vor Wildpoldsried. Anders als noch vergangenes Jahr angedacht, soll eine etwaige Nord-Westumfahrung jedoch keine eigene B12-Anbindung mit einschließen, wie Bruno Müller erklärte. Der moorige Untergrund und zu viele verschiedene Grundstücksbesitzer seien die Hauptprobleme. Stattdessen soll die Straße östlich des Betzigauer Ortskerns die Bahnstrecke nach Norden überqueren und zum Gewerbegebiet westlich abknicken, so die laut Müller günstigste Variante. Kostenpunkt: 2,5 Millionen Euro. Mehrere Varianten möglich Die B12-Schnittstelle Bogenried lässt mehrere Varianten zu, die zwischen 1,7 und drei Millionen Euro kosten dürften. Die Südumfahrung soll zwischen Betzigau und Minderbetzigau verlaufen und einen Zugang zur A7 schaffen, ebenfalls für rund 2,5 Millionen Euro. Laut Verkehrsexperte Reiner Neumann von der Firma Modus Consult können die Maßnahmen mehrere tausend Autos täglich aus dem Ortskern von Betzigau sowie den Kemptener Ortsteilen Lenzfried und Leupolz abziehen. Er erklärte jedoch, dass nur das Gesamtkonzept eine wirkliche Entlastung bringe, die Teillösungen alleine hätten keinen durchschlagenden Effekt. Hier bahnte sich eine weitere Problematik an: Was baut man zuerst? Die Südumfahrung würde Lenzfried entlasten, die Nord-West-Lösung Betzigau. Neumann selbst halte die Nordwestumfahrung „mit zeitnaher Umsetzung der Anschlussstelle Bogenried“ und dann die Südumfahrung für die sinnvollste Variante. plädiert jedoch für die Wichtigkeit des Gesamtkonzepts. Mit entscheidend für die Reihenfolge dürfte sein, auf welchem Grund man zuerst bauen kann. Viele der benötigten Flächen sind nämlich noch im Privatbesitz, die Verhandlungen noch am Anfang. „Schaffen wir das?“ lautete daher die berechtigte Frage aus der Zuhörerschaft. Kaiser und Helfrich appellierten an die Grundbesitzer. „Ich hoffe, dass wir mit einer ordentlichen Entschädigung und Tauschflächen jeweils zu einer vernünftigen Lösung kommen“, so der Landrat, meinte aber auch: „Im Laufe des Jahres 2010 muss bei den Grundstücken Klarheit herrschen, um den Zeitplan einhalten zu können.“ Kaiser hält einen Baubeginn 2011 für realistisch. „Wir haben die Maßnahme in der Finanzplanung des Landkreises“, erklärte er. Gut 60 Prozent Zuschuss erwarte er vom Freistaat.

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